MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Drei berühmt-berüchtigte Buben

Text Michael Reibnagel
Ausgabe 11/2015

Seit mittlerweile fünf Jahren, genauer gesagt seit März 2010, treiben drei junge Musiker ihr Unwesen auf den Bühnen der Stadt und darüber hinaus. Die Band nennt sich Infamous und liefert uns 90er-Jahre Rockmusik, von Grunge bis Punk.

Die drei Herren, allesamt im besten Alter, hinter Infamous sind Max, Jonny und Phil. „Max, unser Bassist, studierte Jazz-Bass und jetzt Physik. Außerdem spielt er bei der St. Pöltner Band „Sweet Swing Coffee“ und hat eine Vorliebe für Groupies in Star Wars Kostümen. Phil, der Gitarrist und Sänger, arbeitet und lebt mit Weingläsern. Nebenbei studiert er Musikkomposition und Tontechnik. Schlagzeuger Jonny hingegen macht nichts. Manchmal auch gar nichts“, scherzen die drei.
Begonnen hat alles – wie die Geschichte vieler Bands der Stadt – im BORG St. Pölten, das die drei gemeinsam besuchten. „Wir haben uns durch Zufall einen Klassenraum geteilt und uns immer besser kennengelernt und bald darauf beschlossen, einmal zu jammen“, erzählen sie. Eines führte zum anderen und so war im März 2010 Infamous gegründet. Auch der Name war relativ schnell bei der Hand, musste doch bereits drei Wochen nach Bandgründung die Promotion des ersten Gigs starten. Kein leichtes Unterfangen ohne einen klingenden Namen. Nach einer dreistündigen Telefonkonferenz hat man sich schließlich für Infamous entschieden. „Die Bedeutung des Wortes war ursprünglich für die Namensfindung unwichtig, doch wir wussten, dass es sowohl ‚berühmt-berüchtigt‘, als auch ‚beschissen‘ heißen kann“. Eine stark konträre Übersetzung also für ein und dasselbe Wort, was den Hörern die Möglichkeit offen lässt, selbst zu entscheiden, welche Übersetzung man als die richtige ansehen möchte.
Musikalisch lässt man den Zuhörern jedoch keinen Interpretationsspielraum. Geboten wird klassische 90er Jahre Rockmusik. Von Grunge bis Punk ist alles dabei, was auch damals durch die Gehörgänge fegte. Die Musik von Infamous kann dabei laut und aggressiv sein, aber gleichzeitig auch in eine emotionale und melancholische Stimmung verfallen. All das lässt sich in den musikalischen Vorbildern erkennen: Für die Band zählen dazu natürlich all die Größen der Genres, wie beispielsweise Nirvana oder Blink-182. „Grunge würde es ohne Nirvana nicht geben. Blink-182 hat uns, als Punkgröße der 90er, vor allem in unserer Kindheit geprägt. Diese zählen wir im Kollektiv zu unseren größten Einflüssen.“ Abgesehen davon hat natürlich jeder der drei seine ganz eigenen Vorbilder. Schlagzeuger Jonny sieht zum Beispiel, neben den Drummern Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters, Queens Of The Stone Age, und viele mehr) und Travis Barker (Blink-182, Box Car Racer, +44,…) noch den Skater Rodney Mullen als sein Idol an. Gitarrist und Sänger Phil prägen vor allem Layne Staley (Alice In Chains, Mad Season) und Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour) und außerdem verfolgt er mit großer Aufmerksamkeit aktuelle österreichische Bands und Musiker. Bassist Max Heroen sind Flea (Red Hot Chili Peppers) und James Jamerson. Außerdem lässt er sich von den Werken Quentin Tarentinos inspirieren.

