MFG - St. Pöltens Olympioniken
St. Pöltens Olympioniken


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St. Pöltens gute Seite

St. Pöltens Olympioniken

Text Thomas Schöpf
Ausgabe 12/2012

St. Pölten und Olympia. Das hat mehr Tradition, als man auf den ersten Blick glauben mag. Vor Österreichs „Aufsteigerin des Jahres“ Beate Schrott sind auch schon andere St. Pöltner beim größten und traditionsreichsten Sportevent der Welt über Hürden gelaufen, gesprintet, haben geschossen oder Gewichte gehoben, sind ins Wasser gesprungen, geschwommen oder gesegelt.

Mit Hürden-Ass Beate Schrott hat St. Pölten wieder eine Sportlerin von Format. Das belegen ihr 2. Platz bei der Wahl zur „Österreichischen Sportlerin des Jahres“ sowie ihr Triumph bei der Publikums-Wahl zur „Aufsteigerin des Jahres“. Ihr 4. Platz bei der EM in Helsinki, der 7. Platz bei der Hallen-WM in Istanbul und allen voran der Einzug ins Olympia-Finale in London über 110 Meter Hürden zur „Prime Time“ im österreichischen TV, bzw. ihre sympathischen Auftritte hievten die 24-Jährige bei diversen Gala-Veranstaltungen aufs Podest.
Schrott ist aber bei weitem nicht die einzige St. Pöltnerin, die es zu Olympia-Ehren brachte. Zu Winterspielen schaffte es neben Snowboarder Benjamin Karl (2010 in Vancouver Silber im Riesenslalom) auch der ehemalige Geschäftsführer der NÖ Landessportschule Günter Krispel. Nach seiner Leichtathletik-Karriere war er 1984 beim Bobfahren in Sarajevo als Anschieber dabei.
An Sommerspielen nahmen einige St. Pöltner, bzw. für St. Pöltner Vereine startende Athleten teil. Schrotts Verein, die Union St. Pölten, entsandte neben Liese Prokop (1968 in Mexiko City Silber im Fünfkampf) auch Sprinterin Inge Aigner nach Tokio 1964 und Mexiko. „Bis dahin bin ich noch nie in einem Flieger gesessen. Von wissenschaftlichem Training oder medizinischer Betreuung waren wir weit entfernt. Unser Doping waren die Reisen.“ Dementsprechend freute sich Aigner, „als Beate Schrott gemeint hat, dass meine Zeiten über 100 Meter bzw. 80 Meter Hürden sportlich vielleicht sogar höher einzuschätzen sind, als ihre Hürden-Bestzeit.“
Futterknechts Rekord
Bei Olympia 1984 in Los Angeles startete Thomas Futterknecht für die Union über 400 Meter Hürden. Über den Vorlauf kam er aber nicht hinaus. „Zwei Hundertstel haben mir gefehlt. Ich war mit 21 zu jung, habe mich von den Eindrücken überwältigen lassen und mehr die Stärken der anderen bestaunt, als mich auf meine Eigenen zu konzentrieren“, weiß der Unternehmensberater. Sein bestes Jahr war 1985. Da stellte er in Köbe (Jap) mit 49,33 Sekunden den bis heute gültigen österreichischen Rekord auf. „Was leider auch daran liegt, dass in den letzten zwanzig Jahren nicht viele Österreicher diese Disziplin ernsthaft betrieben haben.“ Im Hause Futterknecht wird übrigens ein noch älterer österreichischer Rekord gehalten. Gattin Gerda (ehemals Haas) lief 1983 die 400 Meter in 52,59 Sekunden. Gefahr droht jedoch von der nächsten Futterknecht: Tocher Ines trat (für ULC Mödling) bei der Junioren-WM in Barcelona über 400 Meter an.
Für den ESV St. Pölten bei Olympia waren die Schwimmer Thomas Böhm und Hannes Kalteis sowie der Wasserspringer Erich Pils. Böhm war 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul über 100 Meter Brust und 200 Meter Brust mit von der Partie und platzierte sich zwischen den Rängen 12 und 19. „Das hat in etwa meinem Potenzial entsprochen und gepasst“, so Böhm, der bei der WM 1986 in Madrid sein bestes Rennen schwomm. Dort gewann er das B-Finale mit einer Zeit, die im A-Finale zu Platz vier gereicht hätte. Heute geht der Polizist selten schwimmen. Kalteis wiederum wurde 2000 Jugend-Europameister über 1.500 Meter Kraul und war kurz danach bei Olympia in Sydney mit dabei, beendete aber bald seine Karriere und arbeitet nun für die ÖBB. In Österreich gilt der heute 30-Jährige als Langstreckenlegende, denn seine nationalen Rekorde über 1.500 Meter und 800 Meter hielten mehrere Jahre.
Pils & die Miss World
Während Böhm und Co. in den 80er-Jahren im städtischen Hallenbad ihre Längen zogen, sprang Erich Pils nebenbei gelegentlich ins Becken. Als Kind entschied er sich fürs Wasserspringen, sein Vater, Bademeister in Wilhelmsburg, konnte oft den Sprungturm für ihn freigeben. Maßgeblich Anteil an seinen Erfolgen trug die St. Pöltner Trainer-Legende Erhard Kellner. 1988 war das Duo – samt dem Salzburger Niki Stajkovic, heute Sportdirektor der Red Bull Cliff-Diving-Tour – in Seoul. Von Olympia waren sie schwer beeindruckt. Kellner freute sich, Tennisspielerin Steffi Graf zu erleben. Pils lernte zufällig die „Miss World oder Miss Universum, ich glaube sie kam aus Venezuela“ kennen und erfreute sich des Smalltalks mit ihr. Seine Leistung vom 3-Meter-Brett hingegen taugte ihm nicht ganz, die Reaktionen vom „Kurier“ noch weniger. „Mein Ziel war das Finale der besten zwölf. Das habe ich knapp nicht geschafft, weil ich von elf Sprüngen einen verhaut habe, und dann muss ich daheim lesen, dass außer Peter Seisenbacher, der Gold geholt hat, alle nur Touristen waren. Ähnlich wie bei dem Theater jetzt nach Olympia in London.“ Der heutige Sportkoordinator des BORG und der HASCH für Leistungssport möge sich nicht krämen. Sein Platz im Olymp der St. Pöltner Sportgeschichte ist ihm wie allen anderen Olympioniken ob ihrer großartigen Leistung auf ewig sicher!