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Auf dem Weg zur Nummer 1 im Land?

Text Thomas Schöpf Ausgabe 06/2016

Der Sportklub Niederösterreich St. Pölten (SKN) hat in der Ersten Liga eine famose Aufstiegs-Saison hingelegt. In der Bundesliga soll weniger Wind wehen, dafür (noch) mehr Geld fließen.

Um 23:37 Uhr stemmte der in Blue Jeans und rotem Pulli gewandete LH Dr. Erwin Pröll samt SKN-Meisterschal um den Hals im Fan-Dorf vor der NV Arena auf der DJ-Bühne noch einmal den Meis­terteller und hielt per Mikro fest: „Das ist der Abend der Helden!“ Nach der obligaten (Dankes-)Rede – vornehmlich an Trainer Karl Daxbacher gerichtet – mahnte die Nummer 1 vom Land NÖ die Anhänger, den SKN künftig auch in schlechten Zeiten nach Kräften zu unterstützen und freute sich: „Endlich hat sich das Stadion ausgezahlt.“ 26 Millionen Euro hat selbiges bekanntlich gekostet, finanziert von Bund, Land und der Stadt. Die Gagen der SKN-Kicker überschritten zuletzt die Drei-Millionen-Euro Grenze, allerdings sprengten sie sportlich auch alles Dagewesene. 80 Punkte hat in der Ersten Liga in 36 Runden noch nie wer gemacht. Die bisherige Bestmarke hatten Admira Wacker (1999/2000) und SV Ried (2004/2005) mit 77 Zählern inne gehabt. Überdies erzielten die SKN-Kicker die meisten Saisontore (68), bekamen die wenigsten Gegentreffer (34) und fuhren die mit Abstand meisten Siege (26) ein. Admira und Ried waren in ihren Rekordjahren auf 23 bzw. 24 volle Erfolge gekommen. Im Oktober war die Daxbacher-Truppe noch neun Punkte hinter Wacker Innsbruck auf Platz zwei gelegen. Danach fuhr sie in 22 Spielen 19 Siege ein und distanzierte mit der ältesten Mannschaft der Liga – die Startelf im letzten Spiel war im Schnitt schon über 28 Jahre alt – den Titelfavoriten LASK um acht Punkte und Wacker um 21 Zähler! Für Daxbacher ist es „der schönste Erfolg in meinem Trainerleben.“ Und der 63-Jährige holte mit seinen Verein Austria Wien – für die er vierzehn Jahre kickte – immerhin den ÖFB-Cupsieg (2009) sowie drei Meistertitel mit dem LASK (zwei in der Regionalliga, einen in der ersten Liga). „In der Heimatstadt zählt es aber am meisten“, so der Statzendorfer, der den SKN 2000/2001 zum Meistertitel in der 2. NÖ Landesliga West und 2001/2002 zum Meistertitel in der 1. NÖ Landesliga geführt hatte, ehe er als Trainer Frenkie Schinkels weichen musste, weil ihm die Vereinsführung „taktische Mängel in der Vierer-Abwehrkette“ vorwarf und ihm unterstellte, „die jungen Spieler nicht gut führen zu können.“Ob Schinkels dem SKN nun als Sportdirektor erhalten bleibt, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Sein Anteil am Erfolg ist schwer zu messen. In jedem Fall ist die Verpflichtung vom starken Flügelflitzer Cheikhou Dieng über ihn gelaufen. Allerdings gehört der Senegalese dem Vorarlberger Manager Horst Zangl, wie auch der Brasilianer Jefferson, der im Herbst beim SKN überhaupt nicht Fuß fassen hatte können. Seit März kickt Jefferson wieder in seiner Heimat, aber nur mehr in einer Provinzmeisterschaft unterhalb der vierthöchsten Liga. Dieng ersetzte Jefferson, quasi als Wiedergutmachung mit Aufzahlung. „Sechser“ Florian Mader kam vornehmlich wegen Daxbacher, den er schon in der gemeinsamen Zeit bei der Austria schätzen gelernt hatte, zum SKN. Innenverteidiger Daniel Petrovic ist von Daxbacher aus der Regionalliga Mitte bei Vorwärts Steyr geholt worden, ebenso Stürmer Bernd Gschweidl von der Grödiger Ersatzbank. Er spielte einst schon in der Akademie St. Pölten mit Florian Grillitsch (Werder Bremen), der die „Wölfe“ bei der Meisterfeier beehrte. Ansonsten entsprach der Meisterkader – abgesehen noch vom umstrittenen Daniel Beichler – in groben Zügen dem Fast-Abstiegskader der Vorsaison.Die Planungen für die Bundesliga laufen schonFür die Bundesliga soll das Budget von drei Millionen Euro auf kolportierte fünf Millionen aufgestockt werden. Die NV Arena wird hingegen nicht aufgestockt. Im Schnitt kamen „nur“ 2.750 Zuschauer, womit der SKN weit hinter Wacker (3.700) und LASK (3.500) landete; und Austria Lustenau (2.700) nur aufgrund des ausverkauften Spiels gegen den LASK und der Meisterparty gegen FAC noch von Platz drei verdrängte. Dafür ist ein Windnetz ähnlich jenem in der benachbarten Tennis-Arena angedacht.  Bundesligist Admira sollten die Wölfe in der Zuschauergunst jedoch überflügeln. Zum NÖ-Rivalen kamen trotz einer überragenden Saison mit Platz vier in der Liga und dem Einzug ins ÖFB-Cupfinale nur durchschnittlich 2.850 Besucher zu den Meisterschaftsheimspielen. Im Cup-Halbfinale hatten die Südstädter ja den SKN ausgeschaltet. Im Zuge dessen wurde Trainer Ernst Baumeister gefragt, um was er den SKN beneidet: „Um die Unterstützung vom Land.“