Indigo
Doch nun genug der Hintergründe. In den fünf Jahren seit der Gründung haben Infamous, wie sollte es anders sein, schon einiges geschafft und erlebt. Nach der Veröffentlichung des Demoalbums „Let’s Go“ 2011, nahm die Band beim Local Heroes Bandcontest teil. Nachdem man sowohl in St. Pölten, als auch zweimal in der Arena Wien überzeugen konnte, spielte man sich bis ins Ostösterreichfinale des Wettbewerbs. Aus privaten Gründen wurde es dann eher ruhig um die Band und man konzentrierte sich ganz auf das Schreiben neuer Songs. Im Mai 2014 erschien schließlich – worauf die Band besonders stolz ist – das Debütalbum „Indigo“. „Es steckt schon viel Arbeit dahinter, die uns im Endeffekt sehr zufrieden stimmen konnte“, so Sänger Phil.
Dem Albumrelease folgte, was ja heute schon zum guten Ton gehört, eine kleine selbstorganisierte Tour durch Österreich. Nach einem der eher seltenen Unplugged Gigs im St. Pöltner BarRock, beehrte man auch Wien und Salzburg. Außerdem konnte man im Zuge der Tour auch erste „Auslandserfahrungen“ in Passau sammeln. Die Veröffentlichung des Videos zum Song „Buddy“, der ebenfalls auf Indigo zu finden ist, brachte dann erste mediale Erfolge mit sich, wurde es doch mehrfach auf GoTV gesendet. Doch nicht nur das Video durfte bestaunt werden, sondern auch das dazugehörige Interview. Aber auch im Hörfunk kommt man um INFAMOUS nicht herum, waren die drei beispielsweise unter anderem auch schon bei Campus & City Radio 94.4 zu Gast.
Dass man da natürlich nicht aufhören darf, ist klar. Derzeit konzentrieren sich INFAMOUS auf das Schreiben neuer Songs, eine Tour ist in nächster Zeit nicht geplant. Jedoch kann man die drei Rocker unter anderem am 12. Dezember im St. Pöltner frei:raum bewundern, wo es vielleicht sogar schon neues Material zu hören gibt. Dabei wird es sich nicht um ein einfaches Konzert handeln, sondern man kann das Ganze vielmehr als Eintagesfestival betrachten. Gemeinsam mit INFAMOUS, die Headliner sind, werden sich z.B. auch ihre Freunde, die Ollersbacher Progressive Metalband „Mind Expanded“, die Loosdorfer Metalband „Bionicle Bastards“ sowie die Kremser Pop-Rock Band „Amalea“ ein Stelldichein geben.
Schaut man sich dieses Line Up an, erkennt man, dass sich INFAMOUS gerne mit Bands anderer Genres die Bühnen teilen. Da verwundert es nicht, dass man einiges Gutes über die österreichische Musikszene zu sagen hat: „Man kann kaum positiver über die aktuellen Ereignisse der österreichischen Musikszene denken, wenn man sich Bilderbuch und Wanda anhört. Leider zählen die zwei bis jetzt als Ausnahmen, was den kommerziellen Erfolg, national wie international, angeht“, so Phil. Auch über die heimische Szene macht man sich so seine Gedanken: „Es gibt sehr viele gute Künstler und Musiker, auch in St. Pölten, die mehr Aufmerksamkeit verdienen würden. Für junge Bands aber ist es in St. Pölten besonders schwer sich einen Namen zu machen, weil die Kontakte für mehr und größere Möglichkeiten fehlen. Gerade deshalb gehen viele nach Wien und versuchen dort ihr Glück, was der Musikszene in St. Pölten nicht mehr hilft. Gute Musiker gibt es hier dennoch zu Genüge.“
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und Lust auf eine gehörige Portion 90er Jahre Rockmusik bekommen hat, sollte auf jeden Fall mal auf www.infamous-music.at vorbeischauen, wo man unter anderem Indigo kaufen und sich Buddy anschauen kann. Natürlich dürfen auch alle relevanten News nicht fehlen. Der Besuch eines Infamous Konzerts sei auch jedem ans Herz gelegt. Vielleicht sogar gleich im Dezember.