MFG - Dietmar Wieser – "Da entsteht etwas!"
Dietmar Wieser –


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Dietmar Wieser – "Da entsteht etwas!"

Text Thomas Schöpf , Johannes Reichl
Ausgabe 09/2025

Was haben wir nicht schon alles erlebt beim SKN St. Pölten: Champions-League-Fantasien, Abstieg, Aufstiegsdruck, Finanzprobleme, Transfersperre, Handgreiflichkeiten unter Spielern, schwindelerregendes Trainerkarussell oder zuletzt mit Paul Francis einen hochgejazzten Investor, der genauso schnell verschwand wie er aufgetaucht war.

Die – für den Verein auch existenzbedrohende – Lücke füllt seit dem Frühling u. a. Dietmar Wieser, zunächst mit Geld, v. a. aber mit unternehmerischem wie sportlichem Hausverstand, die er sowohl in seiner Rolle als Miteigentümer als auch Neo-Vizepräsident einbringt. Sein wohltuendes Credo: Nachhaltigkeit und Regionalität. 

Woher kommt Ihre Leidenschaft zum Fußball und wie sind Sie beim SKN gelandet?
Also mein Leben dreht sich seit ich sechs bin ganz, ganz stark um das Thema Fußball. Damals habe ich vereinsmäßig zu spielen begonnen, hab auch mit meinem älteren Bruder gekickt. Bei Kilb hab ich über 30 Jahre im Amateurbereich verbracht – als Spieler, Trainer und Funktionär quasi alles durchgemacht. Es war letztlich auch die Fußballbegeisterung, die mich völlig ungeplant in die Selbstständigkeit geworfen hat. In Folge hab ich im Fußball, im Sport insgesamt gute Netzwerke aufgebaut – auch mit dem SKN bestand über 11teamsports eine berufliche Partnerschaft, und ich hab schon vor gut einem Jahr signalisiert, dass ich mich im Verein engagieren möchte. Als es diesen Frühling mit dem Absprung von Paul Francis akut wurde, ist Matthias Gebauer an mich herangetreten und ich musste nicht lange überlegen, einzusteigen. 

Haben Sie nicht die bisherigen Turbulenzen abgeschreckt – was reizt Sie an der Sache?
Mich reizen einfach Herausforderungen, wo Leidenschaft im Spiel ist, und ich bin überzeugt vom Standort, von St. Pölten – der Verein hat hier wahnsinnige Möglichkeiten. Deshalb habe ich als Außenstehender früher nie verstanden, warum man diese nicht besser nutzt, sondern – wie es den Anschein hatte – nur von einem Fettnäpfchen ins andere hüpft und ununterbrochen nur am Reagieren ist anstatt zu agieren. Andere Vereine, mit teils deutlich schlechteren Rahmenbedingungen, haben ja vorgezeigt, wie es gehen kann, und ich bin überzeugt, dass auch wir das hier in St. Pölten schaffen werden, weil das ein unglaublich gutes Pflaster für einen Fußballverein ist – das will ich mir auch selbst beweisen. Ob ich damit richtig liege, (lacht), kann ich euch dann in ein paar Jahren sagen.

Wo gilt es für eine Erfolgsgeschichte anzusetzen?
Im Prinzip hast du in vielen Bereichen die gleichen Themen wie sie etwa auch in einem kleinen Amateurverein wie Kilb bestehen, nur dass sie in der Bundesliga intensiver sind und die finanzielle Größenordnung eine andere ist. Aber hier wie dort brauchst du ein klares Bild der Situation, eine klare Vision, wo du hin willst und an der du auch festhältst. An den eingeschlagenen Weg zu glauben, auch wenn es Rückschläge gibt, hat mir beim SKN in den letzten Jahren oft gefehlt. Da wurde bisweilen mit Panik reagiert und alles auf einmal über den Haufen geworfen. Letztlich geht es aber um Nachhaltigkeit. In Kilb haben wir etwa vor einigen Jahren beschlossen, wir spielen ohne Legionäre – da haben auch viele gemeint, da werdet ihr aber keinen Erfolg haben, und es gab auch schwere Zeiten, wir sind uns aber treu geblieben und habens durchgezogen – mittlerweile spielen wir das 7. Jahr in der Landesliga! Zudem ist es aus meiner Sicht unerlässlich, dass wir hier in St. Pölten einen regionalen Weg gehen. Da ist enormes Potenzial vorhanden. Neben der großen Stärke des SKN – der Infrastruktur – bist du hier zugleich ja auch in der Landeshauptstadt, kannst also in gewisser Weise für dein ganzes Bundesland stehen. Die Nähe zu Wien ist dabei kein Nachteil, sondern ein großer Vorteil, wenn ich an Spieler denke oder auch potenzielle Sponsoren! Wir möchten jedenfalls eine unverwechselbare DNA schaffen, wo die Niederösterreicher sagen: ‚Das ist unser Klub!‘

