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Aktuell keine Wartelisten bei Kinderbetreuung


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Aktuell keine Wartelisten bei Kinderbetreuung

Text Johannes Mayerhofer
Ausgabe 02/2026

Auch das Thema „Kinderbetreuung“ geriet in den politischen Wirbelsturm des St. Pöltner Wahlkampfes. Während die Stadt Fortschritte im Rahmen der Kindergartenoffensive 2024 betont, sehen andere noch Lücken. Vor allem bei Tagesbetreuungsplätzen für Kinder unter zwei Jahren.

Für die meisten Österreicher sind  zwei Arbeitseinkommen nötig, um die eigene Familie finanziell durchzubringen. Deshalb sind viele Eltern bereits gegen Ende der Karenzzeit auf der Suche nach einem Platz in einer Kinderkrippe, wo Kinder im Alter bis zum dritten Geburtstag betreut werden. Im Wahlkampf musste sich die Stadt St. Pölten diesbezüglich einiges an Kritik anhören. „St. Pölten hinkt bei der Betreuung von Unter-Zweijährigen hinterher“, behauptete etwa ÖVP-Oppositionspolitiker Florian Krumböck. „Das belegt die Statistik.“ Zuvor war bekannt geworden, dass die Plätze im Kinderhaus der (SPÖ-nahen) Volkshilfe ab Herbst 2026 Geschichte sein werden.

Neue Tagesbetreuungsgruppen an sechs Standorten
Der (wiederum ÖVP-nahe) Familienbund legte daraufhin Pläne vor, mit denen im ehemaligen Kolpinghaus an der Promenade drei Kindergruppen mit insgesamt 45 Plätzen geschaffen werden könnten. Gespräche zwischen Magistrat und Familienbund im Dezember endeten jedoch mit einer städtischen Absage. Herrscht in St. Pölten nicht Mangel an Kinderbetreuungsplätzen? „Nein“, heißt es in einer Beantwortung einer MFG-Anfrage seitens der Stadt. Hier betont man die Fortschritte im Ausbau der Kinderbetreuung im Rahmen der „Kindergartenoffensive 2024“: „In den Kindergärten Wiesnergasse, Karl Peffer-Gasse, Ludwig-Stöhr-Straße, Mooshöfer-Gasse, Trogergasse  und  Dr. Rudolf Kirchschläger-Straße wurde jeweils eine Tagesbetreuungsgruppe baulich umgesetzt und von der Stadt vorfinanziert.“ (Projekte der Kinderbetreuung werden vom Land stets nachträglich gefördert.) Die Gruppe in der Trogergasse wird mit April 2026, jene in der Dr. Rudolf Kirchschläger-Straße mit September 2026 in Betrieb gehen.
Insgesamt gehe es um 25 neue Kindergartengruppen, von denen 12 Kleinkindergruppen für Kinder ab zwei Jahren sind und fünf neue Standorte für Tagesbetreuungeinrichtungen (TBE) von Kindern unter zwei Jahren. „Außerdem wurden mit Jahresbeginn 2026 die drei Tagesbetreuungs-Gruppen im  Volkshilfe-Kinderhaus für Kinder ab dem ersten Geburtstag durch die Stadt übernommen“, heißt es weiter. Die Stadt bestätigt, dass die Kindergartenplätze für das Kindergartenjahr (KGJ) 2025/26 „sehr gut ausgelastet“ seien. Dies betreffe sowohl die Gruppen mit Kindern über, wie auch jene mit Kindern unter drei Jahren, und städtische wie auch private Plätze. So erwarte man in dieser Periode 1.994 Anmeldungen. Jene Anmeldungen für Kinder unter drei Jahren seien mit 470 um 77 im Vergleich zum KGJ 2024/25 gesunken. Auch in den TBEs für Kinder unter zwei sei eine „sehr gute Auslastung“ gegeben. In St. Pölten gibt es 75 städtische und 120 von Stadt und Land geförderte TBE-Plätze. Hier scheint die Anzahl der Plätze nach Angaben des Stadt fast exakt die Nachfrage zu treffen. „Mit Stand Mitte Februar wurde allen bisher angemeldeten Kindern (Kindergarten und TBE) ein Platz in einer St. Pöltner Bildungseinrichtung zugeteilt“, heißt es auf Nachfrage. Einzelne Eltern hätten diesen aber abgelehnt, weil sie nur eine bestimmte Einrichtung wollen. Nur in diesen Fällen wurden Kinder auf Wunsch der Eltern auf Wartelisten gesetzt.

