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In den Häfen zu bringen

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 06/2026
Diesen Monat, genauer am 10. Juni, jährte sich einer der schlimmsten Tage, den Österreich je erleben musste. Sie erinnern sich, ein ehemaliger Schüler des BORG-Dreierschützengasse erschoss letztes Jahr neun Jugendliche und eine Lehrerin an seiner früheren Schule in Graz.
Ich habe eine spezielle Beziehung zu diesem Ereignis, weil ich sofort an ein Verbrechen denke, das auf das erste folgte.
Nur einen Tag nach dem Amoklauf stellte eine Frau namens Sanela G. einen Spendenaufruf online. Sie gab sich als Hinterbliebene eines verstorbenen Kindes aus und sammelte Geld, das an alle weiteren Angehörigen verteilt werden sollte. Nach drei Monaten waren 37.262 Euro eingelangt. Allerdings kam kaum Geld bei denjenigen an, die tatsächlich Kinder verloren hatten. Das gesammelte Geld behielt G. großteils für sich.
Vergangenen Herbst deckte ich all das gemeinsam mit einer Kollegin vom profil auf. Letzten Monat musste sich G. nun vor Gericht verantworten. Das Urteil: 21 Monate Haft, davon sechs Monate unbedingt – die G. zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft verbüßt hatte. Sie konnte das Gericht wieder verlassen.
Trotzdem, die sechs Monate U-Haft verbrachte sie im Gefängnis. Und als derjenige, der sie dorthin gebracht hat, muss ich sagen: Ein Teil von mir ist darauf stolz. Obwohl ich das eigentlich gar nicht sein möchte. Ich bin nicht der größte Fan des Konzepts Gefängnis. Vor Gericht meinte G., die Haft habe ihr gutgetan. Sie wolle sich bessern. Hoffentlich war das nicht wieder eine Lüge.