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Hoffentlich wird’s bald wieder Sch(n)ee…

Text Ruth Riel, Doris Vorlaufer Ausgabe 02/2015

Weil der Berg ruft. Und dieser wird neuerdings immer öfter nicht mehr per Lift, sondern per Tourenskiern oder Schneeschuhen bezwungen.

Feiertag, 11:00 Uhr, Talstation Sessellift Lilienfeld – der Parkplatz ist komplett gefüllt, bis hinauf zur Straße stehen die PKW, und das, obwohl KEIN Lift in Betrieb ist! Der Skitour-Boom ist unübersehbar in Ostösterreich angekommen.
Freilich, was heute als neue Trendsportart daherkommt, blickt auf eine lange Historie zurück. Schon bevor die ersten Lifte in Betrieb waren, erklommen Menschen mit Brettern unter den Füßen die Berge. Mit Sport hatte das wenig zu tun, sondern es ging um reine Fortbewegung. Als Pionier des Skisports im heutigen Sinne gilt Mathias Zdarsky, der direkt aus unserer Region kommt: 1889 erfand er in seiner Wahlheimat Lilienfeld die alpine Skifahr-Technik, u. a. durch Entwicklung der „Lilienfelder Stahlsohlen-Bindung“, die die Ski „lenkbar“ machte. Und Zdarsky war es auch, der den ersten Torlauf der Skigeschichte initiierte. Ein Museum in Lilienfeld erinnert noch heute an den berühmten Pionier.
Gerade Lilienfeld ist auch heute wieder ein Hotspot für Tourenskigeher, sozusagen mitten im Trend, den Peter Plundrak, Skitourenreferent der Naturfreunde NÖ, absolut bestätigen kann: „Es zeigt sich ganz allgemein, dass die Nachfrage an naturverbundenen Freizeittätigkeiten angestiegen ist!“
Die Faszination am Tourengehen im Besonderen ergebe sich v. a. aus der Mischung aus Sport und Natur­erlebnis, dies zudem häufig abseits des hochfrequentierten Skizirkus: „Es fühlt sich einfach gut an, wenn man den Berg aus eigener Kraft mit Tourenskiern erstiegen hat und dann die Abfahrt genießen kann. Auch die Natur kann man unmittelbar und sehr intensiv erleben, wenn man den Berg langsam und aus eigener Kraft besteigt“, schwärmt der passionierte Tourengeher.

Ambivalentes Verhältnis

Die Tourismusbranche beginnt die Tourengeher zusehends als eigene Klientel zu entdecken: „Das sind naturaktive Personen mit höherem Anspruch“, weiß der Obmann des Mostviertel Tourismus Andreas Purt.Zugleich blickt man auf den Boom aber auch mit gemischten Gefühlen, v. a. in Regionen mit Liftbetrieben. Dies hat zum einen wohl mit der Angst zu tun, dass auf Sicht immer mehr Alpinskifahrer zum Tourengehen wechseln könnten und damit die Liftbetriebe mit Umsatzeinbußen rechnen müssen – was Purt bislang aber nicht bestätigen kann. Zum anderen sorgt auch die Benützung der präparierten Pisten durch die Tourenskigeher immer wieder für Konfliktstoff. „Vor allem außerhalb der Öffnungszeiten der Lifte, weil dadurch die Abfahrten zerstört werden, der Boden gefriert, und dadurch keine gut gewarteten Pisten für die Wintersportler am nächsten Tag bereitstehen.“ Zudem spielt eine vage Haftungs-Situation mit: Wer ist schuld, wenn etwas passiert – können nächtliche Pistenpräparierung durch Pistenraupen und die Unterstützung durch Seilwinden doch durchaus eine Gefährdung für die Tourengeher darstellen.
Den Wintersportorten geht es dabei aber, wie Claudia Polt vom Mostviertel Tourismus betont, nicht um eine Vertreibung der „Tourengeher“, sondern eher um Aufklärung: „In den Tourismusorten wünscht man sich deshalb sogar noch mehr Kontakt zu den Gästen, damit man sie besser informieren und in diesem Sinne auch besser leiten kann.“
Aktiv in diese Richtung agiert z. B. Lackenhof am Ötscher, das auf der Homepage Richtlinien veröffentlicht hat. Außerdem bietet man geführte Touren an, um Anfänger in die Faszination des Sports einzuführen.
Wieder einen anderen Weg beschreitet Mitterbach auf der Gemeindealpe. Dort müssen die Tourengeher ganz einfach, wie die Schifahrer auch, für die Pistenbenutzung bezahlen. Eine Tageskarte kostet 4,50 Euro, dafür stehen zwei ausgeschilderte Routen zur Verfügung, und Sonderfeatures wie Skiline-Höhenmeterstatistik, LVS (Lawinenverschüttungssuchgerät-)Checkpoint oder Lawinenwarnstufenanzeige sind inklusive.

