MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Facebook Twitter

Über Kreuzungen ins Natterstal

Text Michael Reibnagel Ausgabe 09/2017

Harry Stöckl gilt vielen als einer der besten Gitarristen der Stadt. Und vermutlich wohl auch als einer der umtriebigsten.

Angefangen hat dabei alles ganz „klassisch“. Schon von kleinauf hat Harry Musik interessiert, was wohl auch dem musikalischen Umfeld geschuldet ist: So hat er sich am elterlichen CD-Player Queen und Deep Purple reingezogen, bis ihm Papa Franz, selbst begnadeter Gitarrist und Songwriter, die ersten Akkorde gezeigt hat. Freilich nicht, wie man es „kindgerecht“ vielleicht vermutete an der akustischen Gitarre, sondern – und dies sollte sich nicht mehr ändern – gleich auf der E-Gitarre. Logisch, dass eine solche alsbald für den Junior gekauft wurde, der dann mit zarten 16 Jahren schließlich erstmals – gemeinsam mit Papa Franz – mit der Band Crossroads auf der Bühne stand.

Man muss auch auf ein Bier gehen
Es folgten unzählige weitere Bands wie z.B. Batland, Regency, Chapter Two bzw. Herzkohle, Mighty Ganesha, No Idea (ebenfalls gemeinsam mit Papa Franz), Almost Purple, das Damian Murdoch Trio, wo ich Bass gespielt habe, aber auch die Spaßrockformation Aids. In wie vielen Projekten Harry tatsächlich aktiv war, kann man heute gar nicht mehr so genau sagen. „Bei der Ausstellung vom Matzl Wolfgang (Anm. „Vom  Fünf-Uhr-Tee zum Frequency“) war ich auf 20 Plakaten drauf“, schmunzelt Stöckl.
Dass Harry Stöckl im Laufe seiner Karriere schon mit praktisch allen namhaften Musikern der Stadt (und rundherum) gemeinsam gespielt hat, versteht sich von selbst, wobei er im Hinblick auf den Zugang als durchaus – im positiven Sinne – old school bezeichnet werden könnte. Stöckl hat gern seine Mitmusiker um sich, gemeinsames Arrangieren etwa über das Internet sind seine Sache nicht. „Bei einer Band geht es mir ja nicht nur um das Musikmachen an sich. Man trifft sich vielmehr auch mit Freunden, und es muss auch Spaß machen! Übers Internet macht das für mich daher keinen Sinn. Es ist auch wichtig, dass man sich mal auf ein Bier trifft!“
Und wer sind aktuell seine Lieblingsmusiker bzw. mit wem arbeitet er aktuell am liebsten zusammen? Da fallen drei nicht minder stadtbekannte Namen: Martin Rotheneder, Gerald Schaffhauser und Benjamin Zissler.
Rotheneder hat er beispielsweise bei dessen Projekt Ben Martin unterstützt, im Vorjahr stand er mit ihm zudem beim großen BORG „Hair“-Revival gemeinsam auf der Bühne. Die beiden anderen Herren bilden gemeinsam mit Harry seine aktuelle Band, die auf den Namen „Nattastoy“ hört. Schaffhauser ist dabei, wie sollte es anders sein, am Bass zu hören, Zissler werkt am Schlagzeug. Der Name, der auf den ersten Blick hin vielleicht etwas ungewöhnlich anmutet, beschreibt Harry Stöckls Wurzeln. Es ist die Mundartschreibweise des Natterstals und zugleich natürlich eine Spielerei mit dem englischen Wort „toy“. Ein Name, der jedenfalls hängen bleibt.

Nattastoy

Nattastoy ist die erste Band, bei der Harry alles alleine macht, wenngleich die Kollegen – beide exzellente Musiker – natürlich auch Inputs liefern. „Es war aber von Anfang an klar, dass es in dieser Band keinen Streit geben wird, da jeder weiß, dass die endgültigen Entscheidungen, die Songs betreffend, immer von mir kommen“, erklärt Harry. Das macht die ganze Arbeit am Projekt Nattastoy überraschenderweise sehr angenehem für alle Beteiligten. „Musikalisch sind wir drei uns eigentlich immer einig. Manche Ideen, die ich Gerald und Benjamin vorgespielt habe, haben ihnen nicht gefallen und auch ich bin dann draufgekommen, dass sie wirklich nicht gut waren“, so Harry weiter.
Vor kurzem waren die drei in Sam Gillys House Of Riddim Studio, um ihr erstes Album gemeinsam aufzunehmen, das voraussichtlich im Frühjahr 2018 erscheint. Genremäßig kann man es wohl am ehesten als Mundartrock bezeichnen, es wird jedenfalls spannend.
Neben all den Projekten als aktiver Musiker gibt Harry zudem Gitarre-Unterricht, wobei er in den letzten Jahren eine negative Entwicklung ausmacht. „Von 20 Schülern, die anfangen, werden vielleicht drei professionelle Musiker und spielen in einer Band.“ Ein Grund mag sein, dass viele E-Gitarre zwar cool finden, alsbald aber erkennen, dass man verdammt viel üben muss, um das Instrument wirklich gut zu beherrschen.
Um an Harrys Level nur annähernd ranzukommen, ist dies definitiv der Fall. Wer sich selbst ein Bild vom Können des St. Pöltners machen möchte, dem sei ein Konzert von „Nattastoy“ oder einem seiner anderen Projekte wärmstens ans Herz gelegt!


CROSSROADS
Seit 1997 sind Harry Stöckl und sein Vater Franz gemeinsam mit wechselnden Mitmusikern unter dem Namen Crossroads musikalisch aktiv. Alle Nummern – abgesehen von diversen Covers – wurden dabei von Franz geschrieben. Im Rahmen des 20-Jahr-Jubiläums gibt es heuer etwas ganz Besonderes: Ein Best-Of-Album. Aufgenommen und herausgebracht bereits 2006, erscheint es heuer auf Vinyl und klingt besser als auf CD. Beziehen kann man das Album mit einem neuen Cover von Ian Mellish, das einige Texte der Band zeigt, direkt bei Franz Stöckl unter franz.stoeckl@kstp.at