MFG - Linda Partaj – Das Innerste nach außen stülpen
Linda Partaj – Das Innerste nach außen stülpen


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St. Pöltens gute Seite

Linda Partaj – Das Innerste nach außen stülpen

Text Andreas Reichebner
Ausgabe 09/2025

Fasziniert von der Psyche der Menschen, begibt sich die St. Pöltner Künstlerin Linda Partaj bei ihren, an die figürliche Gestalt gebundenen Arbeiten auf eine fortwährende, analytische Seelenreise in das Innerste humaner Gedanken und Verhaltensweisen.

Ihre neuen, teils noch nie gezeigten, großformatigen Malereien werden nun über eine Woche lang in einer großen Einzelausstellung im Kesselhaus der Glanzstoff zu betrachten sein. Dabei wird sich dieser einzigartige Raum, lavierend zwischen ehemals augenscheinlicher, industrieller Großartigkeit und seines, aufgrund der ursprünglichen Bestimmung enthobenen Verfalles, als perfekte Bühne für die aktuellen, größtenteils in diesem Jahr entstandenen Exponate, zeigen. „Die Idee ist, die Bilder in die bestehende Infrastruktur, in den Raum einzubetten, etwa mehrere Formate in unterschiedlichen Höhen zu hängen. Geplant ist auch eine mittig platzierte große Installation, die wie ein Kartenhaus, Bild an Bild, ohne Stellwände, funktionieren soll. Die Bilder werden sich gegenseitig halten“, erzählt die Künstlerin, „die Halle gefällt mir, sie hat Charme und Stimmung, sie transportiert Dinge, die mich in meiner Kunst beschäftigen, sehr eindringlich mit.“   
Ausgangspunkt der großen Einzelschau ist dabei eine vierteilige Werkserie „Die Seele meiner Zeit“, ihr im März begonnener Malereizyklus. Schon der Titel lässt Rückschlüsse auf die Arbeitsweise, das Kunstschaffen der 33-jährigen Künstlerin zu. Linda Partaj ist tief ergriffen von der Psyche des Menschen, ihr liegt die Bereitschaft, Menschen zu lesen, zu reflektieren, in ihrer künstlerischen DNA. „Mich interessieren das Verhalten, die Charakterzüge eines Menschen, wie er auftritt, wie er sich verhält, was er vermittelt, sehr. Das sind Inspirationen für meine Bilder“, so die freischaffende Künstlerin. Obwohl ihre Werke auf den ersten Blick der figürlichen Gestalt verpflichtet sind, wird im Zuge der Betrachtung schnell erkennbar, dass es ihr nicht um das bloße, äußere Erscheinungsbild geht, sondern um den analytischen Blick auf die komplexe menschliche Seele, die Gefühlswelt. Der Körper wird zur Projektionsfläche für Emotionen. 

Sensibler und subtiler Blick
Ihre Vorgangsweise ist die einer sensiblen und sehr subtilen Beobachterin. „Inspirationen hole ich mir von Menschen, denen ich begegne und Geschichten, welche sie erzählen. Persönliche Erlebnisse prägen den Menschen und sein Auftreten. Haltung, Blicke, Posen, Farben, Kompositionen, ... fange ich mit Skizzen oder Fotos ein und verwende Ausschnitte daraus“, erklärt Linda Partaj den Beginn ihrer künstlerischen Arbeit. Das Festgehaltene dieses Augenblickes wird fragmentiert, aufgelöst, überlagert und entwickelt sich zu etwas Neuem. Partaj ist fasziniert von der Wucht, die jeder Mensch in sich trägt. Nicht um das Spezifische, sondern um die Symbolkraft des ganzen Mensch-Seins, geht es dem St. Pöltner Künstlerbund-Mitglied. Die Endlichkeit des Lebens, der Gedanke der Vanitas, ist ihr dabei nicht fremd, aber auch die Verletzlichkeit der Menschen, ihr fragiles Sein und die Sensibilität versucht sie, in ihren Bildern, sichtbar zu machen. Es steckt viel Liebe, aber auch viel kritische Verarbeitung und ihre eigene Gefühlswelt in ihren aktuellen Werken. Schön wäre es für die Künstlerin, wenn „die Nachdenklichkeit, die meinen Bildern eingeschrieben ist, reflektiert wird, wenn stärkere Empathie entsteht, über Themen intensiv nachgedacht wird.“
Warum sie sich aktuell den Großformaten zugewandt hat? „Ich wollte mich herausfordern, gerade für die Abschlussarbeit an der Akademie. Es hat mich gereizt, das Großformat für mich zu entdecken, mich der Frage zu stellen: Kann ich es bewältigen?“ 

