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Rosarot und himmelblau

Text Beate Steiner Ausgabe 03/2020

Liab sind’s, die beiden. Das hübsche hemdsärmelige Mädel vor rosa Hintergrund und der smarte junge Mann im Sakko vor himmelblauem Hintergrund werben als Testimonials für Studienrichtungen an der Fachhochschule. Sie studiert Digital Healthcare, wird also in einem Gesundheitsberuf tätig sein, er ist MedienMANAGER. Schon seltsam, so eine Werbekampagne, die sich sämtlicher Klischees bedient, derer sich eine männlich geprägte Gesellschaft bedienen kann. Wie übrigens auch der alte Studienfolder der Fachhochschule, in dem ein Student einer lächelnden Studentin zeigte, wo’s langgeht.
Wenn solch eine rosa-blau-geteilte Weltsicht mit unterschwelligen Botschaften verbreitet wird, nutzt das ganze Gendern nix. Und auch die anlässlich des internationalen Weltfrauentags aus allen politischen und gesellschaftlichen Ecken kommenden Beteuerungen, dass es endlich ein Ende haben muss mit der Benachteiligung der Frauen, mit dem Gender Pay Gap, mit der gläsernen Decke – nix als heiße Luft. Denn auch 2020 fragen wir uns in St. Pölten noch, wo die Frauen sind: Nicht in Aufsichtsräten, nicht auf Vorstandsposten, nicht ganz vorne im politischen Geschehen. Kaum ein offizielles Foto, das nicht als Schwarz-Weiß-Bild durchgehen würde, weil darauf nur Anzugträger abgebildet sind. Von 42 Gemeinderatsmitgliedern sind zwölf weiblich, drei davon sind Stadträtinnen, das Stadtoberhaupt und seine beiden Stellvertreter sind Männer. Da hat sich in den vergangenen fünf Jahren nix geändert. Und eine latent verbreitete rosa-blaue Weltsicht trägt dazu bei, dass das nur wenige Menschen irritiert.