3/4 Takt und Hose
Text
Roul Starka
Ausgabe
09/2025
Zunächst: Ich liebe St. Pölten. Ich liebte kurze Hosen von 1962 bis 1974, dann wurde ich Mann und lernte in Italien, dass dort speziell im Süden Männerbuben warten, bis sie 12 Jahre alt sind und endlich lange Hosen anziehen dürfen. In St. Pölten lernte ich, dass man männlich ist, wenn man – angeblich – vor nichts Angst hat, viele gesunde Watschen bekommen hat, sich mit dem Auto überschlägt (ab fünfmal Minimum wird man im Klub akzeptiert) und regelmäßig vor lauter Rausch auf den Löwenkeller-Parkplatz speibt. Am Wochenende auch auf die B1 Richtung Wien, Pottenbrunn, Club Maquie, auf die B20 Richtung Mariazell, Wilhelmsburg, Jolly Joker. In allen drei Lokalen war ich DJ, ich hab natürlich nie dorthin gespieben, ich schwör’s! (ui zwick)
Die Zeit vergeht, herzsüditalienisch, seelenrömisch, geistvenezianisch, gfrastsacklneapolitanisch und mühsamveronesisch wie ich bin, geh ich stolzarrogant baucheingezogen bei 35° Grad Celsius in langen Hosen durch die Welt. Hauptberuflich verspotte ich Männer in Dreiviertel-Hosen und deren kaugummikauende Puppis im Dreiviertel-Haut-zu-Tattoo.
Dumme Menschen erkennt man an ihrer Kleidung. Kombination aus praktisch in scheußlichen Farben. Je rechtsideologischer desto türkis-violett-schwarz-rosa. Dazu ihr Gekrächze. Sie alle sind mir ein täglicher Juckreiz in Auge und Ohr. Ich glaube, Gott trägt Dreiviertel- oder Jogginghose, weil es „so gemütlich“ ist. Dazu ein T-Shirt wo „Gott, oida!“ draufsteht und hat am Handy statt WhatsApp ein WhatsRabbiat. Ah ja, ich sitz grad beim ‚Hager‘, in einer kurzen Hose aus Jogginghosenstoff, es ist so gemütlich.



