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St. Pöltens gute Seite

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Greisengymnastik

Text Herbert „Hebi“ Binder Ausgabe 06/2017

Wenn einer so  in die Jahre gekommen ist wie ihr Kolumnist, dann erscheint es für ihn höchst angemessen, nun doch nachzudenken über so was wie mentale Greisengymnastik. Nicht über das Animieren des Trizeps oder das Diminuieren des Gössermuskels, sondern über eine Umstellung der Lebenskultur ad ultimos annos. „Statuspassage“ nennen das die Gerontologen, Übergang vom „Noch-immer-gut-erhalten-Sein“ in die soziologische Kategorie der Seneszenz.
Spätestens jetzt ist es somit angebracht, sich etwas zurück zu lehnen aus der inzwischen allenfalls schon leicht lächerlichen Muppet-Position über der Rampe, die Halswirbelsäule zu trainieren durch vermehrtes, mildes Nein-Sagen, ruhigen Atem zu genießen, weil man ja schließlich nicht mehr allem und jedem hinterher rennen muss. Und wenn mir schon etwas über die Leber läuft, dann soll’s kein Ärger sein sondern lieber eine Cuvée aus dem Mittelburgenland.
Als bissiger Kolumnist hatte man so seine Lieblings-Playgrounds, wenn es um die Interaktion Land-Hauptstadt ging, um die Performance von Mutter Kirche, um Ambivalenzen im Kulturbetrieb. Aber was soll‘s, das Land beteiligt sich jetzt an der St. Pöltner FH, die Stadt wieder am Landestheater. Vielleicht kriegen wir ab 2018 sogar regionale Bedarfszuweisungen, schließlich sind wir als NÖ zentral ja inzwischen des Landes 5. Viertel. Und ein Haus der Geschichte kriegen wir auch, rechtzeitig vor der Wahl noch dazu. Es eröffnet wider Erwarten nicht mit Plachuttas „Rindfleisch-Sammlung“ (inklusive Kaisers Barthaar), sondern traut sich gar über die Zwischenkriegszeit.
Freundinnen und Freunde, es hat sich schon einiges getan in jenen 12 Jahren, die wir in dieser Kolumne zusammen sind. Ich dank euch für eure Treue! Adieu!