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St. Pöltens gute Seite

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Von der Garage in die Welt

Text Johannes Reichl Ausgabe 11/2017

Irgendwie ist es symptomatisch. Die Arbeit ist so intensiv, dass die St. Pöltner Eventfirma NXP auf große Feiern verzichtet hat – dabei gäbe es für die Inhaber Bernard & René Voak heuer gleich mehrere Anlässe: NXP wurde vor 25 Jahren gegründet, übrigens ebenso wie das VAZ St. Pölten, dessen Betriebsführung man vor 15 Jahren übernommen hat. Obendrein stieg man vor 20 Jahren im Musiccenter ein, und vor 10 Jahren wurde NXP Bowling aus der Taufe gehoben. Zeit, zumindest medial mit René Voak einen Rückblick zu halten.

Im Anfang war, so geht die Mär, eine Garage in der Mittelgasse in St. Pölten, wo ab dem Jahr 1992 ordentlich Krach gemacht wurde.
Naja, eigentlich wars der elterliche Keller – dort haben meine Brüder Bernard, Pierre und ich gemeinsam mit weiteren Bandmitgliedern die Musikgruppe Night-X-Press aus der Taufe gehoben. Das war zugleich auch unser Probenlokal. Mit der Band haben wir auf Bällen, Stadtfesten, Konzerten & Co. gespielt.

Und damit, wie es die Legende erzählt, die Grundlagen für NXP gebildet – wie ist das zugegangen?
In der Art, dass wir uns relativ früh Licht-  und Tonequipment angeschafft haben, um gute technische Voraussetzung gewährleisten zu können. Der unerwartete Nebeneffekt war, dass plötzlich andere Bands und Institutionen bei uns angeklopft haben, um sich ihrerseits nun von uns Equipment auszuborgen. Irgendwann erkannten wir sozusagen das Geschäftsmodell dahinter und gründeten offiziell NXP Ton & Licht, wenn man so will, die Mutter aller Schlachten.

Bei den Bands als Kunden ist es dann aber nicht geblieben.
(lacht) Nein, heute sind wir da schon breiter aufgestellt, beginnend bei der kleinen Firmenveranstaltung bis hin zum großen Musikfestival oder internationalen Sportevent.
Wir statten jährlich über 600 Veranstaltungen technisch aus, von Konzerttourneen – wie etwa zuletzt Al Bano & Romina Power oder The Clairvoyants – über Festivals wie das Beatpatrol Festival bis hin zu Sportevents à la Ironman. Dann gibt es natürlich noch zahlreiche Kongresse, Tagungen, Firmenevents, Bälle etc. Um es salopp zu formulieren – es gibt nichts, was wir nicht ausstatten können, von der kleinen Party bis hin zum Megaevent mit Flamejets, LED-Walls, Pyrotechnik & Co. Auch deshalb, weil unser Angebotsspektrum stetig gewachsen ist – mittlerweile sind wir ebenso im Messebau aktiv und betreiben einen eigenen Webshop, und solls „Bruchglas“ für eine Theaterbühne sein – bittesehr, auch damit können wir aufwarten. In Wahrheit sind wir heute ein Generalausstatter – das geht bis hin zur Dekoration, Bühnenvorhang und Messeteppich.

Für das VAZ St. Pölten, das NXP dann 2002 als privater Betreiber übernommen hat, war dieses technische Standbein von NXP wohl kein Nachteil, nehme ich an?
Ganz und gar nicht. Es war überhaupt erst die Grundvoraussetzung, dass wir uns das als Privatunternehmen zugetraut haben – immerhin haben die Vorgänger allesamt Schiffbruch erlitten und vergleichbare Häuser in Österreich werden in der Regel ausschließlich – ob nun direkt oder indirekt – von der Öffentlichen Hand getragen, bis hin zum Personal. Wir haben aber einfach den Vorteil – und das hat uns relativ rasch auch zum aktiven Veranstalter werden lassen – dass wir drei wichtige Säulen vereinen können, die sonst jeweils für sich einzelne, recht teure Budgetposten darstellen: Das technische Equipment, die Location und das Management-Know-how samt Marketing & Co.

Know-how gerade auch im Kultursektor – Sie sind ja „gelernter“ Kultur-, Kunst und Medienmanager, haben in Linz, Salzburg und Chicago studiert.