Wie haben eigentlich die Leute in ihrer Heimatregion, in Kilb und Mank, auf Ihr Engagement beim SKN reagiert?
(lächelt) Das war natürlich ein großes Thema! Die meisten haben sich gefreut und waren auch da und dort ein bisschen stolz auf die Region. Schön finde ich zudem, wie viele Bekannte und Freunde aus meiner Heimat jetzt auf einmal ins SKN-Stadion kommen und wie viele Kinder aus Kilb sich in den letzten Wochen schon eine SKN-Dress gekauft haben. Ich hoffe, dass uns das auch mit anderen Vereinen gelingt, wir sie für den SKN begeistern können. Ich denke da natürlich an die Stadtvereine, an Ratzersdorf, Pottenbrunn etc., auf die wir aktiv zugehen möchten. Das Gute ist ja: Das Interesse am Verein ist ungebrochen, ob nun positiv oder – durch manch Fehler in der Vergangenheit – mitunter negativ. Aber Faktum ist, der Verein lässt niemanden kalt – das heißt wir haben die Chance, die Leute wieder für den Verein zu begeistern und von unserem Weg zu überzeugen. 

Wie sehen Sie eigentlich Ihre persönliche Rolle im Verein, abgesehen von der Vizepräsidentschaft: Investor oder Mäzen? 
Miteigentürmer trifft es am besten. Investor passt überhaupt nicht. (hält kurz inne) Ja, am Anfang musst du etwas reinschießen, übernimmst Haftungen etc. – das gehört dazu und war wichtig. Aber mittelfristig soll der Verein so aufgestellt sein, dass er sich selbst finanziert. Vielleicht war ich also anfangs für ein paar Tage Investor, wenn man so will. Jetzt gilt es aber für alle, die sich im Verein engagieren, diesen in wirtschaftlich gute Gefilde zu führen.

Bei den Transfers von Claudy Mbuyi zu Rapid und Ramiz Harakate zum GAK, unter Francis geholt, wurden ja noch gute Einnahmen lukriert. Hat sich das in etwa die Waage gehalten? 
(die Miene sagt nein) Zum einen sind noch viele wichtige Gelder von Paul Francis geflossen, andererseits hatte man ja auch ein Kostenkonstrukt aufgebaut, für das man verantwortlich war. Da ist das Mindeste, dass ich erwarten kann, dass diese Gelder auch fließen. Jedenfalls können wir dadurch auf lange Sicht eine gute finanzielle Basis schaffen. Wir sind, wenn man so will, noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.

Wie wichtig ist der sogenannte „Österreicher-Topf“? Auf diese Fördergelder seitens der Bundesliga hatten ihre Vorgänger ja verzichtet, jetzt setzt man dahingegen darauf – weil man finanziell muss? 
Kurzfristig war die Teilnahme durchaus auch eine finanzielle Notwendigkeit, aber sie deckt sich vollkommen mit unserem langfristig geplanten Weg, auf heimische Spieler, vor allem aus der Region, zu setzen. Es ist für uns essentiell, dass die Region mitzieht und sich mit den Spielern identifizieren kann. Das ist das Kernargument für diesen Weg!

