MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Problemlos

Text Beate Steiner Ausgabe 09/2019

Ich mag Facebook. Das soziale Medium zeigt häppchenweise, wie die Leut’  so denken und denken lassen in unserer kleinen Welt der Möchtegern-Kulturhauptstadt. Jetzt verfärben sich einige grad ein bisserl leuchtend grün. Das ist in, das wird grad vorgedacht und vorgeschrieben – damit  sie ohne zu denken nachreden und nachtun können. Zum Beispiel folienverschweißte Apferl ins Papiersackerl stecken – weil Plastiksackerl sind pfui und verboten. Oder sie plappern nach und posten eifrig, dass kein Baum gefällt, kein Blümchen geknickt werden darf.
Zum Beispiel im Altoona-Park – ja, das ist die Grünfläche am Schulring, auf der zwei große Bäume wachsen, die keiner kannte und jetzt jeder retten will. Davor nämlich, dass ein Kulturprojekt für Kinder dort gebaut wird. Die Erregung ist groß und reicht von „Die letzte Grünfläche in der Innenstadt wird versiegelt“ bis zu „St. Pölten wird zur Betonwüste“. Fakten spielen in der Diskussion keine Rolle. Fakten wie: Es sind nur wenige Schritte vom Altoona-Park bis zum Hammerpark oder zur Traisen und zehn Minuten Gehzeit bis zum Sparkassenpark.
Oder: St. Pölten ist eine Kleinstadt mit viel unversiegelter Fläche. Vernetztes Denken, womöglich aus verschiedenen Perspektiven, ist auch nicht drin bei den FB-Besserwissern, die ihre schwarz-weiße Welt plötzlich durch eine grüne Brille sehen. Wie sonst könnten sie mit dem benzinfressenden SUV bis zum schützenswerten Baum vorfahren und in flächenfressenden Einfamilienhäusern wohnen wollen? Und das problemlos – denn was ein Problem ist, gibt die Blase in Facebook vor.