MFG - In magischer Verbindung
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MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

In magischer Verbindung

Text Althea Müller
Ausgabe 11/2025

Treffen sich zwei Vertreter:innen verschiedener Zaubervereine in einem Lokal zum Netzwerken. Der Rest? Ist Geschichte: Liebesgeschichte. Erfolgsgeschichte. Und in jedem Falle zauberhaft.

Der Besuch im privaten Domizil der Queen of Hearts und dem Eduard beginnt schon vorm Tor, das in den Garten führt. Ein parkendes Auto mit Kennzeichen HEXE weist uns nämlich den Weg zum richtigen Hof. Hier also lebt das St. Pöltner Zauberer-Paar, das seit einigen Jahren im Steampunk-Look abendliche Zaubershows ausverkauft, Kinder-Veranstaltungen „aufmagisiert“ – oder ein magisches Dinner serviert.
„Seit meinem 14. Lebensjahr sammle ich Joker-Karten“, erzählt Franziska Kronsteiner, wie sich die hauptberufliche Magierin laut Geburtsurkunde nennt, „und irgendwann hatte ich deswegen unzählige Kartendecks daheim.“ Um die seitenweisen Ressourcen zu nutzen, erlernt sie ihren ersten Kartentrick  – „der war gleich wirklich megaschwierig und ich habe zwei Monate gebraucht, bis ich ihn das erste Mal hergezeigt hab!“ – und steigt damit vor zehn Jahren ins Abenteuer der Zauberei ein. Beim Fortgehen zeigt sie ihren Freund:innen ihre Kartentricks, und auch für die Kids in der Arbeit studiert die ehemalige Kindergarten-Pädagogin erste Zaubereien ein. Einen klassischen Zauberkasten kauft sie sich zwar nicht, schließt sich aber bald einem Club an: Bei den Zauberfreunden Steyr findet sie ein magisches Zuhause. Und mehr und mehr taucht sie neben ihrem Job in die Zauberei ein. 

Die Reise der Zauberer
Franziska ist bereits gute vier Jahre bei den Zauberfreunden aktiv – da macht sich 2020 ein gewisser Hermann Rauschmayr, in St. Pölten als Fotograf, Video-Artist und Kreativagentur-Mensch bekannt, dazu auf, völlig blank das magische Feld zu erkunden. Von der Ybbsitzer Zauberin mit dem Joker-Faible weiß er zu dem Zeitpunkt noch gar nichts. Und ist beruflich dank Corona gerade mehr als desillusioniert. Vage auf der Suche nach einer neuen Mission, gibt ihm sein Sohn unverhofft einen ganz entscheidenden Hint: Der wünscht sich nämlich zum Geburtstag eine Zaubershow. Weil Hermann ein kreativer Kopf ist und auch mit Multimedia-Effekten nicht zu geizen braucht, erfindet er eine coole Piraten-Zaubershow, die er selbst im Wohnzimmer umsetzt. „Als Kind hatte ich tatsächlich einen Zauberkasten“, erzählt er, „und auch mein Vater hat sich für Zauberei interessiert. Als ich klein war, hat er eine Groß-Illusion gebaut, die haben wir heute noch.“ Durch seine Recherchen für den Kindergeburtstag erwacht Hermanns Interesse an der Thematik jedenfalls wieder. Er kommt drauf, dass ihm die Zauberei „eigentlich voll taugt“, sucht nach Gleichgesinnten – und findet ebenfalls den Weg zu einem Zauberclub. Konkret zu den Magischen Zehn, deren Wirkungskreis St. Pölten und Krems miteinschließt.
Zurück zu Franziska: 2021 macht sie sich selbstständig, die Queen of Hearts hat jetzt auch eine Steuernummer.. Obwohl die einzelnen Zauber-Vereine kein Problem miteinander haben, gibt es untereinander trotzdem wenig Connections. 2022 hat die findige Magierin deshalb die Idee, mit einem Kollegen wieder mal bei den Magischen Zehn reinzuschneien und Hallo zu sagen. Der universelle Trick gelingt, auf diesem Treffen endlich sehen sie und Hermann sich erstmals. Bling, bling, Zauberei: Kürzeste Zeit später sind sie ein Paar. Und das ist nicht nur schön auf der Herzensebene – sondern intensiviert auch ihrer beiden Leidenschaft für die Magie, die, ab jetzt gemeinsam befeuert, ganz neu wächst und sich rasant schnell weiterentwickelt.
Dabei ziehen sie an einem Strang und bieten trotzdem oder gerade deshalb auch jeweils eigene Shows – für Kinder sowie Erwachsene – an. Abendfüllende Erwachsenen-Programme setzen sie gemeinsam um.

