Totengräber
Text
Thomas Winkelmüller
Ausgabe
02/2026
Ende des Monats habe ich mich unter recht ungewöhnlichen Gesellen wiedergefunden. Viele von ihnen trugen strenge Seitenscheitel, schwarze Stiefel und Barbour-Jacken. Andere Anzug und Mantel. An diesem Abend gastiert nämlich ein besonderer Mann in Wien: der Anti-Demokrat und Neo-Monarchist Curtis Yarvin.
Yarvin ist ein US-amerikanischer Blogger, Softwareentwickler und politischer Denker. Er gilt als einer der Hauptvertreter der sogenannten „Dark Enlightenment“ und argumentiert, dass die Demokratie gescheitert sei. Stattdessen sollten Staaten seiner Meinung nach wie ein Unternehmen mit einem allmächtigen Mann an der Spitze geführt werden.
An diesem Abend hat die rechtsextreme Studienorganisation „Aktion 451“ ihn eingeladen. Einige prominente Personen aus der rechten Szene sind gekommen: Ideologen der Identitären, eine Wissenschaftlerin und sogar ein rechter Bodybuilder mit 100.00 Instagram-Followern.
Yarvin nimmt neben einem lodernden Kamin Platz, dann beginnt er zu erzählen.
Und was soll ich sagen? Wer anti-demokratische Aufforderungen zur Unterwanderung und Zerstörung der EU, ihrer Mitgliedsstaaten und all dessen, was die Rechten als „liberale Institutionen“ verstehen, erwartet hat, wird nicht enttäuscht. Die Anwesenden belohnen Yarvins Ausführungen mit motiviertem Applaus.
Und ich sitze da, der einzige Journalist im Raum, soweit ich weiß, und hoffe, dass gerade mindestens ein Verfassungsschützer mit mir im Raum ist und all das hört.



