Vom Zauber des Originals
Text
Thomas Fröhlich
Ausgabe
06/2026
Das Stadtmuseum St. Pölten feiert sein 50-Jahr-Jubiläum im Karmeliterinnenhof!
Im Stadtmuseum ist der Spirit der Stadt mit ihrer sehr, sehr langen Geschichte spürbar“, so der Leiter, Thomas Pulle. Am 2. Mai 1976 wurde das Stadtmuseum im damals revitalisierten Karmeliterhof eröffnet. Zusätzlich zu den neuen Dauerausstellungen „Stadtgeschichte St. Pölten“ und „Blick in den Schatten kompakt. St. Pölten und der Nationalsozialismus“ präsentiert heuer eine Jubiläums-Ausstellung mit dem Titel „Ein Haus stellt sich aus“ die wechselvolle Geschichte des Areals und blickt auf die Veränderungen des Museums seit 1976. Ernest A. Kienzls „Geburtstagsausstellung“ zum 75er, „Zyklen“ im NÖDOK-Zentrum im ersten Stock, ist leider zur Drucklegung dieser mfg-Ausgabe selbst schon Geschichte. Neben der Jahresausstellung „Stadt + Land = 40“ und der gleichsam „immerwährenden“ Jugendstil-Präsentation (mit großartigen Exponaten etwa des St. Pöltner Künstlers Ernst Stöhr) steht naturgemäß auch die Archäologie im Mittelpunkt: „Und dank der archäologischen Grabungen erlangen wir täglich neue Erkenntnisse“, weiß Pulle. Geschichte ändere sich gleichsam – „also nichts Festgeschriebenes: die Dinge sind im Fluss.“ Was ein stationäres Museum in Zeiten von Online-Overkill bewirken könne? „Ein Reiz liegt in der Arbeit mit dem Original“, meint Pulle, der seit 2005 die Geschicke des Stadtmuseums leitet: „Das Original zu befragen und aus der Zeit heraus zu verstehen ist unsere Herangehensweise.“ Und er ergänzt: „Mit Personen in Kontakt zu kommen und den Zauber des Originals in den Mittelpunkt zu stellen“ – dadurch erhalte das Museum auch gleichzeitig eine soziale Funktion. Denn nach jeder Veranstaltung oder auch an gewöhnlichen Tagen „stehen die Leute dann zusammen und reden.“ Es sei also ein Kommunikationszentrum mitten in der Stadt, eine Drehscheibe mit Vermittlerfunktion. Gestemmt wird all dies mit einem kleinen, aber sehr engagierten Team, das mit Herzblut bei der Sache ist. In den Jahren 2006 und 2007 wurde das Museum ja unter Pulles Ägide neugestaltet und erhielt eine wesentlich verbesserte Infrastruktur. Mittlerweile ist das Stadtmuseum St. Pölten eine weit über die Grenzen hinaus bekannte Institution. „Das war nicht immer so“, erinnert sich Pulle und erzählt eine Anekdote: „Vor vielen, vielen Jahren erhielten wir den Anruf eines Herrn Objekte betreffend, die eine Schenkung der Harlander Fabrik darstellten. Zum ausgemachten Termin kam aber niemand. Stattdessen rief uns das Historische Museum der Stadt Wien an, dass dort jemand wäre, der darauf bestand, einen Termin zugesagt bekommen zu haben. Der Mann war also nach Wien gefahren, da ihm das Historische Museum der Stadt St. Pölten als Ort offenbar nichts sagte.“ Pulle grinst: „So etwas passiert heute garantiert nicht mehr. Wir haben dann aber dennoch den Namen in ‚Stadtmuseum St. Pölten‘ geändert. Sicher ist sicher.“
Und sicher bleibt auch der Spirit des Originals.



