MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Facebook Twitter

Überleben am Luggauerweg 9

Text Thomas Schöpf Ausgabe 06/2017

Samstag Abstiegskampf mit Harland, Sonntag Aufstiegskampf mit Wolfratshausen. Das Tennisleben des viertbesten Niederösterreichers Markus Sedletzky – nur die Gebrüder Melzer und Lucas Miedler rangieren vor ihm – ist kein Honigschlecken.

Können wir es bitte im Schatten machen“, schnauft der frisch geduschte Markus Sedletzky. Der 29-Jährige schnappt sich einen Gartensessel, kippt dabei fast um und setzt sich unter einem kleinen Partyzelt gleich neben dem Zweier-Platz des TC Harland am Luggauerweg 9 nieder und ist bereit für das Gespräch mit dem MFG. Von den knapp 100 Zuschauern ist eine halbe Stunde nach Spielende noch ein knappes Dutzend anwesend (Familienangehörige ausgenommen). Das Bundesliga-Heimspiel gegen den TC Scheibbs – mit vier Legionären, einem Tiroler und einem Oberösterreicher in seinen Reihen - ist unglücklich gelaufen. Harlands Kapitän Sedletzky und Co. verlieren 2:7. Eine 3:6-Niederlage wäre schon hilfreich gewesen, denn da hätten sie wenigstens einen Punkt für die Meisterschaftstabelle mitgenommen, so keinen. Die Frage nach dem Empfinden nach der Niederlage im Einser-Doppel an der Seite von Marek Jaloviec (TCH) mit 14:16 im entscheidenden Tie-Break beantwortet der St. Pöltner so: „Nein. Das kannst nicht drucken.“
Sedletzky war der bessere Spieler im sogenannten „Einser-Doppel“, Jaloviec hat die entscheidende Vorhand im Tie-Break knapp hinter dem Netz stehend versemmelt. „Die, die am meisten kriegen, haben meistens die schwerste Hand“, stellte jemand aus dem Publikum fest. Harland hat alle drei Doppel knapp verloren. „Wir haben uns tapfer geschlagen“, analysiert Sedletzky nach einem Schluck vom wohlverdienten Radler einwandfrei druckreif, während die anderen Spieler bereits Spaghetti essen, „und kämpfen munter weiter.“
Für Harland geht es als Aufsteiger ausschließlich um den Klassenerhalt, oder, wie Sedletzky es formuliert „ums Überleben“. Papa Dietmar hat neun Legionäre gekeilt, von denen in aller Regel zwei einlaufen. Je nachdem, wer gerade Zeit hat. Es kann also beispielsweise sein, dass ein Georgier am Donnerstag in der Qualifikation der French Open in Paris scheitert und am Samstag für Harland das Racket schwingt. Sedletzky – der in der Österreichischen Rangliste auf Platz 16 liegt –  läuft meist als Dritter ein. Hinter ihm dann nur mehr junge Österreicher und gelegentlich mit Doppel-Spezialist Alexander Bilcik (31 Jahre) noch ein St. Pöltner. Stolz ist Sedletzky Junior vor allem auf Bernie Schranz (18), den er seit zwei Monaten selbst betreut: „Er entwickelt sich enorm.“ Am liebsten trainiert er aber „motivierte Kinder.“ Selbst sollte er derzeit wegen eines überdehnten Syndesmosebands im linken Knöchel gar nicht spielen: „Eine lange Pause ist aber derzeit keine Option.“
Während Papa Dietmar (Obmann), Mama Gertrude und Freundin Nicole schon mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind, Grillmeister Martin Biber (Kassier-Stellvertreter) die Schürze ablegt und die zahlreichen anderen freiwilligen Helfer ans Nachhausefahren denken, denkt Sedletzky schon an die nächste Partie: „Ich muss jetzt gleich nach Bayern fahren.“ Samstags spielt er für Harland, Sonntags für Wolfratshausen. „Da geht es um den Aufstieg in die Regionalliga.“ Was ihm lieber ist? „Es ist beides sehr schön. Mit dem Herz bin ich natürlich hier, aber dort kann ich entspannt Tennis spielen. Hier bin ich Kapitän und schau auch so immer etwas darauf, dass alles passt. Dort brauch’ ich mich um nichts kümmern. Wenn ich das Frühstück im Hotel gegessen habe, gibt’s nur mehr eines zu erledigen, Tennis zu spielen.“ Wir verabschieden uns und Nicole freut sich sichtlich, dass sie ihren Freund an diesem Wochenende auch noch einige Minuten für sich hat, ehe jener mit Schranz nach Deutschland weiter düst. Dort feierte das österreichische Legionärsduo dann einen 5:4-Auswärtssieg bei GW Luitpoldpark München und erobert mit dem TC Wolfratshausen die Tabellenführung in der Bayern-Liga. Sedletzky gewann im Einzel und im Doppel. ÖTV-Turniere spielt er erst wieder in einigen Wochen. Wenn es das Syndesmoseband zulässt.