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St. Pöltens gute Seite

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Unterbelichtet

Text Christoph Wagner Ausgabe 12/2005

Im Fußball bleiben aus patriotischer Sicht die Erfolge aus, und das Spiel ist auch sonst kaum zum Anschauen. Nicht anschauen ist keine Lösung, also werden die Dinge rund ums Spiel interessant. Und so sitzt der österreichische Fußballfan vor dem heimischen Fernseher und bejubelt die sprachlichen Stilblüten der Kommentatoren wie Torerfolge. (Vorsicht vor der oft gelobten Nüchternheit und Objektivität der deutschen Sportreporter! Da könnte man gleich abdrehen und ein Buch lesen.)

Momentan ist es ja besonders bitter: Rapid ist international gesehen grün hinter den Ohren, und für die letzten WM-Tickets durfte sich unser Team gar nicht anstellen. In so einer tristen Situation passiert es, dass man sich eine Sprachtheorie zum beliebten Fall Herbert Prohaska ausdenkt. Wobei er zu Unrecht als Retter des Dativs gilt. Er pflegt auch den Akkusativ, nur sticht der nicht so ins Ohr.

Die Theorie geht so: Es scheitert an der Übersetzung des Wiener Dialekts in die Hochsprache. Beispiele für den Dativ: Aus einem „I hätt eam eigwexlt“ wird ein „Ich hätte ihm eingewechselt“. „Er schiebt ihm aufs Tor“ heißt in der Muttersprache Prohaskas „Er schiabt eam aufs Toa.“ Beim Akkusativ dasselbe Prinzip: Wenn das Spiel „auf an sea guadn Niwo“ steht, wird daraus „auf einen sehr guten Niveau“. Und „rutscht er den Torhüter durch die Beine“ dann ist die Umwandlung von „rutscht n`Goli duach d´Fiaß“ nur fast geglückt.

Ob irgendwann das Spiel selber wieder interessant wird? Vielleicht sollte ich mal wieder beim SKN vorbei schauen. Da läuft es sportlich und zu hören bekommt man sicher auch einiges.