War da was?
Text
Michael Müllner
Ausgabe
06/2026
Erinnern Sie sich an den 25. Jänner 2026? Genau, da war doch was: Gemeinderatswahl. Seither regiert die SPÖ von Bürgermeister Matthias Stadler nicht mehr allein, sondern mit den Grünen. Wenn es stimmt, dass allem Anfang ein Zauber innewohnt, dann ist dieser gut versteckt.
Angeblich muss man einer neuen Regierung hundert Tage Zeit geben, damit alle in ihre Rolle finden und man erste Umsetzungen sieht. Ich spüre aber keine hunderttägige Schonfrist, mir scheint es eher als wäre im Rathaus ein hundertjähriger Schönheitsschlaf ausgebrochen. Ja, ich hatte mir ein Tralala an Ankündigungen von innovativen, mutigen Projekten erwartet – na klar wurde ich enttäuscht. Oder haben uns die Grünen erklärt, wie sie mit der SPÖ den Domplatz begrünen? Hat uns der Bürgermeister erklärt, wieso der Aufreger REWE-Lager in Wahrheit für die Stadt ein Gewinn ist? Kann mir jemand mit einem Satz verständlich machen, ob die Stadt jetzt will, dass die S 34 gebaut wird?
Genau, das habe ich jetzt von meinen überzogenen Erwartungen. Die Sitzungen des Gemeinderats werden weiterhin nicht übertragen. Dafür genehmigen sich die Fraktionen wie im Vorjahr unverändert 150.000 Euro Parteienförderung als sogenannte „Förderung der Bildungsarbeit der Kommunalpolitiker“ (nur die NEOS stimmen da regelmäßig dagegen). Ich sehe es eh ein. Gut Ding braucht Weile. Erst recht, wenn man plötzlich wen zweiten am Tisch sitzen hat, mit dem man die Überschriften aus dem Regierungsprogramm umsetzen soll. Frag ich halt im Herbst nochmal nach.



