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Der letzte SKN-Mohikaner geht

Text Thomas Schöpf Ausgabe 11/2017

Fast zwei Jahrzehnte hat Finanzberater und Immobilienmakler Christian Walter (53) die Geschicke des VSE und SKN St. Pölten in verschiedenen Vorstands-Funktionen mitbestimmt. Jetzt hat der St. Pöltner aber genug und geht freiwillig.

Nach dem Rücktritt von Trainer Jochen Fallmann verlässt mit Christian Walter das letzte St. Pöltner „Urgestein“ den Sportklub Niederösterreich (SKN). Freiwillig. Der 53-Jährige verspürt nach knapp 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit – zuletzt als Kassier – eine gewisse „Amtsmüdigkeit“. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und haben auch mit der aktuellen internen Entwicklung beim Bundesligaklub zu tun.
„Das Rad’l wird sich immer in die gleiche Richtung weiter drehen“, weiß Walter, „alle wollen immer mehr Geld und es wird immer schwieriger es aufzutreiben. Die Zeiten sind vorbei, wo du schnell einmal jemanden um Beträge wie 10.000 oder 50.000 Euro angeschnorrt hast.“
Und mit dem Schnorren musste das SKN-Gründungsmitglied rasch beginnen. 750.000 Schilling für die Sanierung der Haupttribüne aufzutreiben, war der erste große Brocken, der dem sechsköpfigen Gründungs-Vorstand um Sepp Hintermeier, Christian Walter, Gerhard Reichhard, Raphael Landthaler, Willi Vojta und Heinz Harauer in den Weg gelegt wurde. „Franz Kürzel von Traisenbau war uns damals eine große Hilfe. Wir haben das Geld vorgeschossen bekommen und es über Werbung langsam abgebaut.“ Bürgermeister Willi Gruber und Rudolf Leiner waren in den ersten Jahren nach der Gründung 2000 ebenfalls große Stützen. „Das war damals kein Spaß, bei jemandem in der St. Pöltner Wirtschaft vorzusprechen. Alle hatten den Konkurs des VSE im Hinterkopf, und dann kommen wir schon wieder daher“, erinnert sich Walter. Den Konkurs hat er 1994 als Vize-Präsident selbst angemeldet. Sein Vater Gerhard Walter war von 1991 bis 1994 Präsident: „Er hat privat irrsinnig viel eingezahlt, bzw. am Ende auch noch einmal viel Geld verloren. Es war für mich schon ein persönlicher Antrieb, es selbst besser zu machen.“

Erfolg kam rasanter als erwartet
Dass der Weg einmal in der Bundesliga enden könnte, hatte Walter überhaupt nicht am Plan. „Der sportliche Erfolg hat uns jedes Mal überholt. Wir sind kaum nachgekommen, noch mehr Geld aufzutreiben.“ 2000 fing der SKN in der 2. NÖ Landesliga an. 2001 stieg er in die 1. Landesliga auf, 2002 in die Regionalliga, 2008 in die 1. Liga und 2016 in die Bundesliga. Finanziell eng hätte es nach Ansicht Walters nur einmal werden können, wenn die „Wölfe“ 2016 den Aufstieg in die höchste Spielklasse nicht geschafft hätten. Mit rund 50 Punkten hatte der Vorstand kalkuliert. Unter Trainer Karl Daxbacher sammelte der SKN aber 80 Punkte (Ligarekord!).
Walter war es auch, der die Tür zum Land Niederösterreich aufgestoßen hat. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Die Nähe des SKN zum „schwarzen Niederösterreich“ ist nach wie vor omnipräsent. „Anders wäre ein Profiklub hier aber nicht zu führen gewesen“, weiß Walter, „außer wir hätten uns einem Wirtschaftstreibenden, wie etwa Herrn Trenkwalder, ausgesetzt. Außerdem hat mir Bürgermeister Stadler klar gesagt: ‚Meinen Segen hast du, das ist zu teuer für die Stadt.‘“ Und erst nachdem das Land beim SKN den Fuß quasi in der Tür hatte, kam das Stadion-Projekt ins Rollen. Eine Sanierung des Voith-Platzes wurde ad acta gelegt, seit 2012 haben die St. Pöltner ihre NV Arena.
Mittlerweile kratzt der SKN am 7-Millionen-Euro-Budget und möchte in zwei Jahren die 10-Millionen-Hürde knacken. Als Vorstandsmitglied würde Walter persönlich dafür haften. „Und das ist schon ein Unterschied, ob du als Privater für einen kleinen Klub schnell einmal für ein paar tausend Euro gerade stehen musst, oder für sechs bis sieben Millionen.“ Obendrein obliegen Personalentscheidungen wie etwa  die Trainerbestellung den mittlerweile 15 strategischen Partnern des Klubs, die eine einmalige Einschreibgebühr von 50.000 Euro und einen jährlichen Beitrag von 10.000 Euro für ihre Mitgliedschaft zu entrichten haben. Haften müssen sie nicht.
Die Sitzungen wird Walter vermissen. „Es entstanden viele Freundschaften. Es waren wirklich tolle Jahre, für die ich sehr dankbar bin und die ich nicht missen möchte.“ Dem SKN wünscht er „hoffentlich noch viele erfolgreiche Jahre in der obersten Spielklasse.“