Ja, ich hab das Metier, wie man so schön sagt, von der Pieke auf gelernt und konnte über Jahre, lange Zeit auch als Leiter des städtischen Jugend-, Kultur- und Veranstaltungsmanagements, ein solides Netzwerk aufbauen. Das hat uns bei der Programmierung des VAZ St. Pölten und bei allen weiteren Projekten natürlich geholfen, ebenso die unglaubliche Kompetenz meines Bruders Bernard in allen technischen Belangen.

Als ihr das VAZ übernommen habt, war das ja eher ein klassisches Messezentrum mit wenigen Konzerten. Unter NXP ist das dann geradezu erblüht – heut kommen über 500.000 Besucher pro Jahr, auch weil ihr immer wieder die Crème de la Crème nach St. Pölten lotsen könnt. Das fällt einem augenscheinlich auf, wenn man sich bei euch im Foyer die Künstler anschaut, die schon alle da waren.

Dabei ist das ja nur ein klitzekleiner repräsentativer Ausschnitt. Aber es ist tatsächlich bemerkenswert. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, wer schon aller da war. Es gibt natürlich persönliche Highlights wie etwa OTTO, den ich als Kind geliebt habe, und plötzlich spielt er bei uns im Haus. So ist es mir auch mit Gilbert O’Sullivan oder The Who ergangen – das waren schlicht Helden meiner Jugendzeit. Und nehmen wir all die aktuellen Megastars, die hier schon Station gemacht haben – Foo Fighters, Tote Hosen, Mumford & Sons, Steve Aoki, Lenny Kravitz, Avicii, Radiohead.  In anderen Genres etwa Lord Of The Dance, die Shaolin Mönche. All die österreichischen Künstler und Größen, von Ambros und Fendrich über Georg Danzer bis zu Niavarani oder Otto Schenk … es ist unmöglich, alle anzuführen. Wir haben schon so viel realisieren können …

Wobei, wenn man sich die History von NXP anschaut, nicht alles von Bestand war: Man war z.B. am House Of Riddim Studio beteiligt, es gab den Melting Pot, die Pielachtaler Seensucht, das Riverside Festival etc. Die sind irgendwann wieder im Äther verschwunden.

Ja, weil das der Gang der Zeit ist – Veränderung gehört dazu, gerade in einem Business wie unserem. Manches hatte sozusagen einfach seine „Zeit“, war eine Zeit lang ein Erfolg und kam dann irgendwann aus der Mode – so war das etwa im Fall des Melting Pot, wobei ich da niemals nie sagen würde. Anderes, wenn ich etwa an Sam Gillys House Of Riddim Tonstudio oder Hermann Rauschmayrs openblend Filmproduktion denke, konnte nach einem gemeinsamen Aufbau und Weg von den Masterminds selbst ausgezeichnet und erfolgreich weiterbetrieben werden. Wieder anderes hat schlichtweg nicht funktioniert und wurde aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, da würde ich zum Beispiel die Pielachtaler Seensucht dazu zählen, wo nichtsdestotrotz immerhin Coldplay ihr erstes Österreich Debut gegeben haben.
Tatsächlich will ich aber keine einzige dieser Erfahrungen missen. Letztlich hat uns alles, selbst das, was ein vermeintlicher Misserfolg war, weitergebracht und zählt zu schönen Erinnerungen – wenn ich etwa an den Circus Roncalli denke, der über eine Woche lang gemeinsam mit der Kelly Family bei uns gastiert hat, wo in der Loge Roncalli Gründer Bernhard Paul und Manfred Deix gemeinsam herumgeblödelt haben. Das war schon großartig – wenngleich finanziell weniger.

Deix brachte das VAZ ja sogar einmal in die deutschen Schlagzeilen, als er im von hier aus übertragenen Musikantenstadl den Stinkefinger in die Kamera zeigte.
Das war schon witzig, wie leicht man da quasi nur auf einen Knopf drücken brauchte, um die Aufgeregtheits-Maschinerie anzuwerfen. Deix hat das gewusst und damit gespielt – uns hat es eben in die Schlagzeilen gebracht – aber wer kannte in Deutschland schon vorher das VAZ (lacht).

Deix hat euch aber auch ein Geschenk gemacht. So hat er für das MFG-Magazin, das 2004 von NXP aus der Taufe gehoben wurde, einmal ein Cover gezeichnet.
Ja, auf dem er auch – einmal mehr mit diesem schelmischen Augenzwinkern – gegen St. Pölten, seine Heimatstadt, gestänkert hat. Aber auf liebevolle Weise. Das war schon eine große Ehre.

