donhofer. – Der Reiseleiter
Text
Thomas Fröhlich
Ausgabe
09/2025
In seinem 79. Jahr erhielt der St. Pöltner Künstlerbund eine neue Leitung: Der gebürtige St. Pöltner donhofer. (sic!) übernahm den Obmannsessel. Als Komfortzone sieht er diesen nicht: ganz im Gegenteil!
Aktionskünstler und Maler donhofer. polarisiert. Mit seinen Performances schaffte er sich bis dato nicht nur Freunde, ob er nun anlässlich des Wiener Burgtheater-Skandals vor selbigem „Gras drüber wachsen“ ließ, in St. Pölten – als Kommentar zur krisenhaften Situation von Künstlern – „Wir leben noch. Die Künstler*innen“ plakatierte oder in Erfurt in roten Holzlettern das Wort „Demokratie“ aufstellte und anschließend zersägte, um auf die Fragilität besagter Staats- und Gesellschaftsform hinzuweisen. donhofer. (auf die Schreibweise legt er Wert, genauso wie auf die Farbe Rot in Werk und Auftritten) ist keiner, der die große Geste scheut. Für den ehemaligen Werbe- und Marketingfachmann ist mediale Präsenz immer Teil seiner Kunst. Soeben aus New York zurück ist er maßgeblicher Teil der aktuellen Künstlerbund-Vernissage unter seiner Obmannschaft: „Blue Moods“, eine Beschäftigung mit der Farbe Blau und ihrer assoziativen Kraft, die sowohl in St. Pölten wie auch in Baden bei Wien präsentiert wird.
Warum er überhaupt die Position beim Künstlerbund annehmen wollte? „Ich hebe einen Goldschatz“, meint donhofer. begeistert: „Nächstes Jahr wird der Künstlerbund 80. Es ist eine Perle im Dornröschenschlaf.“ Nun darf man zum „Dornröschenschlaf“ geteilter Meinung sein, aber dass donhofer. jede Menge vorhat, ist evident: „‘Meet the artist‘ etwa – also Studio- und Atelierbesuche, bei denen die Besucher Teil der Kunst werden. Zudem möchte ich den St. Pöltnern auch das Kunstsammeln nahebringen – etwa: wie gehe ich eine Kunstsammlung an. Und dann werde ich auch den Austausch zwischen den Künstlern selbst intensivieren – das kann unglaublich inspirierend sein – für alle Seiten!“ Und er ergänzt: „Bei unserer ersten gemeinsamen Ausstellung ‚Voyage‘ hab‘ ich diese unglaubliche Energie gespürt. Wohin die Reise geht …?“ Auf jeden Fall hat „Reiseleiter“ donhofer. einige Ziele im Hinterkopf. Denn der Künstlerbund befinde sich auf internationalem Niveau, was vielleicht in der Vergangenheit zu wenig gesehen worden sei. Und er gräbt, wie man auch auf den Fotos unschwer erkennen kann, so Manches um.
Wobei es ja nicht so ist, als wäre davor wenig geschehen. Gegründet 1946 vom Maler Adolf Peschek (nach dem auch jetzt noch der anlässlich der jeweiligen Jahresausstellungen vergebene Adolf-Peschek-Preis benannt ist) war die Ausrichtung des St. Pöltner Künstlerbundes von Anfang an nicht ausschließlich lokal sondern sollte weit über die Stadt hinausstrahlen – bis heute ist ein Gutteil der aktiven Mitglieder (derzeit 32, darunter klingende Namen wie J. Friedrich Sochurek, Eva Bakalar, Mark Rossell, Hermann Fischl, Kurt Schönthaler oder Margareta Weichhart-Antony) nicht in St. Pölten beheimatet. War der Künstlerbund anfänglich eher traditioneller Kunstauffassung zugeneigt, bemühte sich ab 1973 Friedrich Martin Seitz als Obmann um einen Ausgleich zwischen den divergierenden Richtungen (also Tradition und Moderne). Sein Nachfolger wurde 2006 Ernest A. Kienzl, der seit den 1970er-Jahren Mitglied war, an der Hochschule für Angewandte Kunst studiert hatte und den Brotberuf des Bildnerischen Erziehers am Gymnasium der Englischen Fräulein ausübte. Nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft sorgte er für die nötige Kontinuität, verstärkte aber gleichzeitig die junge, mehr experimentelle Ausrichtung – und das mit einem hohen Qualitätsanspruch. Nach ihm kam das prononciert woke, ansonsten eher glücklose Duo Mars & Blum, dem offensichtlich seitens der Mitglieder wie auch des Publikums nicht der Zuspruch gezollt wurde, den es sich wahrscheinlich erwartete – das kunstaffine St. Pöltner Basecamp konnte offenbar mit ihnen nicht gar so viel anfangen.
Und nun also donhofer., der das unter Kienzl-Ägide zum vereinseigenen Ausstellungsraum „eingemeindete“ KUNST:WERK bespielen darf und das mit Verve auch tut. „Ich kann durch die Obmannschaft sehr viel lernen und an den Dingen wachsen.“ Wie er seine Zeit einteilt? „Meine Werbeagentur habe ich 2016 geschlossen.“ Doch hat er vielleicht durch diese seine ehemalige Tätigkeit gelernt, mit der Zeit hauszuhalten. „Ich mache viel – bin aber grad einmal bei 70 Prozent. Ich hab‘ Power – und wenn man etwas mit Freude macht, dann hilft das. Ich mach‘ im Grunde das, was mir Spaß macht.“ Zudem: „Ich komm‘ grad aus New York zurück – der Herzschlag dort geht in eine andere Temperatur. Da wird nicht lange herumgeredet – da werden Dinge umgesetzt.“ Keine Frage: Das gefällt donhofer., genauso wie sein Kunstanspruch einer ist, der mit dem Aufzeigen von Dingen, die schiefgehen, Hand in Hand geht – Kunst kann und soll provozieren: „Kunst muss anecken, Kunst muss dagegen sein.“ Doch wolle er seine Haltung nicht Anderen überstülpen: „Auch rein ästhetische Positionen haben ihre Berechtigung.“ Es sollte halt nicht aalglatt sein und stattdessen Emotionen auslösen – „im besten Fall eine Reaktion!“ Mögliches Scheitern darf durchaus einkalkuliert werden. Da irritiert es allerdings doppelt, wenn die „Blue Moods“-Aussendung des Künstlerbundes in ein von so Manchen als recht plump empfundenes, der Eröffnungsrede donhofer.s entnommenes Freiheitlichen-Bashing mündet. Aber offenbar gehören gebetsmühlenartig vorgetragene Statements gegen ein diffuses „rechts“ derzeit zum guten Ton nahezu aller Kunstveranstaltungen. Schade. Es bleibt spannend.





