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Die drei Rohlinge aus St. Pölten

Text Michael Reibnagel Ausgabe 06/2018

Seit bereits über acht Jahren treiben die drei Herren von Brute (auf Deutsch „Bestie“, „Rohling“ und ähnliches) bereits ihr Unwesen in der St. Pöltener Musiklandschaft. 2018 folgt nun eine kleine Neuausrichtung, die auch ein paar Änderungen mit sich bringt.

Bei der Gründung des Powertrios (bis 2017 noch mit Paulus Unterweger am Bass) standen vor allem noch bluesrockigere, wenngleich auch äußerst druckvolle Songs am Programm. Davon konnte man sich am 2011 erschienenen Album „Matterman“ sowie im Zuge zahlreicher Liveauftritte überzeugen. 2018 bringt nun einige Neuerungen mit sich. Zum einen hat man sich für einen Namenswechsel entschieden. Heute sind Mario Sluga (Gitarre, Gesang), Thomas „Synti“ Küttner (Schlagzeug) und Domink Kraushofer (der neue Mann am Bass) als Brutecast unterwegs, um die Welt mit ihrem kräftigen Sound zu erobern. „Das war vor allem eine rechtliche Geschichte. Es gibt schon unzählige Bands die Brute heißen und als eine weitere gleichnamige kommt man nirgends rein“, erklärt Synti, „Brutecast gibt’s als Band nur einmal und das sind wir!“  Neu ist außerdem, dass man sich vom Bluesrock etwas mehr in Richtung Metal bewegt hat. Eines darf dabei natürlich niemals fehlen: Druck! Diesen haben sich die Drei ganz groß auf ihre Fahnen geschrieben und für die Zuhörer ist dieser allgegenwärtig. Sei es live oder auf Tonträger.

Der Wandel

Der musikalische Wandel von Brutecast kommt nicht so überraschend, wie man vielleicht denken möchte. Zum einen kommen die drei aus unterschiedlichen musikalischen Ecken. Sänger und Gitarrist Mario wurde sehr stark von beispielsweise Jimi Hendrix, Eric Clapton oder Led Zeppelin beeinflusst. Drummer Synti zählt unter anderem neben 90er Metal auch Tool, A Perfect Circle oder Subway To Sally zu seinen Favoriten. Neuzugang Dominik hat eine klassische Gitarrenausbildung genossen und hat 2010 sogar den 1. Preis beim Prima La Musica und den 3. Preis beim Bundeswettbewerb in klassischer Gitarre gewonnen. Daneben zählt auch Tool zu seinen Lieblingsbands. Sein gesamtes Basskönnen hat er sich aber quasi bei Brutecast angeeignet. Hören konnte man die drei vorher (und nebenbei) zum Beispiel bei Electric Church und anderen Blues- und Jazzprojekten (Mario), Satara und Stooka (Synti) sowie Vodjanoi (Synti und Dominik).
Außerdem waren Brutecast schon immer auf der härteren Seite des Bluesrocks zu finden und der Weg hin zum Metal hat sich die letzten Jahre immer mehr angedeutet. „Angefangen hat damals alles mit Nummern, die für Electric Church zu hart waren. Da musste einfach was Neues her“, erzählt Mario. Die Entwicklung geht mit einem gewissen Verarbeitungsprozess der letzten 10 Jahre einher, und so fließen diverse persönliche Erlebnisse in die Musik ein. Der Sound der Songs wurde kompromissloser, die Bluesphrasen wurden in diesen weniger. Alles wurde sozusagen etwas geradliniger. Mit ihrem Sound, der die unterschiedlichen Genres vermischt, haben Brutecast quasi eine eigene Nische gefunden, die sie gekonnt ausfüllen. Mit ihrer Musik sind sie dabei bei den unterschiedlichsten Festivals und Konzerten gut aufgehoben. Nicht nur auf dem Metalweekend wissen die drei zu begeistern, sondern auch bei Veranstaltungen, die sich den nicht ganz so harten Spielarten der Rockmusik verschrieben haben, und bilden so immer einen Kontrast zum restlichen Programm.
Neben dem erwähnten Metalweekend, das alljährlich in St. Pölten über die Bühne geht, haben Brutecast aber auch schon einige andere namhafte Festivals und Locations mit ihrer Anwesenheit beehrt. Highlights in der achtjährigen Karriere der Band waren u. a. der Gewinn des Metalchamp Contests, einige Supportgigs sowie ein Auftritt am Nova Rock. „Wenn man zwischen den zwei großen Bühnen spielt und die Leute stehen bleiben, obwohl nebenbei gerade Anthrax auftreten, ist das schon beeindruckend. Aber eigentlich ist es immer super, auf der Bühne zu stehen. Egal wie viele Leute gerade da sind“, so Mario. Ein weiterer Auftritt, der den Jungs wohl für immer in Erinnerung bleiben wird, ist jener bei den Metaldays in Slowenien. Dieser ging am letzten Tag des Festivals, welches insgesamt eine Woche dauert, über die Bühne. Laut Techniker waren damals die Jungs die „heaviest Band“ der gesamten Veranstaltung. Und das trotz Beeinträchtigung mancher Akteure auf der Bühne.
Für Brutecast werden hoffentlich noch einige solcher Erlebnisse folgen, zumal das zweite Album ante portas steht. Dieses soll heuer – wenn alles gut geht im Sommer – erscheinen, wird „Mainstream“ heißen und 13 Lieder enthalten.

Slooga
Doch das ist nicht alles aus dem Brutecast-Lager. Nebenbei gibt es da auch immer noch Slooga, das quasi als das „Soloprojekt“ von Mario gesehen werden kann. Allerdings mit der Unterstützung von Synti und Dominik. Bei Slooga wird nach wie vor der Blues großgeschrieben. Diese Band ist somit das Gegenstück zum harten Brutecast-Sound. Dass dabei dieselben Protagonisten am Werk sind, macht die Sache natürlich viel einfacher. „Man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann und kennt die Stärken und Macken der anderen Musiker. Außerdem können wir so musikalisch in die unterschiedlichsten Richtungen wachsen“, erklärt Mario. Synti sieht das Ganze etwas anders, wenngleich auch mit einen Grinsen im Gesicht: „Die Aggressionen, die sich bei Slooga aufstauen, können wir bei Brutecast so richtig rauslassen.“ Außerdem kann man so unterschiedlichste Veranstaltungen bespielen.
In Zukunft darf man von beiden Bands jedenfalls noch einiges erwarten. Nach dem oben erwähnten Album „Mainstream“ soll irgendwann auch ein dritter Longplayer von Brutecast folgen. Und auch von Slooga erwartet uns zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt Album Nummer zwei. Das erste, das den Namen „Burning Shoe“ trägt, ist 2016 erschienen.
Wie auch immer: Solltet ihr auf einem Plakat Brutecast oder Slooga lesen: unbedingt anschauen und den Druck des Trios spüren! Der ist im positiven Sinne ganz schön brut(e)al.