Das MFG hat sich ja auch fix etabliert – und Sie und Ihren Bruder in einer neuen Rolle, nämlich jener des Herausgebers, gezeigt.
Die in dieser Form auch gar nicht geplant war – im Grunde hatten wir ja ein VAZ-Kundenmagazin im Sinn. Das MFG hat sich dann aber in gewisser Weise selbst emanzipiert und, was natürlich auch mit den dahinterstehenden Protagonisten zu tun hatte, zu Niederösterreichs erstem Urbanmagazin entwickelt. Irgendwie schien die Zeit reif für ein richtiges kritisches Magazin, das eben nicht nur – und das war zu seiner Gründungszeit 2004 noch die Regel – schwarz-weiß malt, sondern eben versucht, die möglicherweise vielen Seiten einer vermeintlichen Wahrheit bzw. Sache zu beleuchten – so eindeutig sind die Zustände nämlich oft eben nicht.
Da haben wir die Medienlandschaft sicher bunter gemacht, auch die Hauptstadtregion insgesamt, bzw. haben wir mitgeholfen, die hier existierende Buntheit und Vielfalt auch sichtbarer zu machen.

Wobei NXP ja mit der Eröffnung des Bowlingcenters 2007, also genau vor 10 Jahren, sowie drei Jahre später mit dem Lasertron auch auf anderer Ebene für bunte Akzente gesorgt hat.

Das hatte auch in der Stadt irgendwie gefehlt. Beide Ideen habe ich aus den USA mitgebracht. Mir hat das einfach immer selbst getaugt, und im Falle von Bowling dachte ich mir, warum gibt es eigentlich schon ein paar Bahnen in unmittelbarer Nachbarschaft, aber in der Hauptstadt selbst nicht – das kann ja nicht sein.
Bei Lasertron war der Blickwinkel dann ein noch größerer, denn den Cybersport gab es zu der Zeit in ganz Österreich noch nicht. Das haben wir geändert – mit St. Pölten als erstem Standort, dem mittlerweile weitere in Graz und Linz nachgefolgt sind.

Um bei bunt zu bleiben und einen Abstecher ins Private zu machen. Vor knapp zwei Jahren wurde Ihr Sohn Emil geboren. Wie geht das zusammen – Arbeit und Familie?

Da geht es mir wie jedem Unternehmer – man ist hin und her gerissen. Der Witz: „Was ist ein Selbständiger? Ein Mensch, der selbst und ständig arbeitet“ – der hat schon was, leider.
Aber im Ernst, natürlich muss man aufpassen, dass man alles sinnvoll unter einen Hut bringt. Es geht immer auch um Verantwortung, der Familie gegenüber, ebenso aber auch den – bei uns mittlerweile – rund 80 Fixangestellten. Übers Jahr betrachtet haben wir zudem rund 400 fallweise Angestellte. Das lastet manchmal schon auf den Schultern.
Ich danke da wirklich meiner Frau Sandra von ganzem Herzen für ihr Verständnis und ihre Rücksicht. Das ist nicht immer leicht, das weiß ich sehr wohl, aber sie unterstützt mich großartig. Und das Leben ist mit so einem süßen Zwerg und so einer großartigen Frau natürlich einfach magisch, da bin ich wirklich sehr dankbar.

Magisch ist ein gutes Stichwort für ein anderes „Baby“, jetzt wieder eines von NXP: Sie haben vor gut zwei Jahren die Zusammenarbeit mit den beiden Weltmeistern der Mentalmagie Thommy Ten & Amélie van Tass gestartet, das Management übernommen und heuer eine komplett ausverkaufte Österreich-Tournee auf die Beine gestellt.

Was mit solchen Künstlern auch eine große Freude ist. Die beiden sind schlicht großartig. So talentiert und professionell – und seit sie 2016 den 2. Platz bei der weltgrößten Castingshow der Welt „America’s Got Talent“ errungen haben, gehen sie regelrecht durch die Decke.
Was an der Sache bemerkenswert ist – auch im Konnex mit dem VAZ und St. Pölten – ist schlicht der Umstand, was hier möglich ist bzw. was von hier aus seinen Ausgang nimmt. Im VAZ hatten wir die erste große abendfüllende Show von Thommy & Amélie, das war 2015, und daraus ist dann eine Partnerschaft, ja Freundschaft entstanden. Wir haben die ganze Show gemeinsam produziert und verkaufen sie mittlerweile auch in andere europäische Länder – alles made in STP, bis zu den Künstlern, wenn man so möchte, denn Thommy und Amélie wurden in St. Pölten geboren. Heute sind sie Weltstars, das ist schon bemerkenswert für eine kleine Stadt wie St. Pölten.

