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meine Bettler

Text Herbert „Hebi“ Binder Ausgabe 09/2016


Haydn, Mozart, Brahms komponierten „alla zingarese“, desgleichen Ohrwurmzüchter wie Bizet oder Johann Strauss. Noch in unseren  Menüs findet sich sprachpolitisch höchst Unkorrektes aus dem Gipsy-Milieu. Ging’s den Roma und Sinti vielleicht gar besser, als man sie noch Zigeuner nennen durfte? Als man noch staunenden  Respekt vor ihrer Ethnie hatte? Einiges hat sich da verändert in den letzten 150 Jahren. Nicht erst in den mörderischen „tausend Jahren“ mittendrin.
Da schwärmen sie nun aus, „malerisch verlumpt“ (Raimund, Verschwender) an die strategischen Punkte unser Shoppingmeilen und werden den einen zur Belästigung, den anderen zur Mahnung und manchen auch zum Mitmenschen.
Auf den Nerv gehen mir persönlich die gesunden jungen Männer ohne jeglichen Beschäftigungsehrgeiz, wenn sie vor mir knien. Schwermütig stimmen mich jene im Clownskostüm - Ridi, pagliaccio. Lache, Bajazzo … Und ein heiliger Zorn befällt mich, wenn ich gegen Mittag smarte junge Roma die armen Mutterln abkassieren sehe, die seit der Früh bei jedem Wetter in der Kremser Gasse für sie auf dem Boden sitzen.
Aber ich hab auch „meine“ Bettler: Den stillen, alten Herrn etwa an der Ecke Marktgasse/Rathausplatz. Aus Wien reist er, von der Schwermut her passend in die Welt Joseph Roths , täglich an. Inzwischen kennen wir einander, wiewohl seinem Murmeln kaum ein deutsches Wort zu entnehmen ist. Aber wir grüßen uns.
Kreuzfidel ist dafür mein Zweiter. Den ganzen Tag über. Der Sunnyboy am Scharfen Eck. Augustin nennen ihn die Leute. Aber er möchte entgegen aller Correctness „Coffee“ genannt werden. Zigeuner ist der keiner, nur ein solcher im österreichischen Idiom halt – ein Hallodri, dem man nicht bös sein kann.