MFG - Chicken
Chicken


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Chicken

Text Althea Müller
Ausgabe 12/2008
Als Kind noch ein sturer „Ihr könnt das Klavier gleich wieder verkaufen“-Musik-Verweigerer, musste ich 28 werden, um meine musikalische Ader doch noch zu entdecken. „Was haben Sie sich vorgestellt?“ fragt mein Lehrer, als ich zur ersten Gitarrenstunde meines Lebens antanze. „Ich dachte, wir fangen mit was Einfachem an“, sage ich cool und setze mich, die Gitarre professionell griffelnd, „zum Einstieg was Ruhiges vom Clapton, danach z.B. Metallica’s ‚One‘ und zum Abschluss Lagerfeuerstimmung. Hippiezeugs.“ Ich strahle ihn an. „Das klingt ja super“, sagt er, „ich wusste gar nicht, dass Sie schon spielen können!“ – „Kann ich ja auch nicht, aber…“ Er lächelt geduldig: „Das erklärt, warum Sie die Gitarre falsch herum halten.“ Rot wie ein Paprika lege ich den Hals der Spanierin nach links. Jetzt müsste es passen. Betretene Pause. Schließlich ermuntert mich der Herr: „Ich habe hier ein Notenheft für Anfänger. Ich würde vorschlagen, wir beginnen mit den ersten Übungen.“ Nach nur wenigen Minuten aber protestiere ich vehement: Kann sein, dass sich andere Finger so spreizen lassen–  meine bestimmt nicht. Das tut ja fast weh. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, sagt der Lehrer ernst, „entweder müssen Sie einfach, wie alle anderen, üben. Oder Sie sind tatsächlich der einzige Mensch auf der Welt mit zu kleinen Fingern.“ Ich murre. Überlege logisch. Und mache weiter. Geduld ist meine Stärke nicht, aber nach 90 Minuten Mühen bin ich trotzdem glücklich und bereit für eine Zukunft mit meiner Klampfn. Die mich hoffentlich zu Weihnachten zum Mozart macht. Und wenn ich die Eltern mit „Lirum-larum-Löffelstiel“ quälen muss – ich WERDE spielen! Ich bin halt stur.