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Alles häuslich?

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 09/2026
Während Sie, liebe Leserinnen, sich den Sommer über hoffentlich erholt haben, durfte ich meine Zeit im Vorarlberger Klostertal verbringen. Allerdings nicht um zu urlauben, sondern um zu einer christlich-fundamentalistischen Sekte zu recherchieren. Sie nennt sich „Gemeinde Gottes“ und schottet sich weitgehend von der Gesellschaft ab. Dazu gehört auch der häusliche Unterricht ihrer Kinder (öffentliche Schulen bezeichnete die Gruppe bereits als „Werkstätten des Teufels“).
Anders als in Deutschland kann in Österreich die Schulpflicht nämlich durch den Unterricht zu Hause ersetzt werden. Ein historisches Überbleibsel. Als 1774 die Volksschulpflicht eingeführt wurde, wollte man die Kinder des Adels nicht in öffentliche Schulen nötigen.
Und auch wenn es heute einige wenige gute Gründe für den häuslichen Unterricht geben mag: Die Möglichkeit wird vor allem von ideologisch – sagen wir einmal – problematischen Eltern genutzt, um ihre Kinder jeder Kontrolle zu entziehen. Schule ist nämlich nicht nur ein Ort, wo Kinder (auf oft schmerzliche Weise) lernen, wie unser soziales Gefüge funktioniert. Sie ist auch die einzige Möglichkeit, für den Staat regelmäßig mitzubekommen, wie es Kindern zu Hause geht.
In der „Gemeinde Gottes“ zum Beispiel dürfte es zumindest früher einigen Kindern gar nicht gut ergangen sein. Aussteiger berichten von seelischer und körperlicher Gewalt. Eines von vielen Beispielen, warum der häusliche Unterricht in Österreich massiv eingeschränkt gehört.