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Radwahnsinn

Text Dominik Leitner Ausgabe 06/2015

Wenn ich frühmorgens bei der letzten Ampel vorm Bahnhof zum Stehen komme, weiß ich schon, was mich nur hundert Meter weiter erwarten wird. Wäre es aufgrund meiner chronischen Verspätung hilfreich, das Rad rasch anketten und zum Bahnsteig hinauflaufen zu können, gestaltet sich das Parken in Wahrheit viel schwieriger.
Da gibt‘s zum Beispiel dieses eine Rad, das schon seit Monaten längst dem Tod geweiht ist: Das Vorderrad abmontiert, hängt es hilflos in seiner letzten Ruhestätte, wirkt ungeliebt und erzeugt zugleich großen Grant: Das ist er, mein heißgeliebter Parkplatz, der mir durch die Radleiche verwehrt bleibt. Und in Wahrheit ist es ja nicht nur das eine - nein. Es gibt Dutzende von ihnen.
Und wenn ich glaube, endlich fündig geworden zu sein, ich den Lenker schon gekonnt in Richtung Parkplatz ausrichte, bremse ich geschockt ab. Da hat nämlich jemand seinen Scooter „geparkt“ und belegt mit seinem kleinen Unding einen so herzhaft benötigten Parkplatz. Und bringt damit den gestressten Dominik in noch größere Zeitnot.
Manchmal drehe ich mehrere Runden, blicke gekonnt, wo sich eine freie Stelle auftut und verzweifle dabei immer mehr. Mitunter muss ich sogar erst darauf warten, dass sich jemand ausparkt, bis ich selbst zum endgültigen Stillstand kommen kann. Das Radeln zum Bahnhof wird dadurch immer mehr zu einer nervenaufreibenden Sache.
Aber bitte nicht falsch verstehen: Radfahren ist toll und dank dem städtischen Öffi-Angebot mehr als empfehlenswert. Aber wenn ich als aktiver Fahrer und Pendler regelmäßig zwischen dutzenden Fahrradleichen suchen muss, nervt das. Deshalb es wäre wieder mal Zeit für eine Aufräumaktion der ÖBB. Und wenn das passiert, dann – ja, dann können sogar die Scooter gern bleiben.