MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Die Schutzstadt

Text Thomas Winkelmüller Ausgabe 11/2018

Und wo kaufen Sie Ihre Drogen? Vermutlich nicht im Sparkassenpark. Bereits Süchtige und ambitionierte Beginner dealen und konsumieren dort nur im Notfall. Der Sparkassenpark ist eine No-Go-Area für sie und er war es schon lange vor der Schutzzone, die am 1. November offiziell in Kraft trat. Zu offen, zu verrufen, zu viele Menschen. Die meisten Jugendlichen mit Vorliebe für Marihuana und Chemisches meiden ihn bewusst und finden andere Orte. Ihre Joints rauchen sie zu Hause, Tabletten schmeißen sie im Club ein und Lines ziehen sie danach.
Und das Dealen? Vereinzelt stellen junge Männer im Stadtpark noch die berühmte „brauchst du was“-Frage. Bei ihnen verschwimmt aber die Linie zwischen Mut und Leichtsinn. Und zuletzt das schwächste Argument, dessen Inhalt aber sicher eintreten wird: Die Drogen finden ihren Weg, Schutzzone hin oder her. St. Pölten ist groß genug, und die ganze Stadt zur Schutzzone erklären, würde das Ganze wohl ad absurdum führen.
Ob die neue Schutzzone nun notwendig ist oder das Budget dafür in der Suchthilfe besser angelegt wäre? Darüber könnten Anrainer und Besucher des Parks wohl lange streiten. Die Behörden setzen damit jedenfalls ein klares Zeichen: St. Pölten will illegale Drogengeschäfte unterbinden. Das ist eine berechtigte Nachricht an alle Konsumenten und Dealer, nur leider nicht viel mehr. Die Zeit des Sparkassenparks als Drogen-Hotspot ist vorbei und liegt weit vor der Schutzzone. Ein ambitioniertes Unterfangen, das etwas spät kommt und wohl nur in den Jahresberichten etwas ändern wird.