Dresscode
Text
Tina Reichl
Ausgabe
11/2025
In meinem Freundeskreis häufen sich die runden Geburtstage – und damit auch die Dresscodes. Fête Blanche, Fête Noir, Tracht, Rockabilly, Hawaii, Aperolparty, zuletzt sogar eine Party mit Jogginganzugpflicht. Jedes Mal lästere ich kurz über diese textile Zwangsverordnung, finde mich dann aber im schönsten Motivationsrausch vor alten Gewandschachteln wieder.
Und ich muss zugeben: Es hat was.
Es hat was, wenn alle Gäste einheitlich in bunter Retro-Ballonseide über die Tanzfläche hüpfen, als wären sie ein schlecht koordinierter 90er-Skigymnastik-Kurs.
Es hat was, wenn halbstarke Rocker mit Lederjacke und frisch geföhnter Haartolle einen Rock’n’Roll aufs Parkett legen.
Und es hat definitiv was, wenn man auf einer „Dress to impress“-Feier endlich dieses zu kurze, zu glitzernde, zu tief ausgeschnittene Paillettenkleid ausführt, das man einst im Sale erbeutet hat – vermutlich in einem Zustand momentaner geistiger Umnachtung.
Doch mit jeder neuen Verkleidung wächst in mir ein Gedanke: Es wird Zeit für eine Retourkutsche und die Mottoliste dafür wird immer kreativer und gnadenloser:
• Outfit unter 10 Euro • Die Farbe, die dir am schlechtesten steht • Aprés Ski • Dress to regret – mein schlimmster Fehlkauf • Gym Gear only – Aerobic Sportswear or no entry! • Star Trek • Märchenwelt • Safari Chic – dress like an animal
Die Rache wird mein sein! Und ich werde jede Minute genießen.
Upps – verdammt! Mir wird gerade klar: Da muss ich ja dann auch hin ...



