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Youtube - train and gain

Text Thomas Winkelmüller Ausgabe 09/2017

Was so banale Dinge wie Fail-Compilations und Videos von Tierbabys hervorbringt, bietet mittlerweile die Plattform für eine Karriere und Einfluss auf junge Menschen wie sonst Weniges: Youtube. Aber wie funktioniert das?

Manuel Teufl macht sein Hobby zum Beruf. Heute trinkt er einen Cappuccino. Ob das in den Ernährungsplan passt? „Es geht“, meint Manuel schmunzelnd. Mit Instagram und Youtube möchte der 18-jährige Blogger, angehender Fitnesstrainer und Ernährungswissenschaftenstudent aus St. Pölten seine Lebensweise vermitteln. Das bedeutet für ihn: Andere motivieren und ihnen Tipps und Tricks in Sachen Ernährung und Training weitergeben. Rund 18.000 Instagram-Follower und nicht ganz 500 Youtube-Abonnenten schauen seine Videos, lesen seine Blogeinträge. Manuel hat sich damit eine Fanbasis geschaffen die wachsen kann.
Um das zu erreichen, ist seine Intermedialität entscheidend. Manuels wichtigstes Ziel ist es, Fans von Instagram auf seinen Youtube-Kanal zu bringen, um Videos zu schauen. Im Idealfall lassen sie gleich ein Abonnement da. Je mehr Social Media Kanäle er hat und regelmäßig benutzt, umso mehr Leute kann er auf seinen Channel leiten. Die Followerzahlen wachsen ab einem gewissen Punkt exponentiell. Wenn Manuel einen Namen auf der Plattform hat, werden seine Abo- und Klickzahlen in die Höhe schießen.

Money, Money und Trockenfrüchte
Sein Projekt ist außer einem Hobby vor allem eines: Business. Denn Geld verdienen muss er auch, zu zeitaufwendig und kostspielig ist die Arbeit. Mit 600 bis 700 Euro für eine Kamera und dem nötigen Equipment muss ein Einsteiger rechnen. Ein ordentliches Schnittprogramm kann dann noch einmal so viel kosten.
Manuel steht momentan noch am Anfang seiner Youtube-Karriere und verdient damit direkt noch kein Geld, Sponsoren und Käufer seiner Trainingspläne hat er dafür bereits. Da kann das Jahreseinkommen seines Projektes auch mal vierstellig werden. Trockenfrüchte und Supplements, also Nahrungsergänzungsmittel, bekommt er regelmäßig von seinen Förderern als Unterstützung. Diverse Unternehmen schicken ihm immer wieder ihre Produkte, um sie zu testen und zu bewerben, auch aus Amerika.
Seinen Kanal könnte Manuel zusätzlich noch monitorisieren, also Werbung auf seine Videos schalten, um Gewinn zu machen, das tut er aber noch nicht. Damit will er warten, bis ihm mehr Leute folgen. Pro tausend Views bzw. Klicks würde Manuel dann ein bis zwei Euro von seinen Werbepartnern bekommen, kein echtes Vermögen. Um 1.000 Euro zu verdienen, bräuchte er bis zu einer Million Aufrufe pro Monat, über solche Zahlen macht er sich bis jetzt aber noch keine Gedanken.
Momentan konzentriert er sich darauf seinen eigenen Stil für die Videos zu finden. Was kommt bei den Leuten gut an, wo bekommt er die meisten Klicks während er noch authentisch bleibt. Einsteiger in die Fitnessvloggerszene müssen sich heute irgendwie abheben, ihre eigene Richtung finden. „Fitnesskanäle gibt es einfach wie Sand am Meer“, gesteht sich Manuel ein. Zu viele mittelmäßig talentierte Muskelpakete haben schon versucht Geld auf Youtube zu machen, ein „How to Liegestütz-Video“ verspricht keinen großen Erfolg mehr. Manuel ist jedenfalls noch am Anfang seiner Suche. Bis jetzt lag sein Fokus auf Instagram, dort ist er zuhause und dort vernetzt er sich in der Fitness-Szene Österreichs.

One-Man-Job

Manchmal helfen ihm Leute aus dem Fitnessstudio beim Filmen seiner Übungen, im Endeffekt ist Youtuber aber ein One-Man-Job. Manuel ist Techniker, Modell, Marketing Manager und Regisseur seiner Videos gleichzeitig. „Viele Leute glauben, dass alles ganz einfach geht. Die meinen sie können sich einfach Follower kaufen und schnell einmal Sponsoren checken. Das ist natürlich Schwachsinn“, erzählt er gereizt und spült seinen Ärger mit einem Schluck Kaffee wieder runter.
Seit Jänner 2016 postet er jeden Tag ein Foto auf Instagram, verlinkt seine Blogeinträge und die Youtube-Videos. Damit gibt er auch seit über einem Jahr jeden Tag ein Stück seiner Privatsphäre preis. Noch hält sich das Ausmaß in Grenzen, mit der Bekanntheit wird sich das laufend ändern. „Manchmal geht mir das jetzt schon auf die Nerven, aber es muss dir wirklich egal sein, wenn du so etwas machen möchtest“, reflektiert Manuel, obwohl er sich hin und wieder schon komisch fühlt, wenn er mit nacktem Oberkörper posiert oder in der Öffentlichkeit mit einer Kamera spricht.
„Im Endeffekt bekommen die Bilder die meisten Reaktionen, auf denen man am wenigsten an hat und am besten ausschaut. Nur die Wenigsten lesen sich durch, was man zu sagen hat. Viele haben auch einfach nichts zu sagen“, weiß Manuel mittlerweile. Über die Oberflächlichkeit von Instagram, Youtube und Konsorten ist er sich bewusst. Als Fitnessblogger muss er einen trainierten Körper haben, so viel ist klar, aber ganz allgemein sollten Youtuber gut ausschauen oder zumindest einen Schmäh haben, um weiterzukommen.

