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St. Pöltens gute Seite

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Nachhaltig

Text Roul Starka Ausgabe 09/2019

Wenn man in St. Pölten wohnt, hat man genug Baustellen, um sich aufzuregen. Es ist zu heiß und zu kalt, man braucht ja Schlagzeilen, gleichzeitig stehen schon wieder die Lebkuchen in den Regalen. Kaum ist das Frequency vorbei, kommt auch schon Weihnachten. Praktisch. Greta segelt mit einem günstigen, fünf Millionen Euro teuren Boot nach New York, und alle Parteien, die wir am 29. September wählen können, sind die bravsten der bravsten. Ich glaub, der liebe Gott hat eine Freude mit uns.
Eigentlich eh alles super, menschlich, bissl Plastik, bissl Trüffel, Kardinalschnitte zum Kaffee, „ah ja, so einen Pariser Spitz geben Sie mir auch noch…“  … und die Vorstadtweiber. Ich liebe mein Land, mein St. Pölten. Ich lebe mitten im Paradies und ich mein das ernst.
Wäre da nicht dieses eine Wort: nachhaltig. Es war eine Unterwassergeburt zwischen Räucherstäbchen und Klangschalen, irgendwo im siebten Wiener Bezirk. Dieses Wort, es macht mich wahnsinnig. Es kommt öfters als die Werbung auf RTL II, es ist lästig wie eine Fliege im verschwitzten Sommer beim guten Bratlfettnheurigen. Dieses „nachhaltig“ wird, laut ausgesprochen, immer begleitet von betroffenen Mundwinkeln, gequält verantwortungsvollem Stirnrunzeln, der Blick dabei in Richtung „Zukunft“, der Schwester von „nachhaltig“. Im geschriebenen Text klopft es wie ein Rohrstock auf unschuldige Finger, grauenvoll.
Bitte, tun wir es wieder weg dieses komische Wort. Stattdessen: Geröstete Knödel mit Ei für dich und mich, Salat, streicheln und umarmen, lieb sein und liebhaben, genügt.