MFG - Christopher Knett – „Wir können richtig geilen Fußball spielen!“
Christopher Knett –  „Wir können richtig geilen Fußball spielen!“


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St. Pöltens gute Seite

Christopher Knett – „Wir können richtig geilen Fußball spielen!“

Text Thomas Schöpf
Ausgabe 11/2025

Nach sieben Jahre im Ausland wäre Christopher Knett beinahe in Traiskirchen gelandet. Dann aber kam der Anruf seines ehemaligen Meisterkumpels Christoph Freitag und nun geht er in seiner Rolle als „Leitwolf“ beim SKN St. Pölten voll auf.

Wenn du hier gegen Rapid spielst vor 8.000 Zuschauern, macht das Spaß. Wenn du im Iran vor 100.000 spielst, ist das aber schon noch einmal etwas anderes. Die machen einen richtigen Wirbel“, erzählt Christopher Knett im Gespräch mit dem MFG-Magazin in der NV Arena. Der 35-jährige Wiener lebt mit seiner Frau Sonja und den Kindern Louis (11) und Lion (5) in Krems-Rohrendorf und pendelt fast täglich in die Bimbo-Binder-Promenade. Knett ist nämlich nicht nur die Nummer 1 der „Wölfe“, sondern trainiert nebenbei auch noch die Torhüter mehrerer Nachwuchs-Auswahlen und freut sich mindestens ebenso sehr, wenn seine Kampfmannschaftskollegen Marcel Kurz (18) und Eric Baran-Ulvestad (20) Fortschritte machen. „Das gehört ja auch zu meinen Aufgaben, dass ich diese Spieler heranführe. Das ist ganz klar meine Rolle, dass ich für die Mannschaft da bin“, so Knett. Jetzt gerade umso mehr, nachdem er sich gegen Admira einen Muskelfaserriss zugezogen hat.

150 Mal ohne Gegentor
Schwerer verletzt war Knett in seiner Karriere nie, zumindest laut Eigendefinition. Einmal hatte er einen Jochbeinbruch: „Da habe ich halt mit Maske gespielt.“ Insgesamt absolvierte er im Profibereich schon 464 Pflichtspiele und blieb dabei exakt 150 Mal ohne Gegentor. Seine rundum beste Zeit verbrachte er in Griechenland bei Panetolikos. „Mein erstes Spiel war gleich im Tsoumba-Stadion bei PAOK Saloniki, die gerade nach 36 Jahren wieder Meister geworden sind. Die Fans sind voll abgegangen“, schildert Knett, „aber in Griechenland habe ich auch gelernt, zwischendurch runterzukommen vom Fußball und mich zu entspannen. Wennst dort ein paar Minuten zu spät zum Training kommst, nimmst halt das nächste Mal einen guten Kaffee für alle mit.“ Das war in Deutschland ganz anders. Mit 16 Jahren hatte er schon den Sprung von Austria Wien zum VfB Stuttgart gewagt und lebte bei einer „Gastfamilie“ in Großaspach, wohin er zunächst verliehen wurde. „Da war dann die Mama plötzlich nicht mehr da, die dir immer alles nachbringt“, lacht Knett rückblickend, „das formt.“ Anschließend hatte er es in der U19 vom damaligen Zweitligisten TSG Hoffenheim mit David Wagner (zuletzt Chefcoach von Norwich City in der Premier League) zu tun, sein Tormanntrainer war Michael Rechner (nun Tormanntrainer von Manuel Neuer bei Bayern München). Die Burschen unter ihm in der U17 wurden von Julian Nagelsmann (aktuell DFB-Teamchef) trainiert und die TSG-Profis von Ralf Rangnick (jetzt ÖFB-Teamchef).