Wie auch Camo & Krooked im Bereich Drum’n‘Bass, die auf den größten Festivals der Welt spielen, zuletzt auch beim Beatpatrol Festival zu Gast waren.
Ja, weil auch die beiden ganz persönliche Bande zum Haus haben – die sind sich zum ersten Mal im Warehouse im VAZ über den Weg gelaufen. Das ist die Wiege ihrer Zusammenarbeit, ebenso wie dort zum Beispiel auch die Geburtsstunde von Urban Art Forms war, das Christian Lakatos in weiterer Folge zu einer starken Marke aufgebaut hat.
Norbert Bauer, der Chef des Warehouse, wiederum hat hier zahlreiche Festivalformate entwickelt, vom Nuke bis hin zum Beatpatrol Festival. Und man darf schon stolz sein, dass St. Pölten heute Standort von Festivals wie dem Frequency und Beatpatrol ist oder in Vergangenheit auch von Nuke und Lovely Days war, und Ö3 diesbezüglich einmal – völlig zurecht – von St. Pölten als „Nabel der Rockwelt“ gesprochen hat. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Ist damit eigentlich schon die Spitze der Fahnenstange erreicht, also so unter dem Gesichtspunkt: Besser geht’s nicht mehr.

Das hoffe ich nicht – und glaube ich auch nicht. Es kommt immer irgendetwas Neues daher – von außen, ebenso auch von innen. Wer weiß, was uns noch alles einfällt (lacht). Die Voraussetzungen für eine positive Weiterentwicklung im VAZ wurden ja gerade von der Stadt gemeinsam, was ein Novum darstellt, mit dem Land Niederösterreich auf Schiene gebracht, die  gemeinsam rund sieben  Millionen Euro in die Infrastruktur des VAZ investieren. Damit wird das Haus noch attraktiver – für Gäste wie für Veranstalter. So wird der Foyerbereich samt Kassensituation komplett neu gestaltet, das Restaurant übersiedelt nach vorne, wo ein Bistro entsteht, und die Halle B wird im Bühnenbereich auf 15 m erhöht, was uns im übertragenen Sinne auch veranstaltungstechnisch in eine höhere Liga hievt – bisher konnten manche Großproduktionen, die gerne gekommen wären, aufgrund der zu niedrigen Bühnenhöhe schlicht nicht umgesetzt werden. Das wird nun bald der Vergangenheit angehören – man darf sich also noch auf viele schöne, weitere Momente bei uns im VAZ St. Pölten freuen. Es bleibt spannend!


DIE NXP HISTORY
1992         Night-X-Press (Musikgruppe)
1995         NXP Ton & Licht
1997         Music Center Voak & Brandstetter (Musikhandel)
2000-2007     House Of Riddim Tonstudio (Sam Gilly)
2002         VAZ St. Pölten
2002-2012     Melting Pot
2004        MFG – Das Magazin
2004         Warehouse Live Music Club (Norbert Bauer)
2005-2009     Pielachtaler Sehnsucht (Seebühne)
2007-2010    Riverside Festival
2007         NXP Bowling
2007-2016     Openblend Mediahaus (Hermann Rauschmayr)
2007         Oldtimer- und Teilemarkt
2009         Beatpatrol Festival
2010         LASERTRON St. Pölten
2013         LASERTRON Graz
2013        Mittelalterspektakel
2015         LASERTRON Linz
2015         Producer & Management The Clairvoyants - Thommy Ten & Amélie van Tass

AUSZEICHNUNGEN
2016    THE CLAIRVOYANTS – Stage Magicians of the Year, Journalismuspreis von unten
2015/16    Best-evaluierte Lehrveranstaltung FH STP
2014/15    Best-evaluierte Lehrveranstaltung FH STP
2012    Innovativste Idee, VCÖ-Mobilitätspreis NÖ, Nominierung Trigos NÖ
2011    Golden Ticket, KLIMA:AKTIV 2011,
2010    Gewinn Jungunternehmer, Goldener Hahn, Event Design Award, Silberner Hahn
2009    Werbehahn
2004    Gewinn Jungunternehmer