Ein regionales Zeichen hat man auch durch die stärkere Zusammenführung von Wölfinnen und Wölfen gesetzt? Jetzt hat man sogar das Logo gemeinsam.
Operativ werden wir noch viel stärker zusammenwachsen, ob das nun Buchhaltung, Ticketing oder die Geschäftsführung betrifft. Auch im Social Media Bereich nutzen wir schon gewisse Ressourcen für beide, und die Logo-Änderung war ein ganz wichtiger Schritt! Wir wollen auch gemeinsame Sponsoringpakete angehen, mit diesen zwei tollen Assets. Früher hatte man ja jeweils Angst, dass man dem anderen etwas wegnimmt, ich bin dahingegen überzeugt, dass wir gemeinsam viel attraktiver und stärker sind.

Da profitieren die Männer zur Zeit wohl eher von den Frauen, die ein sehr positives Image haben und auf nationale sowie internationale Erfolge verweisen können?
Die Männer sind aus meiner Sicht aktuell ganz klar die Nutznießer. Aber auch die Frauen werden von den Männern auf Sicht profitieren. Es wird Zeit brauchen, die lange getrennten Welten zusammen zu führen, aber ich bin überzeugt, dass dieser gemeinsame Weg, diese gemeinsame Geschichte für die Marke insgesamt einen Mehrwert bringt, dass sie vor allem auch für die Wirtschaft attraktiv ist. Frauen und Männer im Paket werden Sponsoren und Partner ansprechen, die man je für sich sonst gar nicht erreichen würde. Ich bin auch zuversichtlich, dass wir manche Unternehmen, die sich ehemals engagiert haben, zurückgewinnen können. 

Um bei den Frauen zu bleiben: Die sportliche Herausforderung wird nicht geringer, andere Klubs rüsten im Frauenfußball gehörig nach.
Die Liga wird sicher enger zusammenrücken. Die Austria etwa wird uns schon heuer das Leben schwer machen. Auch Rapid steht vor der Tür und Salzburg wird sich auf Dauer, mit ihrer Akademie dahinter, nicht mit einem fünften, sechsten oder siebenten Platz zufriedengeben. Das ist aber nicht negativ, sondern wird die Liga insgesamt attraktiver machen und voranbringen. Die nächsten zehn Jahre werden wir also vielleicht nicht mehr Serienmeis­ter sein, aber wir werden von den Entwicklungen trotzdem profitieren, weil wir uns durch unsere bisherige Arbeit Vorteile erarbeitet haben. 

Wie sind aktuell die Bande mit der Akademie St. Pölten? Diese galten in Vergangenheit ja mitunter, um es nett zu formulieren, als durchwachsen?
Wir haben unser eigenes Leistungszentrum und jetzt auch einen sehr, sehr guten Austausch mit der Akademie St. Pölten. Wir sind der Bundesliga-Verein in der Stadt, in der die Akademie ist. Die Spieler gehen hier zur Schule, da sollte die Bindung zum SKN am größten sein! Aus meiner Sicht ist das für beide Seiten eine tolle Möglichkeit noch intensiver zusammen zu arbeiten, davon können wir als SKN sehr stark profitieren und sind dementsprechend dahinter. Die ersten Spieler haben wir ja auch schon verpflichtet.

Was ja eine klare Signalwirkung hatte?
Absolut. Wir haben schon ein klares Zeichen gesetzt, in welche Richtung es gehen soll – nämlich viele Österreicher zu verpflichten, auf die Region zu setzen. In der nächsten Transferperiode können wir diesbezüglich vielleicht noch einen weiteren Feinschliff vornehmen. Das macht absolut Sinn! Du siehst ja, wie viel Leidenschaft da in den ers­ten Spielen schon am Platz war, unabhängig vom Erfolg. Die Art und Weise, wie wir auftreten, die taugt uns, und stimmt uns zuversichtlich. Das Herz am Platz lassen, das ist das, was wir bieten wollen. 

