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St. Pöltens gute Seite

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Lady Cupcake

Text Althea Müller Ausgabe 12/2012

Mit dem "we love cakes"-Shop in der St. Pöltner Innenstadt hat sich Claudia Lang (29) einen Traum erfüllt: Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie eine süße Fantasie Gestalt annehmen lassen und erfreut ihre Kunden mit täglich frischen Kreationen von Cupcakes bis Torten. Wir sprachen mit ihr über das lecker duftende, rosarote Zauberland in der Marktgasse.

Welche Ausbildung und Erfahrung hast du für dein Geschäft mitgebracht?
Ich habe schon immer gerne gebacken, beruflich komme ich aber aus einer ganz anderen Schiene, war eigentlich im Büro. Um meine Liebe zum Beruf zu machen, war ich dann bei der Konditorinnung in Wien – das ist ein sehr langer Prozess. Als Nicht-Konditorin musst du vorsprechen, live vorbacken und so beweisen, dass du bereit für die Meisterprüfung bist. Nach Gesprächen und Kurs schließt man mit einer dreitägigen Prüfung ab. Und ganz ehrlich: Ich habe noch nie etwas Schwierigeres gemacht. Außerdem war ich zu der Zeit gerade mit Hannah schwanger.

Respekt. Wie kam es in weiterer Folge zu we love cakes?
Gewünscht habe ich mir dieses Geschäft ja sicher schon fünf Jahre lang. Mein Mann und ich waren ein gutes Jahrzehnt weg von St. Pölten, wo ich geboren wurde – wir waren in Amerika, München, Wien. Aber ich habe immer gesagt, wenn ich mal eine Familie, Kinder habe, komme ich dorthin zurück. So haben wir einen Vierkant­hof von meinem Papa ausgebaut und sind hergezogen.

Apropos Papa: Was hat er denn gesagt zu eurer Geschäftsidee?
Anfangs hat er gar nicht so toll reagiert, hat, glaub ich, Angst gehabt, war eher skeptisch, aber das war ja nachvollziehbar: Er wollte mich beschützen – wollte nicht, dass ich mich irgendwo rein verlaufe. Jetzt aber sieht er, dass es rennt, und immer, wenn er da ist, sind ur viele Leute im Geschäft. Und er hat es zwar noch nicht gesagt, aber ich glaube schon, dass er stolz ist auf mich (großes strahlendes Lächeln, Anm.).

Wie sieht eure Arbeitsteilung aus?

Ich arbeite etwa 17 bis 20 Stunden pro Tag, aber meine ganze Familie hilft mir sehr. Die Kleine ist öfters im Geschäft, dann geht die Schwiegermama wieder eine Runde mit ihr spazieren, später kommt dann die Große auch aus dem Kindergarten. Und mein Mann ist in Karenz. Eigentlich war unser Plan, dass er weiterhin in seinem Job, den er sehr geliebt hat, bleibt, aber mittlerweile haben wir all diese Pläne umgeworfen.

Find ich super – und wie geht’s deinem Mann mit den Kids?

Naja, viele stellen es sich halt sehr leicht vor, mit zwei Kindern „nur daheim“ zu sein – dabei ist es ein Job wie jeder andere, bloß mit dem Unterschied, dass du da wirklich 24 Stunden auf Abruf bist. Man kann nicht einfach zu den Kindern sagen, jetzt gebt mal kurz Ruhe, damit ich Wäsche waschen kann – das muss alles nebenbei passieren. Aber mein Mann macht das super! Und unsere Eltern und mein Bruder helfen auch, wo es nur geht.

Ihr habt einen tollen Facebook-Auftritt. Wie sind denn die Reaktionen der Leute im „echten Leben"?
Durchwegs positiv! Viele haben uns damals gesagt, dass unsere Idee schwer umzusetzen sein wird, wegen St. Pölten – und dass es länger dauern wird, bis es läuft. Aber das war von Anfang an überhaupt nicht so – die Mundpropaganda vom Start weg war ein Wahnsinn, vom ersten Tag an sind Leute hereingekommen und meinten, sie hätten gehört, hier gäbe es etwas Neues, etwas Besonderes.

