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St. Pöltens gute Seite

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Wohlfühl-Künstler und Kunst-Genießer - "100 Jahre Maringer"

Text Beate Steiner Ausgabe 09/2012

1977. Das Jahr klingt wie David Bowie’s „Sound and Vision“ und „Fantasy“ von Earth, Wind & Fire. Und natürlich Queen: „We are the Champions“. Hermann Nitsch hat seine ersten Orgien-Mysterienspiele hinter sich, Markus Prachensky malt nach Duke Ellington und Arnulf Rainer übermalt Messerschmidts Grimassenköpfe.

Und in die Arbeiterstadt St. Pölten, die damals kulturell vom operettenseligen Stadttheater geprägt und noch fast zehn Jahre von der Idee einer Landeshauptstadt entfernt ist, kommt einer, der den berühmten schwefelig-grauen Industrie-Duft mit einem Hauch der bunten 70er-Jahre-Welt verfälscht.
„Diese Stadt braucht eine Galerie“, sagte Karl Heinz Maringer damals.  Und bringt seither Kunst und Künstler nach St. Pölten, zunächst in seinen Salon für Kunst und Kommunikation am Riemerplatz. Dort stellten Kumpf und Flora aus, und H. C. Artmann las vor staunenden St. Pöltnern.
Später wurden die Vernissagen in der „feinen“ Schreinergasse Kult, seit 2005 prägt die Galerie Maringer den Herrenplatz mit Ausstellungen.
Hans Staudacher, Hermann Nitsch, Alfred Hrdlicka, Karl Korab, die Gugginger Künstler, und, und, und... Sie alle kommen gern „zum Maringer“. Um Käufer für ihre Kunstwerke kennenzulernen, klar, aber auch, weil sie sich hier wohlfühlen, weil die Besucher des gastfreundlichen Galerie-Teams hier mit allen Sinnen genießen können.
„Dank Karl Heinz Maringer war St. Pölten schon zehn Jahre vor dem Landtagsbeschluss eine Kunsthauptstadt“, bringt’s Herbert Binder, Ur-St. Pöltner und langjähriger Geschäftsführer des NÖ Pressehauses, auf den Punkt.
 „100 Jahre Maringer“ feiert Karl Heinz Maringer dieser Tage – jeder kann sich ausrechnen, wie viele Jahre er persönlich zu diesem Jubiläum beiträgt. Wie gewohnt mit vollem Elan. Als HLW-Lehrer hat er sich zwar dieses Schuljahr in die Pension verabschiedet, aber um den Tag so richtig auszufüllen, bleiben noch seine sportlichen Aktivitäten, seine Familie, seine Freunde, mit denen das eine oder andere Bier geleert werden will, und sein Engagement für die Stadtentwicklung. Karl Heinz Maringer ist seit vielen Jahren begeistert im Dienst der Landeshauptstadt tätig. Zunächst im City Club, jetzt in der Plattform 2020, als Netzwerker und Mitgestalter von Aktivitäten wie dem Herrengassenfest.
Dabei spielt die „Galerei und Staunerie“ klarerweise eine große Rolle. Zu über 350 Einzelausstellungen hat der Galerist Werke der großen österreichischen Maler und Bildhauer der Gegenwart nach St. Pölten geholt – und alle waren sie persönlich da.
Zum Staunen verleitet Karl Heinz Maringer aber auch junge Menschen. Schulklassen können hier moderne Kunst hautnah erleben, über gute Kunst diskutieren, ganz nach dem Motto des Galeristen und seines Teams: „Jeder Tag ohne Kunst ist ein verlorener Tag.“
Wirtschaftlich waren die ersten Galerie-Jahre allerdings ein reiner Überlebenskampf, auch für den studierten Wirtschaftsfachmann Karl Heinz Maringer. Schön langsam aber entdeckten immer mehr St. Pöltner, dass Bilder nicht nur Wohnzimmer-Deko sind, sondern auch kulturellen Mehrwert besitzen und als schöne Wertanlage das Leben bereichern können.
So wie die Galerie Maringer St. Pölten bereichert. Auch noch 35 Jahre nach ihrer Gründung 1977, als Carly Simon  James Bond besang: „Nobody does it better“.