Familienbund mit Skepsis
Im eingangs erwähnten Gespräch mit dem Familienbund habe die Stadt dargelegt, dass der Bedarf aufgrund der oben geschilderten Ausbautätigkeiten im Rahmen der Kindergartenoffensive gedeckt sei. „Frau Irene Bamberger (Obfrau des Familienbundes NÖ) bedankte sich für das Gespräch und gab an, dass sie nicht in Kenntnis der aktuellen Betreuungssituation war und deswegen auch die aktuelle Haltung der Stadt bezüglich der finanziellen Aussicht und der budgetären Sicherheit versteht. Es wurde eine Wiederaufnahme des Gespräches vereinbart, sobald sich ein weiterer gesicherter Bedarf und eine gesicherte Finanzierung ergibt“, lässt die Stadt wissen. Beim Familienbund klingt das auf Anfrage des MFG-Magazins ein bisschen anders. „Dass die Situation bei Tagesbetreuungseinrichtungen in St. Pölten gedeckt sei, stellen wir infrage“, zeigt sich Irene Bamberger skeptisch. Sie verweist darauf, dass der Familienbund in umliegenden Gemeinden immer wieder Anfragen von Eltern aus dem Gebiet St. Pölten Stadt bekommt, welche für ihre unter zweijährigen Kinder keinen Platz bekommen hätten. „In kleineren Gemeinden gibt es 30 TBE-Plätze für Kinder zwischen einem und zwei Jahren auf 5.000 Einwohner. Ein solcher Anteil ist in der Stadt St. Pölten nicht gegeben“, sagt Bamberger weiter. Bei 195 städtischen und geförderten TBE-Plätzen auf circa 60.000 St. Pöltnern, wären das etwa 16 Plätze auf 5.000 Einwohner. „Das ist nur meine persönliche Sichtweise, aber ich glaube außerdem, dass in kleineren Gemeinden die Familienstruktur stärker so aussieht, dass Kinder in dem Alter noch familiär betreut werden, als in städtischem Gebiet, wo eher auf institutionelle Betreuung zurückgegriffen wird.“ Weiter verweist sie darauf, dass die von der Volkshilfe durch die Stadt übernommenen TBE-Gruppen mit September 2026 enden, wie auch medial berichtet wurde. Das Angebot für 45 Betreuungsplätze für Kleinkinder im Kolpinghaus sei nach wie vor aktuell. Genaue Details zu den räumlichen und organisatorischen Umständen eines solchen Projekts im Kolpinghaus könne Bamberger zwar noch nicht geben. „Die Öffnungszeiten passen sich grundsätzlich den Bedürfnissen der Eltern an, sollen sich aber von Montag bis Donnerstag von 7.00 bis 17.00 Uhr, freitags von 7.00 bis 14.00 Uhr erstrecken“, teilt Bamberger mit. Die Gesamtfläche der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten beträgt 384 m². Die räumliche Lage sei durch die „perfekte öffentliche Anbindung“ für viele Eltern von Vorteil. Durch die Schließung des Kindergartens in der Klostergasse wäre nach Bamberger auch wieder eine zentrale Kinderbetreuung für die Familien gewährleistet.
Die Zahlen zeigen: Die Kindergartenoffensive 2024 hat Fortschritte gebracht. Gab es im September 2024 noch 60 Zweijährige, die auf Wartelisten standen, hätten aktuell alle Kinder einen Platz. Die TBEs seien „sehr gut ausgelastet“, aber auch hier habe jedes Kind einen Platz bekommen. Mangel? Nein. Ob das System knapp an der Kante genäht ist, wie manche Kritiker meinen – das steht auf einem anderen Blatt.