MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Edi Fenzl - Flower Power!

Text Thomas Fröhlich
Ausgabe 11/2015

Er erspielt sich gerade ein Stammpublikum in STP und bezeichnet seine Musik als Hippiewestern. Er eint Woodstock-Afficionados, Blues-Traditionalisten, Metalheads, Jazzfans, Hell‘s Angels und Skatepunks. Sein Markenzeichen: Hut mit Blume. Er nennt sich Edi Fenzl, spielt Stromgitarre und singt. Und Jimi Hendrix und Keith Richards sind dran schuld.

Ein lauer Sommerabend in St. Pölten. Michael Haydn weiht am Herrenplatz sein neues Weinlokal ein. Als Fan des texanischen Bluesrockers Stevie Ray Vaughn hat er sich um jemanden bemüht, der dessen Sound authentisch wiedergeben kann. Bekommen hat er die Edi Fenzl Band, die darüber hinaus ein ultimatives Hendrix-Led Zep-Cream-Brett hinlegt, das die Zuhörerschaft in Nullkommanichts in die späten 1960er beamt, ohne ihre Verwurzelung im Hier und Jetzt zu verleugnen: laut, beseelt, krachig – Sänger Edi Fenzl an der Gitarre, Florian Faltner am Bass und Jan Federer an den Drums erwecken in ihren besten Momenten (und davon gibt’s viele) den Eindruck, den Rock‘n‘Roll soeben erfunden zu haben. Nachtruhe? Vergesst es! Doch niemand regt sich auf, der Platz füllt sich, die Begeisterung ist spürbar und ansteckend. Im Anschluss werden Autogramme gegeben und den Musikern Küsschen abgerungen.
Zwei Monate später spielt Fenzl im EGON mit dem Blueser Jörg Danielsen ein verhaltenes, intimes und dennoch mitreißendes Blues-Set. „Da waren zwar nicht so viele Leute wie am Herrenplatz, aber die, die da waren, haben eine Stimmung gemacht wie bei einem Großkonzert“, berichtet Hanna Partaj, Fotografin und guter Geist des EGON.
Zeit, sich mit der Person Fenzl ein wenig auseinanderzusetzen.

Raczkövi im Blue Tomato
Der Weg führt den Schreiber dieser Zeilen ins legendäre Wiener Jazzlokal Blue Tomato, wo er Fenzl sowie Jan Federer, den Drummer, trifft.
„Eigentlich hatte ich ja den Nachnamen Raczkövi“, erklärt Fenzl. „Seit Juni heiße ich ‚Fenzl‘, da ich vor meiner Heirat meinen Namen ändern ließ. ‚Fenzl‘ kommt von meiner früheren Band Fenzl Experience, welche sich wiederum nach der Fenzlgasse in Wien benannt hatte, in der ich und einige der Bandmitglieder schon seit Ewigkeiten leben.“ Leichter auszusprechen ist‘s sowieso.
„In meiner Jugend wollte ich Skateboard-Profi werden“, erinnert er sich. Bad Religion oder Metallica waren die Helden der Stunde. Doch dann sah er noch als Schüler „Hendrix in Woodstock“. Und alles wurde anders: „Hendrix hat mich echt aus der Bahn geworfen.“ Und über seinen Vater, selbst Jazzmusiker, lernte er Blues und Country kennen. Mit 14 erhielt er seine erste Gitarre, „dennoch fange ich erst jetzt – mit 40 – langsam an, von der Musik zu leben.“ Fenzl, der gerade einmal wie ein Frühdreißiger aussieht und im Privatleben übrigens keine Blume am Hut trägt, hat eine Lehre als Feinmechaniker abgeschlossen, war auf der Modeschule Hetzendorf und hat nach eigenen Angaben nie eine Musikschule oder gar ein Konservatorium besucht: „Learning by doing – Noten lesen kann ich immer noch nicht.“ Im Gegensatz dazu weist Drummer Federer, der vom Jazzkonservatorium kommt, einen völlig anderen – akademischen – Background auf, was das aktuelle Projekt Edi Fenzl Band aber umso spannender macht.

Are you experienced
1995, als die Fenzl Experience gegründet wurde („zu Beginn als Sextett und dann zum Trio gesundgeschrumpft“), spielte man ausschließlich Coverversions. „Dann habe ich die Biografie von Keith Richards gelesen – und besonders die Passage, als Jagger und er von ihrem Manager in der Küche eingesperrt wurden, um eigene Songs zu schreiben, hat mich ziemlich beeindruckt.“ Er grinst. Bei ihnen ging‘s ohne Gefangennahme ab; stattdessen zog man sich „mit Bier und Whisky“ in den Proberaum zurück und begann, eigenes Material zu schreiben. „Am Anfang haben wir hauptsächlich Musik gemacht, um Mädchen zu beeindrucken“, gibt Fenzl zu. Rock‘n‘Roll Lifestyle halt.
Über die Jahre erspielte sich die Experience einen Ruf als mitreißende Liveband. Vor drei Jahren wurde auch ihre erste CD veröffentlicht – „und dann starb unser damaliger Bassist.“ Ein menschlicher und auch künstlerischer Rückschlag. Kurz sah es so aus, als wäre das Kapitel Musik für Fenzl und Co. beendet. Doch dann kam die Einladung zur Blues Challenge nach Riga. „Ich wollte wieder spielen, sozusagen als Therapie!“ So formierte sich die Edi Fenzl Band.

The hippie Hippiewestern
„Hippiewestern“ nennt er den Stil der Band. Was das sei? „Blues und Rock und Americana ist gleich Hippiewestern“, erklärt Fenzl, der den Begriff Bluesrock nicht so toll findet. Ein Stil, den übrigens auch die österreichischen Ableger der Hell‘s Angels schätzten, vor denen die Band regelmäßig spielt. Generell verfüge  er über ein recht gemischtes Publikum: „Mit der Experience sprachen wir eher gehobenes Alter an. Jetzt haben wir auch Jugend, die auszuckt.“
Basis sei der Blues. Was für ihn Blues im Grunde bedeutet? Fenzl, der im zivilen Leben verheiratet und glücklicher Vater einer Tochter ist, denkt kurz nach und meint dann: „Alles. Lustig, traurig, ja, letztendlich alles.“ Wie denn die Zukunft der Edi Fenzl Band aussehen könnte, frage ich. „Auf der Bühne an der Gitarre“, so Fenzl. „Hoffentlich macht‘s in fünf Jahren immer noch soviel Spaß und wir sind noch zusammen“, meint Federer. „Fixkosten reinkriegen wär‘ schon einmal nicht schlecht.“ Fenzl.„Ein bissl mehr improvisieren tät‘ auch nichts schaden.“ Federer. „Wir werden ‚on the road‘ sein!“ Fenzls Blicke leuchten richtiggehend, beseelt vom Rock‘n‘Roll-Traum. „Oida na geh!“ Federer verdreht die Augen. Einer muss der Pragmatiker sein.

www.edifenzl.com