Wenn man Ihnen zuhört, hat man das Gefühl, Sie sind gekommen, um zu bleiben. Wie geht’s konkret weiter?
In den nächsten drei Jahren ist unsere Aufgabe ganz klar: Zum einen wollen wir dem Verein eine klare, regionale DNA verpassen, so dass sich die Fans mit uns und unserem Weg identifizieren können. Zugleich müssen wir in dieser Phase den Verein stabilisieren, also wirtschaftlich konsolidieren und ins positive Eigenkapital bringen. Sportlich möchten wir eine gute Rolle spielen. Vom Budget her sind wir unter den „Top Fünf“ der Liga, daher ist es unser sportlicher Anspruch, auch in diesem Bereich mitzuspielen. Danach wollen wir mittelfristig konstant vorne mitspielen und dann soll irgendwann der Aufstieg „passieren“. Ich sag ganz bewusst „soll“ und nicht „muss“, denn jeder, der schon mal selbst gekickt hat, weiß, dass man einen Aufstieg nicht erzwingen kann – da muss so viel zusammenspielen. Andererseits wollen wir unseren Weg nachhaltig so anlegen, dass wir irgendwann aufsteigen können – und der Verein, der Standort hat wirklich alles, um auch einmal in der Bundesliga zu bestehen. 

Sportlich läuft es ja gerade hervorragend. Was war bislang Ihr persönliches Highlight?
Ganz klar das Siegtor gegen die Vienna in der 95. Minute. Deshalb macht man das (strahlt) – diese Emotionen, dass sich alle in den Armen liegen, egal ob auf der VIP oder auf Ost. Das hat es lange nicht mehr gegeben in St. Pölten. Es war auch eine Riesenfreude für uns, dass die Fanklubs bei der Doppelveranstaltung nach den Männern auch unsere Frauen unterstützt haben. Da entsteht etwas!

ZUR PERSON
Der Kilber Dietmar Wieser, 43 Jahre, studierteMedieninformatik und Informatikmanagement an der TU Wien. Als Unternehmergründete er www.fanreport.com und baute den Österreicher-Ableger von11teamsports auf. Als Geschäftsführer betreut er u. a. über 600 Vereine inÖsterreich – darunter auch zahlreiche aus der Bundesliga. Selbst begeisterterFußballer ist Wieser bis heute als Funktionär beim SCU Kilb tätig, als Vorstandfür Marketing & Sponsoring. Beim SKN ist er seit dem Frühling über die SKNInvestor GmbH Miteigentümer, außerdem wurde er zuletzt als Vize-Präsidentsowohl in den Vorstand der Männer als auch jenen der Frauen gewählt.

DER VORSTAND

Vorstand SKN St. Pölten Frauen
Präsident: Wilfried Schmaus
Vizepräsidentin: Christina Wieser
Vizepräsident: Dietmar Wieser
Finanzreferent: Wolfgang Ammerer
Finanzreferent Stv: Katharina Ehart
Schriftführerin: Martina Haag
Schriftführer Stv: Herbert Bugl
Schriftführer Stv: Stefan Schrittwieser

Betreuerstab und Kapitänin Wölfinnen
Sportdirektorin: Tanja Schulte
Trainerin: Lisa Alzner
Co-Trainer: Lukas Noga, Peter Ganster
Torfrauentrainer: Eryilmaz Ömer
Videoanalyst: Marco Roll
Athletik-Trainer: Alexander Fleckter
Kapitänin: Jennifer Klein

Vorstand SKN St. Pölten
Präsident: Helmut Schwarzl
Vizepräsident: Dietmar Wieser
Kassier: Wolfgang Ammerer
Schriftführer: Gottfried Schellmann
Weitere Vorstandsmitglieder: Herbert Bugl, Mario Lenz, Stefan Schrittwieser 

Betreuerstab und Kapitän Wölfe
Sportdirektor: Christoph Freitag
Trainer: Cem Sekerlioglu
Co-Trainer: Mark McCormik, Daniel Schütz
Individualtrainer: Simon Zehethofer
Tormanntrainer: Thomas Vollnhofer
Kapitän: Stefan Thesker

Foto Johannes Reichl
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