Frage des Geldes
Sein Engagement im Iran war eine Frage des Geldes. Als 2021, Knett war kurz vereinslos war, der Anruf eines Managers kam, ließ er sich Flugtickets schicken, bloß um sich vor Ort einmal die Situation bei Sepahan anzuschauen. Am Flughafen wurde er von den Fans, als einziger möglicher Legionär des Klubs und erster österreichischer Fußballer im Iran wie ein Popstar empfangen und umgarnt. „Als ich dann beim Präsidenten die Zahlen im Vertrag gesehen habe, habe ich alles andere ausgeblendet und unterschrieben.“ Seine Frau hatte schon eine Vorahnung – als er anrief, um ihr Bescheid zu geben, sagte sie gleich: „Du hast schon unterschrieben, oder?“ 
Sonja kam jedoch samt Kindern mit in den Iran. Ins Stadion durfte sie als Frau nicht. Baden gehen konnte sie weder mit dem Mann noch mit den Söhnen, sondern nur allein, wenn gerade einmal Damentag war. Sogar im Hotel. „Aber es war uns auch klar, dass wir es durch dieses viele Geld später alle einmal leichter haben werden“, so Knett. 
Und einen großen Traum konnte er sich auch erfüllen, nämlich einmal in der Champions League zu spielen, wenn auch „nur“ in der asiatischen. Bei seinem zweiten Engagement bei Foolad kam er (mit Spielmacher Ashkan Dejagah – 2009 mit Wolfsburg Meister und mit Deutschland U21-Europameister) dort bis ins Viertelfinale. 
Ebenso ewig in Erinnerung bleiben wird ihm, dass einmal nach zwei Niederlagen in Folge alle Spieler auf Geheiß des Präsidenten durch das Blut eines geköpften Opfer-Schafes gehen musste („Ich noch dazu mit meinen blitzblanken weißen Schuhen.“) und das Kabinen-Theater, als er versehentlich auf den Gebetsteppich eines Mannschaftskollegen gestiegen ist.

Wieder richtig Bock
Geendet haben die sieben Auslandsjahre bei Al-Arabi in der zweiten saudischen Liga: „Die können dort aber nicht wirklich kicken. Da habe ich langsam die Lust verloren.“ 
In Österreich zurück dachte er gar nicht mehr daran, weiter im Profibereich zu spielen. Ehe SKN-Sportdirektor Christoph Freitag den entscheidenden Anruf tätigte, hätte Knett beinahe schon in Traiskirchen (Regionalliga Ost) unterschrieben gehabt. Sein ehemaliger Kapitän beim FC Wacker Innsbruck, mit dem er 2017/18 den Zweitliga-Meistertitel und Aufstieg in die Bundesliga feierte (Knett wurde damals auch noch zum „Tormann der Saison“ gekürt), konnte ihn rasch überzeugen. „Das Konzept der Regionalität von Didi Wieser hat mir gleich getaugt. Dass Cem Sekerlioglu so ein toller Trainer, ja Menschenfänger, ist, habe ich aber noch nicht gewusst. Dass ihn vorher noch kein Klub als Cheftrainer verpflichtet hat, ist eigentlich ein Wunder“, schwärmt Knett. Seine Rolle als spielender Tormann kommt ihm richtig entgegen. „Ich zocke gerne“, lacht Knett, „das war schon ein paar Mal ein Faktor bei meinen Verpflichtungen. Der Größte bin ich ja nicht. Der Volli (Tormann-Trainer Thomas Vollnhofer, Anm.) unterstützt mich da auch sehr, gibt mir immer wertvolle Tipps.“ Dass Vollnhofer auch beim österreichischen Nationalteam mitarbeiten darf, sei kein Zufall. „Der wird eine internationale Tormanntrainer-Karriere machen“, prophezeit Knett.
Das Wort „Meistertitel“ nimmt Knett hingegen nicht in den Mund. Die Mannschaft mit jener von Wacker damals vergleichen, mag er auch nicht. „Was hier in jedem Fall stimmt, ist das Gesamtkonzept, der Plan des Trainers und die Hierarchie. Trotzdem geht es familiär zu. Die Jungen fragen einen gelegentlich, was sie vielleicht besser machen können und geben immer Vollgas. Die Mannschaft hat was, wir können richtig geilen Fußball spielen.“ Nachsatz: „Hier reißt sich einfach jeder jeden Tag den Arsch auf.“