Irrläufer
Text
Beate Steiner
Ausgabe
09/2026
Auf nix kann man sich heutzutage verlassen. Täglich passiert Überraschendes, ist zu hören und zu lesen, was ich noch vor Kurzem als Fake abgetan hätte. Nein, nicht nur überm großen Teich, im Wilden Westen, auch hier bei uns, im kleinen Österreich, im beschaulichen St. Pölten. Die städtischen Kommunisten, zum Beispiel, haben bei der letzten Wahl Stimmen gewonnen mit einem besonderen Angebot, mit dem Mieternotruf. Der steht Mietern gegen Vermieter mit Rat und Tat zur Seite. Blöd, dass die Kommunistische Partei als Hauseigentümer ihren Mieter nicht weiter unterstützen konnte und der ob einer saftigen Abgabenerhöhung sein Lokal zugesperrt hat. Merke: Die KPÖ, die „soziale Opposition im Gemeinderat“, hat gelernt, dass ein Haus nicht ohne Kapital erhalten werden kann.
Auch die liberalen NEOS kritisieren die KPÖ-Entscheidung, obwohl diese eigentlich in ihr Programm passen sollte. Sie stehen ja dafür, dass der Staat sich weniger in die Wirtschaft und das Privatleben einmischt und Steuerzahler und Unternehmen entlastet werden sollen. Nicht so bei uns: Die St. Pöltner NEOS sehen die Stadt „in der Verantwortung“, bei der Entwicklung des von der Wohnungsgenossenschaft „Alpenland“ gekauften Leiner-Areals „ins Handeln zu kommen“. Die NEOS fordern also, dass die Gemeinde privaten Eigentümern anschafft, was sie machen sollen und dass öffentliche Aufwendungen in Privat-Projekte fließen. Verdrehte kleine Welt. In der gibt’s noch einige ideologische Irrläufer zum Stimmen-Keilen. Also: Fortsetzung folgt.



