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St. Pöltens gute Seite

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Böse Geister wird’s hier schon keine geben, oder?

Text Thomas Schöpf Ausgabe 03/2017

Der Eurofighter von 2008, Üüümit Korkmaz, ist beim SKN St. Pölten stationiert. Wie es dazu kam, kann er gar nicht genau erklären. Es war Gefühlssache. Im Gespräch mit dem MFG-Magazin äußert er auch ein Anliegen: Er hätte gerne mehr Familien in Österreichs Stadien.

Rüüückblende: Im Sommer 2008 herrscht Europhorie unter den österreichischen Fußball-Fans. „Unser“ Nationalteam ist erstmals bei einer EM-Endrunde dabei, weil Österreich und die Schweiz selbige gemeinsam veranstalten. Die Ernüchterung folgt gleich in der Gruppenphase und kumuliert mit dem Ausscheiden gegen Deutschland im dritten Spiel. „Unser“ einziges Tor erzielt der aus Kroatien stammende Ivica Vastic aus einem Elfmeter, was ZDF-Analyseexperte Jürgen Klopp angesichts dessen fortgeschrittenen Alters und des strammen Vollzugs so kommentiert: „Da hat er sich jetzt aber 38 Jahre lang vorbereitet auf diesen Schuss.“ Die Kronenzeitung titelte gar: „Ivo, jetzt bist Du ein echter Österreicher.“ Dem aus der Türkei stammenden Rapidler Ümit Korkmaz hatte das Organ von Anfang an akzeptiert. Die österreichischen Fans lieb(t)en den wieselflinken Flügelspieler ohnehin. „ÜÜÜ“-mit schallte es bei seinen Tempodribblings durch das Oval des Happel Stadions. Korkmaz nutzte die große Bühne und wechselte nachher in die deutsche Bundesliga.
Zurüüück: Achteinhalb Jahre später, nach den Stationen Eintracht Frankfurt, VfL Bochum, FC Ingolstadt und Rizespor und zahlreichen Verletzungen ist Korkmaz wieder daheim in Österreich, lebt in Wien und kickt für den SKN St. Pölten. Wie es dazu kam? „Irgendwie habe ich es gespürt, dass es St. Pölten wird“, sagt er, „ich weiß auch nicht, warum.“ Die Mama, er und seine Familie wollten einfach nur wieder heim, und sein Freund Andreas Dober hatte ihm auch schon ein bisschen was über den SKN erzählt gehabt. Sein Manager, der Linzer Max Hagmayr, erledigte den Rest. „Die Nähe zu Wien ist ein Zuckerl, mehr nicht“, hält der 31-jährige Pendler fest. „Ich weiß gar nicht, ob ich gegen St. Pölten schon einmal gespielt habe.“ Mit den Profis von Rapid jedenfalls nicht. Aufgenommen wurde er hier herzlich, sowohl von der SKN-Familie, als auch von vielen Fans. Nur ein paar Unverbesserliche verglichen ihn mit Andreas Ivanschitz, der einst von Rapid zum Erzrivalen Salzburg gewechselt war, und meinten es sei eine Art Verrat an Rapid für einen anderen Verein in Österreich zu spielen: „Aber was soll ich machen? Soll ich meinen Beruf aufgeben?“
Er fühlt sich nach wie vor als Rapidler und schaut auch gerne mal der Vienna oder dem Wiener Sportklub in der Regionalliga Ost bei Heimspielen zu. Fit gehalten hat er sich beim Wiener Stadtligisten FC Karabagh, eine Zeit lang sogar gemeinsam mit dem urlaubenden Besiktas-Istanbul-Kapitän Veli Kavlak und dem vereinslosen Ex-Rapidler Yasin Pehlivan: „Die spielen dort gar keinen schlechten Fußball, haben einen Vereinschef aus Aserbaidschan, der sich sehr gefreut hat, dass wir mittrainieren, und bei den Heimspielen kommen sogar 1.000 Zuschauer“, schwärmt Korkmaz und trägt plötzlich ein persönliches Anliegen vor: „Das möchte ich schon einmal sagen, dass in Deutschland die Fußballer über allen anderen Sportlern stehen. Da wirst du auf der Straße sofort erkannt, die haben einen ganz hohen Stellenwert, und es sitzen in den Stadien ganze Familien. Das fehlt hier. Das ist schade. Es muss ja nicht jeder ein Riesen-Fan sein und ständig reinbrüllen.“
Diese Atmosphäre vermisst er, auch wenn es seit 2008 schon etwas besser geworden sei. St. Pölten gefällt ihm generell ganz gut. „Überall war ich aber noch nicht, muss ich zugeben, vor allem in der Innenstadt. Böse Geister wird’s hier aber schon keine geben, oder?“ Gleich in seinem ersten Pflichtspiel bei der 0:2-Niederlage des SKN St. Pölten bei Red Bull Salzburg hat sich Korkmaz am Oberschenkel verletzt und war gleich wieder zu einer längeren Pause gezwungen. Rüüückschlag ist das keiner: „Da habe ich schon Schwierigeres überwunden.“ Zunächst gilt es mit dem SKN das Abstiegsgespenst zu vertreiben. Nächste Saison darf es dann vielleicht ein bisserl mehr sein. Bis Sommer 2018 gilt sein Vertrag.


"Irgendwie habe ich es gespürt, dass es St. Pölten wird!" Ümit Korkmaz