MFG - „Wollen nicht nur gesetzliche Mindeststandards erfüllen“
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„Wollen nicht nur gesetzliche Mindeststandards erfüllen“

Text Johannes Mayerhofer
Ausgabe 06/2026

Dr. Richard-Geschäftsführer Ludwig Richard erklärt im MFG-Interview, wieso sein Konzern den LUP-Bus voll elektrifiziert, welche Busmodelle künftig durch St. Pölten fahren und wieso „Dr. Richard“ jetzt Projektpartner des Infrastrukturministeriums ist.

Herr Richard, was waren Ihre Hauptgründe, sich für E-Busse zu entscheiden – für Niederflurbusse gäbe es laut EU-Verordnung ja weiter die Dieseloption?
Bei der Dr. Richard Gruppe haben wir es uns zum Ziel gemacht, das Angebot an emissionsfreier Mobilität umfassend auszubauen – der Umwelt und den Menschen zuliebe.
Als modernes Familienunternehmen denken wir in Generationen, und das verpflichtet uns, nicht nur den Mindeststandard zu erfüllen, sondern aktiv voranzugehen. Das bedeutet für uns, die Umstellung unserer LUP-Flotte in St. Pölten konsequent und nachhaltig zu verfolgen, auch wenn gesetzliche Ausnahmen theoretisch weiterhin Dieselbusse erlaubt hätten. Mit einem Investment von mehr als 11 Millionen Euro läuten wir nun im St. Pöltner Stadtverkehr die Ära der E-Mobilität ein und das ist ein wichtiger Meilenstein für eine spürbare Reduktion von CO2- und Lärmemissionen im urbanen Raum. Dass wir zeitgleich auch im Bereich E-Reisebus als klimaaktiv-Projektpartner des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) ausgezeichnet wurden, bestätigt uns: Wir sind auf dem richtigen Weg, denn Nachhaltigkeit ist keine Frage des Trends, sondern der Haltung.

Die Wahl fiel auf zwei Modelle von Daimler. Was macht diese Fahrzeuge für den LUP-Einsatz besonders geeignet, und worauf müssen sich die Fahrgäste einstellen?
Nach mehrtägigen Testfahrten und einer gemeinsamen Studie mit dem Hersteller haben wir uns für den eCitaro und den eCitaro K entschieden. Diese europäischen Fabrikate bieten höchste Zuverlässigkeit im städtischen Linienbetrieb, modernste Batterietechnologie und ein optimales Energiemanagement für den anspruchsvollen Taktverkehr. Hinzu kommt, dass die Service- und Wartungsinfrastruktur perfekt auf unsere Werkstätten abgestimmt ist. St. Pöltner Fahrgäste dürfen sich somit auf ein völlig neues, noch komfortableres Fahrgefühl freuen. Die neuen E-Busse beschleunigen vollkommen stufenlos und gleiten nahezu lautlos durch die Stadt. Im Innenraum fällt der gewohnte Vibrations- und Geräuschpegel des Dieselmotors komplett weg. Gleichzeitig bleibt der gewohnte Komfort beim barrierefreien Einstieg und der Fahrgastrauminformation auf höchstem Niveau bestehen.

Die Batterien sollen rund 400 Kilometer Reichweite schaffen. Welche Distanzen legt ein LUP-Bus aktuell zurück, und wie schlagen sich die Batterien bei voller Last oder Sommerhitze?
Durch den intensiven Taktverkehr erreichen unsere LUP-Busse an Schultagen Spitzenleistungen von bis zu 400 Kilometern pro Umlauf und genau das haben wir als Planungsreferenz herangezogen. Moderne Thermomanagementsysteme sorgen dafür, dass die Batterien sowohl bei winterlicher Kälte als auch bei extremer Sommerhitze und voller Fahrgastbelegung ihre volle Leistungsfähigkeit behalten. Wir sind überzeugt, dass unsere E-Busse im Spätherbst genau diesen Anforderungen mehr als gerecht werden.

Rund um Ihren Betriebsstandort in der Goldeggerstraße 37 gab es 2018 Anrainerbeschwerden wegen Lärm und Emissionen. Wie hat sich die Situation entwickelt?
Wir haben bewusst den direkten Weg gewählt und frühzeitig eine Informationsveranstaltung für alle Anrainer:innen gemeinsam mit allen beteiligten Unternehmen und der Stadt St. Pölten organisiert. Vor Ort gab es nur positive Rückmeldungen und das zu Recht, denn für die Nachbarschaft ändert sich die Situation nur zum Besseren – kein Motorlärm, keine störenden Tankstellengeräusche in der Nacht. Wir wollten genau die Situation von 2018 nicht wiederholen und haben daher alle schon im Vorfeld umfassend über die Pläne und die technischen Maßnahmen informiert.

Ihr Unternehmen hat Fakten geschaffen – politisch ist die Neuaufstellung des LUP ab 2027 aber noch offen. Wie sehen Sie den anhaltenden Stillstand zwischen Stadt und Land NÖ?
Als privates Verkehrsunternehmen und langjähriger Partner der NÖVOG, der Stadt St. Pölten und des Landes Niederösterreich konzentrieren wir uns auf das, was wir können und was wir steuern können: einen modernen, pünktlichen und umweltfreundlichen Nahverkehr für die Menschen in St. Pölten. Unser Fokus liegt darauf, im Rahmen der laufenden Ausschreibungsperiode alle Voraussetzungen zu schaffen, um die Dekarbonisierung unserer LUP-Flotte technisch und organisatorisch perfekt umzusetzen. St. Pölten wird mit diesem Schritt zu einer der ersten Landeshauptstädte Österreichs, in der ein privater Busbetreiber seine gesamte Stadtflotte aus eigener Initiative elektrifiziert, darauf können wir alle stolz sein.