Aus-gegraben?
Text
Andreas Reichebner
Ausgabe
09/2026
Sie gruben, führten durch die Ausgrabungsstätten sowie die daraus entwickelten Ausstellungen und sind für die wissenschaftliche Auswertung der Fundstücke zuständig. Das Team der Stadtarchäologie St. Pölten unter Ronald Risy war in den letzten Jahren ein Erfolgsmodell, das weit über die nationalen Grenzen hinweg Strahlkraft zeigte. Im Jahre 2026 kam es allerdings zu einer erheblichen Personalstandreduktion. Wird die Stadtarchäologie zum Auslaufmodell?
Nimmt man den aktuellen Stand, eine Vollzeitstelle und eine Halbtagskraft her, deutet einiges darauf hin. Schließlich war man 2025 noch ein Team mit sieben Vollzeitbeschäftigten, sorgte bei den Ausgrabungen am Domplatz mit sensationellen Gräberfunden für internationale Reputation. Denn die Auswertungen der außergewöhnlichen Skelettfunde der großen mittelalterlichen Friedhöfe mit mehr als 15.000 Leichen am Domplatz führte zu einer wissenschaftlichen Sensation. So analysierte ein Team unter der Leitung von Prof. Fabian Kanz die osteologischen Überreste an der Medizinischen Universität Wien. „Ich habe Fabian Kainz auf einem Kongress getroffen und zuerst 50 Proben an die Uni geschickt“, erinnert sich Stadtarchäologe Ronald Risy, „inzwischen wurden schon mehr als 500 Proben daraus.“ Anfangs war es ein Rätsel, woran die mehr als 500 Menschen in den drei Massengräbern starben.
Der Schwarze Tod
Eine Pilotstudie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie enthüllte dann endgültig die Todesursache: den berüchtigten Schwarzen Tod, der um 1350 Europa verwüstete. Die Forscher konnten Dutzende der Genome von Yersinia pestis rekonstruieren, die exakt mit dem Schwarzen Tod-Stamm übereinstimmten. Es konnte sogar ein Gen identifiziert werden, das vor Pestinfektionen schützt. Maßgeblich daran beteiligt war auch Prof. Johannes Krause, einer der führenden Forscher im Bereich der Archäogenetik. In seinen Vorträgen, auch schon in St. Pölten, gibt er Einblick in aktuelle Forschungen zur Geschichte der Pest, die durch moderne DNA-Analysen möglich werden. Dieser Erfolg war vor allem auf die Ausgrabungsarbeiten des St. Pöltner Teams rund um Ronald Risy, der nun eine massive Abwertung seines Teams sieht, geschuldet.
Da die Grabungen am Domplatz im gesamten Budget der Domplatzgestaltungen aufgingen, konnte das Kulturamt St. Pölten für die Jahre 2020-2023 jeweils 300.000, und 2024 und 2025 jeweils 330.000 Euro beziffern. Auf die Frage, warum die Stadtarchäologie derart reduziert wurde, heißt es: „Aufgrund der Konsolidierungsmaßnahmen mussten in vielen Abteilungen leider Einsparungsmaßnahmen vorgenommen werden, auch in der Kulturabteilung. Da in der nächsten Zukunft nur mehr kleinere Projekte anstehen und die größeren Projekte umgesetzt wurden, werden die Anforderungen gut bewältigbar sein.”
Aber das soll nicht so bleiben. „Eine zeitnahe Aufstockung des Personals für den zukünftigen Stadtarchäologen ist bereits in Planung und soll ab 2027 umgesetzt werden, sodass ein solides, kompetentes Team die umfangreichen Aufgabengebiete der Stadtarchäologie, wie etwa die Fortführung der Datenbank und die wissenschaftliche Betreuung des Depots, wahrnehmen kann”, so Kulturamtsleiter Alfred Kellner. Das fixe Kernteam soll ab 2027 aus vier Personen bestehen. Angestellt wurde als zukünftiger Archäologe Stefan Fuchs-Sommer, der bisherige Stellvertreter des Stadtarchäologen Ronald Risy, der nächstes Jahr in Pension gehen wird. Dadurch soll die Betreuung von zukünftigen Ausgrabungen, im Sinne von Projektleitungen, gewährleistet werden.
„Das Angebot der XR-Brille wird im Herbst erweitert. Zukünftig können auch der römische Stadthalterpalast und das römische Badehaus in realer Größe in der XR-Welt direkt am Domplatz besucht werden“, merkt Kellner noch an. Man darf gespannt sein.