Gut gerüstet

Wer mit letzteren Begriffen nicht allviel anzufangen weiß, der kann sich im Rahmen von Wochenend-Einsteigerkursen, wie ihn z. B. die Naturfreunde anbieten, in die Faszination des Tourengehens einführen lassen. Dort werden Grundlagen über Schnee- und Lawinenkunde, Tourenplanung, Routenwahl, Spurenlage etc. vermittelt, ebenso wie der richtige Umgang mit der Natur.
Derart – auch technisch – gut gerüstet ist Skitourengehen jedenfalls ein absoluter Traum, wie Peter Plundrak schwärmt: „Was gibt es Schöneres, als bei Sonnenschein die erste Aufstiegsspur in frisch gefallenen Schnee zu ziehen?“ Der Berg ruft ...


Muckenkogel/Lilienfeld
Als Einstieg bietet sich der Parkplatz der Talstation des Sessellifts an. Man folgt der Skistraße (Familienabfahrt) bis zur Sutte (steiles Stück hinauf zur Lilienfelderhütte). Wen es danach noch weiter zieht, der geht weiter bis zur Bergstation und zur Hinteralm (1313m).
Gemütliche Einkehrmöglichkeiten bieten die Lilienfelderhütte (am Gschwendt 952m), die Traisnerhütte auf der Hinteralm (1313m) und das Almgasthaus Klosteralm (1060m). Die Gehzeit beträgt ca. 1,5-2,5h.
Neben dem Standardaufstieg bietet der Muckenkogel zahlreiche Varianten, die ihn auch für Könner beliebt machen.

Türnitz/Eibl
Vom Eibl-Parkplatz (463m) weg gibt es zwei Möglichkeiten, die Teichhütte (1002m) zu erreichen: Die eine geht links weg, die sogenannte Fliegerwiese hinauf. Ich teile diesen Aufstieg in drei Etappen ein, welche die drei Steilhänge betreffen: 1. Steilhang gleich nach Beginn des Aufstiegs, danach folgt ein kurzer 2. Steilhang. Nach diesem kann man wählen: Geht man durch den Wald oder außen rundherum. Der 3. Steilhang zählt ca. 600 Schritte, danach hat man es geschafft und es folgt eine wellige Flachetappe bis zur Hütte.
Die zweite Variante beginnt man vom Parkplatz aus gesehen rechts und folgt der ehemaligen Piste bis zur Hütte hinauf. Gehzeit ca. 1-1,5 Stunden.
Die Belohnung des schweißtreibenden Anstieges ist natürlich das kulinarische Angebot auf der Eiblhütte. Dafür sorgt Wirt Karl Tröstl mit seiner uns allen genussbereitenden Ehefrau. Legendär ist der Suppentopf, ca. ein ¾ Liter Suppe mit Rindfleisch, Gemüse und Frittaten oder Nudeln oder Leberknödel oder einfach gleich mit allem. Das Rindlfleisch mit Semmelkren und Erdäpfelschmarren ist auch nicht zu verachten. Und wenn dann noch der Ziehharmonikerspieler loslegt und der Glühmost serviert wird, dann kann man es mit jeder Tiroler Schihütte locker aufnehmen. Besonders gemütlich ists, wenn man am Mittwoch Abend nach Sonnenuntergang aufsteigt und die Sterne mit den Lichtern von Türnitz um die Wette strahlen.

Annaberg/Tirolerkogel

Ausgangspunkt ist der Parkplatz kurz vor der Ortseinfahrt Annaberg. Von dort auf geht man ca. 2 Stunden auf den Tirolerkogel mit der Gipfelhütte „Annaberger Haus“. Hüttenöffnungszeit ist Mittwoch bis Sonntag. Am Donnerstag ist beim „Skitouren-Abend“ die Pistensperre für gewisse Pisten bis 20:30 Uhr aufgehoben.