Was macht das Besondere aus, von den cupcakes abgesehen?
Bei uns geht es ums Gesamtkonzept – von der liebevollen Einrichtung bis hin zu den sorgfältig gebackenen Kreationen, für die wir nur ausgewählte Zutaten verwenden, zum Beispiel belgische Schokolade statt Kochschokolade. Ich habe immer gesagt, ich wünsche mir, dass die Leute bei uns das Draußen vergessen – sich hinsetzen, einen Kaffee oder Tee trinken und einen Cupcake genießen, der mit Liebe gemacht wurde. Dass sie sich dafür Zeit nehmen... Es funktioniert sehr gut!

Hast du einen Marketingplan ausgearbeitet gehabt?
Nein, ich habe auch keinerlei Ausbildung in diese Richtung. Das hier – das bin einfach ich! Wir hatten auch keinen Shop Designer, sondern haben alles selbst ausgesucht, eingerichtet. Hier gibt es keine künstliche Masche und ich bin auch nicht die typische Geschäftsfrau. Natürlich müssen wir Geld verdienen, aber viel mehr geht es mir darum, in dem, was ich besonders gut und gerne tue, Erfolg zu haben. Mich selbst zu verwirklichen.

Einige Leute haben dich vor dem Standort St. Pölten gewarnt. Was sagst du heute dazu?

Ich war ja viele Jahre nicht hier, ich kannte noch das alte St. Pölten, wo das Publikum auch wirklich noch eher zurückhaltend und vorsichtig war. Jetzt habe ich alles von einer ganz anderen Seite erlebt und erlebe es weiterhin – es hat sich hier wirklich viel getan. Man probiert Neues aus und die Menschen sind viel offener als früher.

Was sind deine ganz persönlichen Lieblingskreationen?
Bei den Cupcakes mag ich Maroni auf Walnuss-Zimt total gern – oder Kirschpunsch auf Wallnuss-Zimt. Der kommt auch am allerbesten von allen an. Meine Lieblingstorte ist eine weiße Sachertorte mit Himbeermarmelade – total lecker und durch den höheren Kakaobutteranteil leichter und fluffiger als herkömmliche Sachertorte!

Bleiben wir doch gleich beim Thema „Torte“ – wie funktioniert es, wenn jemand eine Torte bei dir bestellen möchte?
Bei uns gibt es keine Kataloge, wo man sagt, man will die Nummer 3. Jeder Auftrag wird ausführlich mit dem Kunden besprochen, wir schauen uns gemeinsam Bücher durch, lassen Ideen einfließen. Viele Sachen sehe ich mir dann noch im Internet an. Es ist ein kreativer Prozess. Und es ist einfach wunderschön, wenn der Kunde dann ins Geschäft kommt, seine Torte bereits stehen sieht – und dann diesen glücklichen Blick in den Augen hat. Das ist immer wieder toll für mich!

Weißt du eigentlich noch, was dein allererstes Backwerk war?
Ganz genau! Ich war zehn und meine Mama war gerade mit meiner neugeborenen Schwester im Spital – und ich wollte für sie eine Biskuitroulade mit Marillenmarmelade backen. Mein Vater hatte keine Zeit, um mir zu helfen. Naja, ich habe dann das Rezept ein wenig abgewandelt und sehr, sehr viel Backpulver benutzt – mein kleiner Bruder und ich waren jedenfalls am Ende die einzigen, die sie gegessen haben.

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür – wie fühlst du dich?
Aufgeregt! Eben waren wir noch voll im Herbst, jetzt kommt schon Weihnachten. Aber ich habe schon wieder viele neue Pläne – zum Beispiel werden wir einen Baum im Geschäft aufstellen und mit selbstgemachtem Keksschmuck behängen. Ich freue mich darauf!