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St. Pöltens gute Seite

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Die Hotel Turbo Twins

Text Johannes Reichl Ausgabe 03/2017

Was kommt heraus, wenn ein gestandener Discokönig und ein erfolgreicher Versicherungsunternehmer gemeinsame Sache machen? St. Pöltens erstes Low Budget Hotel, das Manfred Hinterberger und Alex Meder in der Rödlgasse umsetzen.

Wobei Low Budget sich v. a. auf die Kampfpreise für die Kunden bezieht, während das Hotel selbst dahingegen in punkto Ausstattung wohl manch alten Vierstern-Schuppen blass aussehen lassen wird. „Wir möchten die Zimmer stylisch und hochwertig gestalten, wobei das Hauptaugenmerk auf Komfort liegt. Die Leute sollen sich einfach wohlfühlen“, so Meder. Gelingen soll dies auf rund 18 Quadratmeter/Zimmer, gratis wlan inklusive. Wie bei Low Budget Hotels üblich wird es einen 24Stunden-Check-In/Check-Out Automaten geben, darüber hinaus möchten die beiden Neo-Hoteliers aber auch während der Betriebszeiten des Lokals eine „Rezeption“ anbieten „wo man ebenfalls ein- und auschecken kann und einem bei etwaigen Fragen weitergeholfen wird.“
Womit wir schon beim zweiten spannenden Feature des Hotels sind: Im dritten Stock wird nämlich klassisch Frühstück für die Gäste serviert … also „nix“ mit Runterwürgen ekelhaften Automatenkaffees oder eingeschweißten Chemie-Gebäcks wie es in ähnlichen Einrichtungen Usus ist. Zudem wird die Gastronomie aber ein eigenständiges Standbein darstellen, insofern, dass sie nicht nur den Hotelgästen zur Verfügung steht, sondern ein prinzipiell neues Lokalangebot im Süden darstellen wird – im Übrigen auch schon beim Frühstück! Wer die diesbezügliche infrastrukturelle Gastro-Wüste im Southvillage kennt, weiß, dass dies dem Stadtteil nur gut tun kann – zumal das Lokal mit einem besonderen Asset aufwartet: einer rund 160 Quadratmeter großen Dachterrasse im dritten Stock, aufgrund der Südausrichtung viel Sonnenschein inklusive! „Das wird glaub ich die erste Lokal-Dachterrasse in St. Pölten überhaupt“, mutmaßt Hinterberger, und auch wenn er schmunzelnd zugibt, dass es keine Rooftop-Bar mit Blick auf Empire State oder Stephansdom sein kann, so darf man bei guten Bedingungen zumindest mit einem Ausblick in die Voralpen rechnen, Ötscherblick inklusive – ja auch nicht schlecht! Angebotsmäßig wird es neben Getränken und dem einen oder anderen Drink auch kleine Snacks und Speisen geben. „Das Sortiment soll dabei nicht 0815, sondern innovativ sein, wie überhaupt das Gesamtambiente mit fetzigen Akzenten aufwarten wird“, verspricht Meder.  Der Grundansatz lautet auch hier „urban style“, den man einerseits mittels der Einrichtung oder rundum Glaswänden erreichen möchte, andererseits ebenso über coole Angebote, „die sich aber noch im Brainstorming-Stadium befinden!“ Ideen wie etwa Barbecue bei Sonnenuntergang klingen jedenfalls schon recht vielversprechend.
Eröffnet werden soll das Hotel, so alles nach Plan läuft, im Frühjahr 2018, wobei die beiden der Stadt in punkto Kooperation, Behördenabwicklung und Betreuung Rosen streuen. „Egal ob ecopoint, Tourismus oder der Bürgermeister höchstpersönlich, alle ziehen voll mit und unterstützen uns großartig“, betont Meder. Am augenscheinlichsten wurde dies etwa, als es galt, ein Alternativgrundstück zu finden, weil die Realisierung am ursprünglich ins Auge gefassten Areal nicht umgesetzt werden konnte. „Die Stadt hat uns aktiv bei der Grundstückssuche geholfen“, so Meder. Zugeschlagen hat man schließlich beim städtischen Grundstück in der Rödlgasse, das die Stadt im Baurecht mit Kaufoption an die Investoren vergibt.
Bleibt zuletzt noch die Frage, wen die beiden denn gerne im Hotel begrüßen würden – Stichwort Zielgruppe. „Im Grunde genommen wird es querbeet gehen – vom Geschäftstouristen über den Arbeiter bis hin etwa zu Gästen des benachbarten VAZ“, schätzt Hinterberger. Aber auch Radtouristen möchte man ansprechen, „immerhin liegen wir praktisch fast direkt am Traisental- und damit Donau­radweg“, so Meder, ebenso hat man Bustouristen im Visier „weil St. Pölten in diesem Segment immer stärker boomt.“
Vom Erfolg des neuen Hotels sind die beiden jedenfalls überzeugt, auch aufgrund ihres – wenn man es so formulieren möchte – Best of-Prinzips. „Wir haben mindestens 20 Low Budget Hotels getestet, haben dort genächtigt. Aus all diesen Eindrücken und Erfahrungen haben wir versucht, für unser Projekt sozusagen die besten mitzunehmen!“ Herausgekommen ist am Reißbrett, quasi ein Hybrid – ein Low Budget Hotel mit hohem Qualitätsanspruch und Service, weshalb Meder zuversichtlich in die Zukunft blickt. „Ich denke, wenn Low Budget Hotels in Pöchlarn, Purgstall, Wieselburg, Herzogenburg oder im tiefsten Waldviertel funktionieren, warum sollte dies dann nicht auch in der Landeshauptstadt der Fall sein.“ Wie zuversichtlich man ist, legt übrigens ein Blick auf die Pläne nahe – im Falle überdurchschnittlichen Erfolges ist bereits eine Erweiterungsfläche für das Hotel eingezeichnet.


Hard Facts
• Investitionssumme: ca. 2,5 Millionen Euro netto
• 50 Zimmer
• 100 Betten
• Zimmergröße ca. 18 qm
• 4.000 qm Grundstücksfläche
• 450 qm bebaute Fläche/Etage