Gesunde Gönnung

Manuels Aussehen war ihm früher wichtiger, heute trainiert er mehr auf Kraft, als für die Optik, und das sechs Mal die Woche. „Es ist gewissermaßen schon eine Sucht“, gibt er zu, Steroide oder Anabolika nimmt er trotzdem nicht. All seine Supplemente sind natürlich: Proteine, wie sie im Fleisch stecken und so grundlegend für die Ernährung sind wie Kohlenhydrate und Fette. Manuel braucht nur einfach mehr für den Muskelaufbau. Aus seinem Umfeld kennt er schon ein paar Leute die „stopfen“, also Steroide nehmen, auch im Studio in dem er trainiert: „Je breiter du bist, umso mehr Leute kaufen Sachen von dir, also da ist schon die Verlockung da.“
Seit er selbst auf Youtube und Co. aktiv ist, schaut er kaum noch andere Fitnessvlogs und wenn, dann amerikanische, sofern er die Zeit dafür findet. Als Inspiration dienen ihm die großen Fitness- und Ernährungs­youtuber nach wie vor, sie haben nur nicht mehr diesen gottgleichen Status in seinen Augen. Für viele Jugendliche sind sie wie Freunde, die sie jeden Tag sehen und mit ihnen reden, auch wenn es Monologe bleiben. „Wenn man reifer wird und selber in der Szene ist, dann himmelt man die nicht mehr so an“, erklärt Manuel. Auf die Video Con in St. Pölten wird er deshalb auch nicht gehen.
Ob er selbst jemals von seinen Videos wird leben können? Das steht noch in den Sternen. Für ihn heißt es jetzt jedenfalls einmal weiter Videos drehen, trainieren und studieren.


Youtube goes STP
Mit der „Influencer Video Con“ holt das Online Video Marketing Unternehmen diego5 studios gemeinsam mit spark7 am 30. September Youtube Stars ins St. Pöltner Warehouse. Seit über zwei Jahren arbeiten sie mit Social Media Größen aus Österreich zusammen und haben bereits letztes Jahr beschlossen, gemeinsam mit österreichischen Youtubern durch die Bundesländer zu touren, um ihre Fans kennenzulernen. In allen Bundeshauptstädten, außer Eisenstadt, werden sie Stopps einlegen, mit dem „Grand Finale“ in Wien. „Das Line Up stellen wir gerade noch zusammen, aber man darf Großes erwarten“, soviel verspricht Christoph Poropatits, Managing Director von diego5 studios einmal vorab. Für St. Pölten stehen die Auftritte bereits fest: Chaosflo44, Celina Blogsta, inspiredbyDzeni, Beatboxerfii, VeniCraft und viele mehr werden zwei Stunden auf der Bühne Fragen beantworten. Danach können die Besucher mit ihren Lieblingsyoutubern Selfies machen und sich Autogramme holen, laut Poropatits „vielleicht sogar ein persönliches Gespräch mit den Stars führen.“

Chaos in NÖ
Täglich, etwas nach 12 Uhr, setzen sich Tausende Jugendliche vor ihre Handys, Tabletts oder PCs. Warum? Weil Florian, besser bekannt als Chaosflo44, sein neues Minecraft Let’s Play auf Youtube hochgeladen hat. Nicht ganz 533 Millionen Videoaufrufe und über 955.000 Kanalabonnenten darf der 18-jährige Weinviertler sein Eigen nennen. So viel, um ein Bild von seiner Reichweite zu bekommen. Seit er 2009 seinen Kanal kreierte, hat sich für ihn vieles verändert. Florian ist jetzt österreichische Youtube Prominenz. Hundertausende Fans schauen ihm beim Spielen zu, passen auf, was er in seinen Videos erzählt - und das alles dank Youtube. Bei der Videocon ist Chaosflo44 Headliner.
www.youtube.com/user/Chaosflo44
www.videocon.at


How to Youtube
Abseits von Musik und lustigen Katzenvideos, um den Ottonormalverbraucher zu belustigen, bietet die Videoplattform Youtube noch einiges mehr für ihre User. Jeder kann seinen eigenen Kanal machen, Videos hochladen und Abonnenten und Klicks sammeln. Let’s Plays, Beauty- und Lifestylevideos, Vlogs über das eigene Leben – alles ist auf Youtube möglich, solange Leute die Richtlinien der Plattform einhalten. Ob Businesskanal oder doch lieber Videos von den Haustieren bleibt jedem frei.


 Manuels Seiten:
www.instagram.com/manuel.teufl
www.manuelteufl.com
www.youtube.com/channel/
UC95V1kFw8Wkj2x00pgMn3Rg
www.snapchat.com/add/menschquel