Zauberei auf Augenhöhe
Das alte Bild vom zaubernden Zampano und seiner magischen Assistentin brechen sie dabei ganz bewusst. Die überholten Rollen von männlichem Macher und weiblicher Lächlerin tauschen sie. Grundsätzlich arbeiten sie sowieso auf Augenhöhe als eigenständige Individuen. Das macht ihre Shows auch 2025 noch ziemlich einzigartig: Immer noch passiert es schließlich auf Kongressen, dass die Leute Hermann als den federführenden Part ihres Duos ansprechen – während Franziska selbstverständlich als seine Assistentin angenommen wird. Bis hin zu negativen Highlights, wo sie milde gefragt wird, ob sie denn auch schon einmal gezaubert hätte ... Dieses typische Rollenbild hält sich also auch in der magischen Branche nach wie vor hartnäckig. Nichtsdestotrotz gibt es mittlerweile schon mehr und mehr auch weibliche Zauber-Artists.

Show may be fun
Was die Vorstellungen des Duos ausmacht und gerne für den „Sold out“-Stempel sorgt, ist einerseits der authentische Mostviertler Humor „wie von einem Ehepaar, das schon seit dreißig Jahren beinand ist“. Besonders wichtig ist dabei zum anderen das Rundum, das Geschichtenerzählen, und dem Publikum etwas zu vermitteln und weiterzugeben. „Die Geschichte ist im Fokus“, führt Hermann aus, „das Kunststück steht im Hintergrund. Der Stock schwebt, weil er aufgrund der Geschichte schweben soll.“ Für den Flow vor und hinter der Bühne sorgen die unterschiedlichen Kompetenzen: „Franziska hat mehr Zauberpraxis und Erfahrung bei den Kunststücken“, erklärt er, „ich bringe dafür Erfahrung in Bühnen-Inszenierung, Audio- und Lichttechnik mit.“ So wird das eigene Talent vom jeweils anderen aufgewertet.

Die Hexe auf der Brücke
Wie in jedem Unternehmertum passieren auch im magischen Geschäft Patzer, aus denen gelernt wird. Eine Show auf der Firmenweihnachtsfeier vor einer sechshundertköpfigen angeheiterten, fast ausschließlich männlichen Belegschaft etwa, wo der Eduard erst um halb elf abends geschichtenerzählend auftreten soll – nun, aus diesem Erlebnis zum Beispiel konnten mehrere wertvolle Learnings abgeleitet werden. „Für solche Events sind alternative Show-Elemente nötig“, weiß der Zauberer heute und muss grinsen. Franziska erinnert sich an eine ganz andere Erfahrung, die trotz eines nicht-witzigen Hintergrunds schlussendlich sehr skurril anmutet: „Ich bin einmal von einer Kinderzaubershow im Auto heimgefahren“, erzählt sie. „Auf einer Brücke war eine bewusstlose Dame, und natürlich bin ich zwecks Erster Hilfe stehengeblieben, um die Rettung zu rufen. Es hat dann für alle Beteiligten sehr lustig ausgeschaut, wie ich dort im kompletten Zauber-Outfit auf die Rettung gewartet habe.“

Kein Kaninchen im Hut
Mit ihrem Kinderprogramm als Magic Franky ist die Queen of Hearts in Kindergärten und Schulen unterwegs. Mit einer Benefiz-Show unterhielt sie die kleinen Gäste im Sommer beim Tag der Offenen Tür im Tierheim St. Pölten. Tiere in ihre Show einzubinden, kommt für sie aber nicht in Frage. „Das klassische Kaninchen, das herausgezogen wird, hockt eingequetscht unterm doppelten Boden“, erklärt sie, „und abgesehen davon, dass das für mich ein No-Go wäre, bedeuten auch Transport und Backstage-Aufenthalte enormen Stress für Langohren oder auch Vögel.“ Darum hat sie sogar ein eigenes Tierschutz-Programm entwickelt, das bei den Kindern sehr gut ankommt. Als Assistenten kommen illustrierte Hasen zum Einsatz.

