MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Geht schon — geht nicht

Text Beate Steiner Ausgabe 06/2018

„Na, geht ja“, melden die Kopfsteinpflaster-geplagten Füße, als sie das erste Mal in hohen Hacken über den frisch verlegten Belag in der Kremser Gasse schweben. Glatte Fläche, keine Rillen, fester Tritt. Kein Vergleich mit der Franziskanergasse, wo Stöckelschuh gegen Stöckelpflaster kämpft und die wackligen kleinen Steinchen nicht nur die Absätze edler Treter ruinieren, sondern wo frau auch Gefahr läuft umzuknöcheln und hinzusinken.
Großes Lob also an die Verantwortlichen, dass sie bei der Neugestaltung von St. Pöltens Einkaufsmeile die High-Heels-Tauglichkeit berücksichtigt haben. Eine kluge Entscheidung: Entspanntes Stöckeln stimmt die Damen fröhlicher, dadurch einkaufsfreudiger und wird natürlich die Frauen-Innenstadt-Frequenz erhöhen.
Lob für die glatte Kremser-Gassen-Oberfläche kommt auch von den Rollstuhlfahrern. Sie leiden nämlich ebenfalls unter dem Kopfsteinpflaster, weil die prellenden Stöße schmerzen. Und sie meiden zum Beispiel Franziskanergasse und Brunngasse, weil sie dort leicht aus dem Rolli katapultiert werden können, wenn sie in einem Pflasterloch hängen bleiben. Das kommt nicht gut an, wie auch die Tatsache, dass nur rund 50 Prozent der Shops in der City barrierefrei sind. Zum Vergleich: Einkaufszentren sind generell barrierefrei. In der Innenstadt sind also nur die Hälfte der Geschäfte ohne Stufensteigen erreichbar und somit für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen-Schieber und Fußmarode eingangstauglich. Das ist der City-Frequenz sicher nicht zuträglich. Und das ist unsympathisch und – geht gar nicht.