MFG - Kunst ist fad
Kunst ist fad


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Kunst ist fad

Text Thomas Fröhlich
Ausgabe 03/2024
Vielleicht ist es Ihnen ja schon aufgefallen: Kunst darf derzeit gar nicht viel. Dank Cancel Culture, forcierter Wokeness und exzessiver Political Correctness hat sich Kunst (zumindest die offiziell subventionierte) aus der öffentlichen Diskussion rauskatapultiert und es sich in einem weichen Bett der gegenseitigen ideologischen Schulterklopferei gemütlich gemacht. Zwar behaupten die Akteure das Gegenteil, nämlich Diversität und Diskursivität auf ihre Regenbogen-Fahnen geheftet zu haben – in der Praxis haben wir es leider oft mit Einschränkung, Intoleranz und künstlerischer Selbstherrlichkeit zu tun, die jeden abweichlerischen Gedanken sofort ins rechte Deppen-Eck stellt: Dort ist bekanntlich das ultimativ Böse zuhause, das keine Gnade kennt und allen Gegnern am liebsten das Tanzbein brechen würde (umgekehrt würde sowas ja nie vorkommen, wie wir alle wissen).
In St. Pölten ist also nun die Tangente angetreten, um via Kontextualisierung urbaner Gegenwartskultur ein Forum zu bieten, namentlich Demokratie, Erinnerung, Ökologie. Nun ist gegen all das im Prinzip nix zu sagen, als Themenvorgabe ist’s halt ein bissl mau. Die Plakate sind flächendeckend (selbst in Linz wird groß auf unseren klein geratenen Domplatz-Florian hingewiesen), die inhaltliche Ausrichtung entspricht dem, was seit einigen Jahren in Berlin, Wien und sonst wo abgefrühstückt wurde; und die durchaus ersehnten Auftritte von John Zorn hätte man wahrscheinlich auch ohne ein mehrköpfiges Kuratorium hingekriegt. Aber vielleicht wird’s ja doch noch spannend – im Wald spazieren gehen und ein Buch lesen geht ja im worst case immer noch.