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Pirates of the year

Text Thomas Fröhlich
Ausgabe 09/2026

Sie sind Profis, haben in unterschiedlichen Bands gespielt und überraschen nun mit einem großartigen Mix aus Hardrock, Punk und archaischem Rhythm & Blues: Satan’s Bananas! Thomas Fröhlich war nach 3 Takten Fan und führte ein Interview mit seinen neuen Helden.

24. Juli 2026. An den Ges­taden des Ratzersdorfer Sees findet die sechste Auflage des „musik.stp FeSTPval“ mit Bands aus der Region statt. Es ist Nachmittag, sehr heiß, das Bier verdunstet in den Bechern und die Erwartungen sind hoch – hat sich doch als zweite Band Satan’s Bananas angesagt, deren Mitglieder aus lauter (nicht an Jahren) alten Haudegen besteht, die in früheren Formationen schon mehr als zu überzeugen (etwa mit Jotu Jeu) wussten. Dann erklingen die ersten Akkorde, der Leadsänger setzt ein – und plötzlich hat man das Gefühl, sich in einem rauchigen Rockclub zu befinden, irgendwo an der Gabelung zwischen Sixties, Siebzigern und Vielem, was nachher mit Gitarre, Bass und Schlagzeug möglich und einfach saugut war. Das Ganze verfügt auch noch über einen Drive, der sich direkt ins Hier und Heute und in sämtliche Gehörgänge der Zuschauer und -hörer fräst. Das ist definitiv keine Nostalgieshow, auch wenn in den lyrics durchaus auch verstorbenen Größen wie etwa Ozzy Osbourne gehuldigt wird. Nach einer (viel zu kurzen) Dreiviertelstunde ist das Konzert vorbei. Sofort wird ein Interviewtermin ausgemacht, der dann einige Tage später in der Seedose stattfinden wird …
Die Hitze ist geblieben, als das Treffen am Viehofner See stattfindet, die auch schon während des Konzerts ein paar Tage davor spürbar gute Laune der Bandmitglieder Johannes Unterweger (Gitarre & Lead-Stimme), Christian „Orso“ Kaiser (Bass, Stimme) und Klaus Höfinger (Drums, Stimme) ebenfalls.
Eine der ersten Fragen lautet dann gleich: „Satan’s Bananas – wie kommt man eigentlich auf einen derartigen Namen?“ Johannes Unterweger lacht: „Wir haben ca. hundert Vorschläge gesammelt. Hat aber überhaupt keinen Hintergrund, hat uns gleich angesprochen – und daraus entstand auch gleich das Logo [ein Teufelchen mit Bananen als Hörner]. Hat was Böses und Albernes zugleich.“ Klaus Höfinger ergänzt grinsend: „Habe bei einer Jobvorstellung den Bandnamen genannt – das gab eine interessante Reaktion.“ Und Orso meint: „Wir sind ja keine ‚böse‘ Band.“ Er und Klaus sind ja im Brotberuf im Sozialbereich tätig, einzig Johannes kann beruflich einen gewissen Rock’n’Roll-Lifestyle als Stagehand vorweisen, der als Selbstständiger unter anderem für Bühnenauf- und -abbauten zuständig ist. Nach einer Phase intensiven Hard- und Punkrockgenusses schlägt er nun mit Satan’s Bananas durchaus neue Wege ein. Nachdem er im Herbst 2024 eine längere Songwriting-Pause beendet hatte, entstand neues Material, das eindeutig in die härtere Richtung ging. Er kontaktierte Klaus und Orso – und die waren sofort dabei. Obwohl Klaus sich selbst gar nicht so sehr als „Riesen-Virtuosen“ sieht: „Aber der Punk-Zugang hat mir gefallen: simpel, straight, mit viel Energie! Der Anfang war holprig, aber ich habe da gut hineingefunden und bin recht zufrieden.“ Orso kommt ja sowieso aus der härteren Ecke, hat mit der Band Calderah vor einigen Jahren den Metalchamp Bandcontest gewonnen. „Seit einem Jahr wird mit vielen Pausen geprobt. Fürs Konzert am Ratzersdorfer See, das ja unser erstes als Satan’s Bananas war, haben wir ein paar Wochen lang das Set geprobt.“ Das Ergebnis war ein unglaublich dichtes Brett, hochprofessionell und zugleich herzerfrischend spontan. „Da ist auch immer Einiges an Improvisation dabei“, so Johannes, der unter anderem die Band Grateful Dead, bekannt für ihre zum Teil ausufernden Jams, zu seinen erklärten Lieblingen und Inspirationsquellen zählt. Einflüsse von Black Sabbath oder Dio sind erkennbar, gekoppelt mit der Energie des Punks und der Freiheit des Jammens, ein frisches und unverbrauchtes Gebräu. Textlich machen sie sowieso ihr eigenes Ding: „Eigentlich lass‘ ich mich von allem inspirieren“, so Johannes, Songwriter der Band. Von allem? „Ja, damit mir nicht fad ist! Von Liebe, Gefühle, verstorbene Musikikonen, Nonsens.“ Was es mit dem Song „Pirates of the Week“ auf sich hat? Klaus erklärt: „‚Pirates of the Week‘ kam nicht als Bandname in Frage, aber als Liedtitel. So wie ‚Mitarbeiter des Monats‘.“
„Outsider“ war ja der erste Song, der geprobt wurde. Dazu Johannes: „Das ist ziemlich uplifting, wie eigentlich vieles, was wir machen. Hier etwa geht’s darum: Es ist okay, anders zu sein.“ Manchmal schreibe er ja bis zu acht Songs in einer Woche, „doch das ist physisch und psychisch schon recht anspruchsvoll. Aber manche Ideen lassen sich einfach nicht aufschieben.“ Und: „Ich schreibe ja in unterschiedlichen Stilen für unterschiedliche Musikstile, manches ist für Satan’s Bananas geeignet, manches nicht.“
Die Band nimmt sich also die Freiheiten, die sie braucht. Ein Album ist schon geplant, aber: „Eigentlich wollen wir ja gar keine Rockstars sein“, sinniert Klaus, was ihm einen erschreckt wirkenden Grinser von Johannes einbringt: „Na, schon irgendwie!!!“ Orso bringt das Ganze auf den Punkt: „Wir wollen bei der Musik Spaß haben und freuen uns, wenn es auch anderen so geht.“ Ja, das kann man bestätigen.
Ob es irgendetwas gibt, was sie den mfg-Lesern vielleicht noch mitteilen wollen?
Klaus denkt kurz nach und lächelt (ein wenig satanisch): „Der legendäre Wiener Kulturstadtrat der Nachkriegszeit, Viktor Matejka, meinte einmal zu André Heller: ‚Nicht laschieren! Außer ihr wollt‘s den Untergang! Ich bitt‘ euch höflich, seid‘s keine Trottel!‘ Dem kann ich mich nur anschließen.“ Orso findet: „Man soll sich selbst treu bleiben, dazu stehen, was man in sich trägt.“ Und Johannes finalisiert: „Man kann seine Meinung auch einmal ändern, weil man sich selbst ändert. Man lernt nie aus.“
Satan’s Bananas beweisen auf jeden Fall eins: Neil Youngs Aussage „Rock’n’Roll can never die!“ hat auch 2026 nichts an Kraft verloren. Nachzuhören am 28. November in der Seedose.