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St. Pöltens gute Seite

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Film-Gesicht aus St. Pölten

Text Beate Steiner Ausgabe 11/2017

Schauspielerin Veronika Polly entzückt als Medizinerin in Soko Kitzbühel und begeistert Kids fürs Schauspielen.

Sagen’s, sind Sie irgendwo Ärztin?“  Ganz kann die ältere Dame am Markt nicht einordnen, wo sie das fröhliche Gesicht mit den großen grünen Augen schon gesehen hat. „Ja, schon, aber im Fernsehen“, klärt  Veronika Polly lachend auf: „Das passiert mir oft, dass ich als Frau Doktor angeredet werde oder gleich als Frau Chefarzt einen Aufstieg mache!“ Kein Wunder, ist die Schauspielerin doch derzeit St. Pöltens bekannteste Serien-Erscheinung auf deutschsprachigen Bildschirmen: Als schräge Gerichtsmedizinerin Dr. Stefanie Löcker hilft Veronika Polly im Kult-Krimi Soko Kitzbühel mit, verzwickte Fälle im Tiroler Promi-Ort zu lösen. Eine Traumrolle für die 43-Jährige mit „medizinischer“ Vergangenheit. Denn vor ihrer Bühnen- und Filmlaufbahn hat Veronika Polly im Büro in der Herzchirurgie im Krankenhaus gearbeitet. Ihren Teenager-Traum von der Schauspielerei erfüllte sie sich erst mit 21 Jahren, mit einer klassischen Schauspielausbildung bei Elfriede Ott, die sie mit Auszeichnung abschloss. Mit ihrer Lehrerin stand die junge Mimin dann auch in Maria Enzersdorf auf der Bühne: „Elfriede Ott ist eines meiner Vorbilder. Ich habe von ihr sehr viel mitgenommen.“Überhaupt ist Veronika Polly geprägt von österreichischen Schauspielgranden, etwa Paul Hörbiger oder Hans Moser: „Ich liebe bis heute die alten Filme mit Hans Moser. Die habe ich als Kind immer am Samstagnachmittag im Fernsehen gesehen. ‚Hallo Dienstmann’ zum Beispiel. Dieses Bild, wo sich die runzligen Gesichter aneinanderreihen – dieser alte Stil beeinflusst mein Spiel bis heute.“ Ihr Können gezeigt hat Polly zunächst auf verschiedenen Bühnen, in Bregenz und am St. Pöltner Stadttheater, auch bei den Telfer Volksschauspielen, wo sie Ruth Drexel kennenlernte, „eine imponierende Frau.“   Zwischen ihren Auftritten in diversen Theatern steht Veronika Polly vor Film- und Fernsehkameras. Gelernt hat sie das mit „Learning by Doing“: „Einmal musste ich in einer Szene einen Krapfen anbeißen. Ich hab erst mitbekommen, dass ich nur so tun sollte, als ich den Krapfen schon runtergeschluckt hatte.“ In keinem Beruf  könne man als Meister einsteigen, ist Veronika Polly überzeugt, und erzählt von ihrem Film mit Ludwig Hirsch: „Da hab ich zwar meinen Namen im Nachspann gelesen, aber im Film gesehen habe ich mich nicht.“ Die Szene war der Schere zum Opfer gefallen: „Klar, dass Unwichtiges rausfliegt, wenn der Film zu lang ist.“ Das ist alles schon länger her.  Die sympathische rothaarige Schauspielerin taucht seither immer wieder auf dem Bildschirm auf, zum Beispiel in der Rolle der jungen Kellnerin Geli in der ORF-Serie „Mitten im 8en“: „Das war eine totale Gaudi“, schwärmt  Veronika Polly noch heute von den Dreharbeiten vor zehn Jahren. Wie schafft frau es eigentlich, zu interessanten Rollen beim Film zu kommen, wenn sie nicht den gängigen Klischees entspricht? „Ganz einfach“, lacht Veronika Polly, „aus der vermeintlichen Schwäche kannst du eine Stärke machen. Große Schlanke, die alle gleich ausschauen, kommen viele zum Casting, da kann der Regisseur aus dem Vollen schöpfen. Mein Typ ist seltener – ich hab da noch nie ein Problem gehabt.“ Unverwechselbar und authentisch müsse eine Schauspielerin sein, wie Barbara Streisand oder auch die Engländerin Maggie Smith. „Und können musst du natürlich schon was, sonst hast du keine Chance“, ergänzt die Mimin.Sie gibt ihr Können jetzt auch weiter. In Kursen der Kreativakademie in der Musikschule möchte Veronika Polly junge Menschen für das Theater und Schauspielen begeistern. „Wir spielen miteinander, arbeiten an Sprache und Ausdruck und lernen, was Gestik und Mimik erzählen können oder ein Blick verrät.“ Neun Kinder machen mit im Kurs: „Manche sind überrascht, dass Arbeit dahinter ist. Aber es reicht nicht, wenn einer den Kasperl runterreißt. Wir erarbeiten ein Programm, das zu Weihnachten im Festsaal der Musikschule gezeigt wird.“  Neben ihrer Lehrtätigkeit gibt die engagierte Schauspielerin immer wieder Lesungen, und hat noch viele Ideen für die nahe Zukunft, etwa für ein Buch, „das kann aber dauern, bis ich das umsetze“, oder für eine neue Lesung: „Vielleicht mit Kuriositäten aus der Gerichtsmedizin.“Bis dahin steht sie immer wieder als Gerichtsmedizinerin in der idyllischen Landschaft rund um Kitzbühel vor der Kamera, pendelt von Niederösterreich nach Tirol. Denn die waschechte St. Pöltnerin Veronika Polly lebt gern in ihrer Heimatstadt, gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Tochter Rosa und zwei Katzen: „Ob ich von Wien oder St. Pölten zum Drehen fahr, ist ganz egal. Und St. Pölten ist lebenswert, ein bisserl Stadt, ein bisserl Natur – und vor Ort ist alles, was mir wichtig ist. Meine Freunde, die Familie, die Schule, mein Lieblingsheuriger.“


LEBENSLAUF

Geboren 1974 in St. Pölten
HLW St. Pölten
Schauspielausbildung 1995 bis 1999 bei Elfriede Ott. Diplom mit Auszeichnung Theaterengagements Bregenz, St. Pölten, Telfs, Festspiele Berndorf, Kabarett Simpl

Filme (Auswahl)
2003     Twinni
2005     Zwei Weihnachtshunde
2006     Der Vermieter
2007     Lilly Schönauer, Mitten im 8en
2008     Der Besuch der alten Dame, Und ewig schweigen die Männer
2009     Annas zweite Chance, Ein halbes Leben, Todespolka
2013     Lost&Found
2014     Cop Stories
2015     Seit du da bist
2016     Soko Kitzbühel