Nach außen stülpen
Die Antwort findet sich in den 200x150 cm großen Ölgemälden, die mit faszinierenden, harmonischen Kompositionen und einem famosen durchscheinenden Farbauftrag glänzen. Ja, es ist ihr gelungen, die Auseinandersetzung mit dem Großformat. Lasierende Schichten übereinander stellen Schnittstellen zwischen Körpern dar, stellenweise, durchsichtige Farben durchstoßen schnell die Außenhaut und machen das Innere sichtbar, Körperteile werden subtil in Farbfelder zerlegt. Dabei verwendet Partaj eine erdige, der Natur entnommene Farbpalette. Frida Kahlo trifft auf Francis Bacon könnte man meinen. Zuerst fertigt die Künstlerin kleine, monochrome Skizzen an, mit denen sie Kompositorisches auf ihre Tragfähigkeit überprüft. „Aber manchmal funktioniert etwas in der grafischen Skizze, aber malerisch dann nicht, oder auch umgekehrt. Auf der Leinwand entwickelt sich da vieles zu etwas anderem“, gibt sie Einblick in ihre Arbeitsweise. Die Grafik findet sie aber durchaus auch als eigenständiges, starkes Ausdrucksmittel. 
Inspiriert wird Linda Partaj, wie sie selbst erzählt, auch „von Textpassagen aus Liedern.“ Auch Literatur, etwa von Hesse, Kafka oder See­thaler, hat in ihren Werken Einzug gehalten. Jedes Bild hat einen besonderen Titel, der aber nicht erklärend ist, sondern eine neue künstlerische Ebene eröffnet. 
Schon als Kind war das ständige „Kritzeln“ allgegenwärtig, kein Wunder, wuchs sie doch in einem durch und durch inspirierenden Umfeld – Papa Hari selbst bildender Künstler und BE-Professor und Mama Hanna begnadete Fotokünstlerin – auf. „Ich bin voll reingewachsen in diese Welt, umgeben von künstlerischen Ausdrucksformen, besonders präsent war die bildende und angewandte Kunst, sowie Musik. Meine Eltern waren ein großes Vorbild, wir haben viel geredet, reflektiert und ich habe sehr von ihnen gelernt“, weiß Linda um die Bedeutung von Rückhalt, der sie, neben ihrer intensiven Arbeit an ihrer Kunst, nun zu einem Punkt als ernstzunehmende Künstlerin, deren Wirkung sich in Zukunft nicht nur auf lokaler und nationaler Ebene beschränken wird, gebracht hat.  

INFO
Eröffnung am Donnerstag, 25. September: Beginn Vernissage um 18 Uhr im Kesselhaus der Glanzstoff, Herzogenburgerstraße 69, St. Pölten.

Abschluss am 4. Oktober ab 19 Uhr mit einer Finissage und einem Live-Konzert der Band „Gravögl“ (Konzertbeginn ca. 20 Uhr) – danach gibt es ein Vinyl-Set von DJ Robert Trömer.

Die Ausstellung ist von 25. September bis zum 4. Oktober zu sehen. Infos zur Ausstellung und Kontaktaufnahme über www.lindapartaj.at