Kleine Zauberer
Und apropos Kinderprogramme: „Ganz wichtig ist es, dass die Kinder miteinbezogen werden“, sind sich beide einig, „das ist keine One (Wo)Man-Show, wenn du für Kinder zauberst.“ Vielmehr werden die Besucher:innen eingeladen, ganz aktiv mitzuzaubern. Schließlich haben sie das Gefühl, selbst gezaubert zu haben, während der Zauberer eher in die Rolle vom Tollpatsch schlüpfen darf. Dafür bekommen die zwei auch richtig schöne Momente zurück – wie die meist absolut ungefilterte, herzöffnende Begeisterung. „Das ist immer das Allerschönste, da denkst du dir dann wirklich: Jetzt hab ich‘s geschafft“, nickt Hermann. Und Franziska setzt nach: „Wenn ich durch die Stadt gehe, und auf einmal bleibt ein Kind stehen und schaut mich mit offenem Mund an – dann freue ich mich sehr, weil ich weiß, dass das Kind meine Show gesehen hat.“ Die kleinen Fans machen das Tun zu einem echten Herzens-Business: „Manche Kinder besuchen immer wieder Magic Franky Shows“, freut sie sich, „und ich bekomme sogar manchmal Zeichnungen geschenkt.“

Trickkiste aus Kunst und Inszenierung
Tricks und Kunststücke werden übernommen und adaptiert oder auch selbst erfunden. Gekauft werden sie von anderen Zauberern. Manche Tricks zählen wiederum zu altem Wissen, sind sie doch 200 Jahre alt oder sogar noch älter. Unter magischen Freund:innen kommt es auch vor, dass Tricks verschenkt werden. Den Unterschied macht die Geschichte rund um den Trick aus, die Präsentation. Das passt dann jede:r für sich an und erschafft so wiederum etwas ganz Individuelles. „Zur Zauberei gehören ja nicht nur Kunststücke, sondern auch Schauspielerei, Bühnenpräsenz und der Status von Künstler:in und Publikum auf der Bühne“, streicht Hermann heraus. Mit Requisiten oder deren Bau und Adaption, der Inszenierung und den technischen Möglichkeiten sowie mit Grafiken und Texten für Flyer und Websites ist die Magie in Summe ein Metier, „wo du dich in extrem vielen künstlerischen Bereichen entfalten und Herzblut reinstecken kannst.“ 
Außerdem ist Weiterbildung in der Magie immer ein Thema: „Alle zwei Monate besuchen wir ein Seminar“, verrät Franziska, die Zauberclubs bieten dafür auch immer wieder interne und externe Seminare an. Auch internationale mehrtägige Kongresse mit vier-, fünftausend Zauberern gehören zum Weiterbildungsprogramm. Einmal im Jahr geht es dafür ins englische Blackpool.
Reisefreudig sind die zwei sowieso: Bei der Staatsmeisterschaft 2024 gingen sie als bester österreichischer Act hervor – und nahmen in Folge an der Weltmeisterschaft in Turin teil. „Es war zwar viel zu managen mit Familie und Wohnwagen“, gibt die Queen zu, „aber es war natürlich ein spannendes Erlebnis, mit vielen neuen Bekanntschaften.“ 2026 geht’s dann gleich wieder zur Staatsmeisterschaft. Kongenial zu zweit im magischen Flow.

ZUTRITT ZUM ZAUBERCLUB
Wer einem Zauberclub beitreten will, darf sich als potentielles neues Mitglied grundsätzlich willkommen fühlen. Eine Aufnahmeprüfung ist allerdings Pflicht. Dabei geht es um Wissen, das gelernt werden darf, zusätzlich um Fragen wie, ob z.B. ein Geheimnis bewahrt werden kann oder welche Bühnen-Präsenz mitgebracht wird, inklusive einer eigenen kleinen Zaubershow, die vorgeführt wird. Franziska und Hermann gehören den Zauberfreunden Steyr und den Magischen Zehn (St. Pölten/Krems) an.

PROGRAMME
Vorstellungen für Kindergärten und Schulen, Geburtstage und Firmenfeiern sowie Auftritte bei öffentlichen Events und aufwändige Dinner-Shows sorgen dafür, dass sich die Queen und der Eduard gut beschäftigt durchs Jahr zaubern. Gemeinsame Abend-Shows wie das Magic Dinner findet man auf diezaubershow.at Die jeweils eigenen Programme für Kinder und Erwachsene zaubern uns auf queen-of-hearts.at und der-eduard.at ein Lächeln aufs Gesicht.