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Skifahren im Hochsommer

Text Christina Bauer Ausgabe 09/2018

„Skifahren ohne Schnee? Für viele unvorstellbar, für uns nicht mehr wegzudenken“, sagt einer, der es wissen muss: Sebastian Posch, Schüler des Sportleistungszentrums St. Pölten, das seit 2017 auch eine Sparte „Grasski“ führt.

Der Grasskilauf wurde anno dazumal im schwäbischen Geislingen/Steige bei Stuttgart erfunden, um den Skirennläufern auch in den Sommermonaten optimale Trainingsbedingungen zu ermöglichen. Trotz Anerkennung als eigene Sportart im Jahr 1978 und starker Ähnlichkeit zum alpinen Winterpendant, ist Grasski aber bis heute eher „exotisch“ geblieben. Freilich nicht so sehr, dass nicht der Landesskiverband Nieder­österreich ein eigenes Referat Grasski führen würde. „Durch die beiden Vereine BSV Voith St. Pölten und WSV Traisen Ski haben wir mit dem Trainingszentrum Schwarzenbach die besten Voraussetzungen zum permanenten Grasskitraining!“, verrät Leiter Reinhard Zickbauer, dessen Athleten schon großartige internationale Erfolge einfahren konnten. So finden sich darunter die Weltmeister Klaus Spinka, Christian Balek und Ingrid Hirschhofer sowie die Juniorenweltmeister Sascha Posch und Daniela Krückel. Um auch in Zukunft dieses Level halten zu können, wurde im September 2017 im Sportleistungszentrum St. Pölten (SLZ) – quasi mitten im Flachland – die neue Sparte „Grasski“ etabliert!
„Das SLZ ist ein absoluter Meilenstein“, unterstreicht NÖ-Nachwuchstrainer und Ausbildungsleiter Hannes Posch. „Derzeit sind wir in Niederösterreich sehr gut mit dem Nachwuchs im Grasskifahren aufgestellt. Insgesamt neun Athleten waren heuer international erfolgreich.“ Um weiterhin für Nachwuchs zu sorgen, sei es auch wichtig, in der Breite möglichst viele Jugendliche an Bord zu holen. „Ab Herbst werden zwei weitere Athleten im SLZ St. Pölten in der Sparte Grasski starten. Vom Landes­skiverband Niederösterreich werden zweimal wöchentlich Trainings ermöglicht, wo man auch jederzeit ‚hineinschnuppern‘ kann“, freut sich der Nachwuchscoach auf weitere Interessierte.
Als erster Schüler trat 2017 der heute 16-jährige Böheimkirchner Sebastian Posch (siehe Bild) in die SLZ-Sparte „Grasski“ ein. Den Unterschied zum alpinen Schifahren umreißt er so: „Von der Technik und der Ausrüstung her ist alles gleich. Lediglich die Skier sind kürzer und mit Rollen gebaut.“
Sebastian Posch ist seit seiner Kindheit begeisterter Skifahrer. Ab dem zehnten Lebensjahr besuchte er die Michaela Dorfmeister Skimittelschule in Lilienfeld. Sein damaliger Trainer Klaus Spinka war vielfacher Weltmeister im Grasski und legte daher im Sommer viel Wert auf diese Sportart. Dadurch wurde Sebastians Leidenschaft für die doch eher „außergewöhnliche“ Sportart geweckt, und er blieb sozusagen „picken“. Nach Abschluss der Skimittelschule  schrieb er sich im SLZ St. Pölten ein, um die Sommersportart weiter zu betreiben. Dort ist intensives Training an der Tagesordnung: Neben den 23 Unterrichtsstunden trainiert Sebastian dreimal wöchentlich vormittags – davon zweimal mit seinem Spartentrainer Hannes Posch und einmal mit der ganzen Klasse. Dazu kommen wöchentlich fünf Nachmittags-Trainingseinheiten, wobei hier der Fokus auf Ausdauer-, Kraft-, Schnelligkeit-, Sprungkraft- und Grasskitraining gelegt wird. Durch seine Ausdauer und seinen Ehrgeiz hat Sebastian schon erste Erfolge eingeheimst. „Mein bisher größter war der österreichische Meistertitel in der Super-Kombination. In Zukunft möchte ich gerne an die Weltelite anschließen und würde mich über Top 10 Platzierungen bei der nächsten Junioren-Weltmeisterschaft freuen!“
Warum Grasski in der Skination Österreich dennoch bis heute ein Minderheitenprogramm geblieben ist, erklärt sich Sebastian so. „Grasski kann nicht in der ‚Masse‘ wie alpines Skifahren ausgeübt werden. Man kann nicht rutschen, und durch das Bremsen zum Hang hin wird viel Auslauf und Platz benötigt. In ganz Österreich gibt es derzeit auch nur fünf Gebiete, wo diese Sportart bestrieben werden kann. Zudem sind die Ski Handarbeit und keine Massenprodukt, weshalb man sie auch nicht einfach so im Sportgeschäft bekommt.“
In Niederösterreich steht der Gras­skielite und dem Nachwuchs lediglich ein Hügel zur Verfügung. „Etwas abseits, nämlich in Schwarzenbach bei St. Veit, konnten wir einen kleinen Hang mit Lift für unsere Trainingseinheiten in Beschlag nehmen, dort werden neben dem Training auch einmal jährlich internationale Rennen abgehalten“, erklärt Hannes Posch.
Alles eben ein bisserl „exotisch“. Und so passt es ganz gut, dass sich das vermeintlich flache St. Pölten und nicht ein hochalpines Dorf gerade zur Grasski-Hochburg entwickelt.



"Mein bisher größter Erfolg war der österreichische Meistertitel in der Super-Kombination." Sebastian Posch