Deadline
Text
Tina Reichl
Ausgabe
09/2026
Nichts motiviert mich so sehr zum Putzen wie ein mfg-Abgabetermin! Bevor ich mit dem Schreiben meiner Kolumne beginne, muss ich mich natürlich ordentlich darauf vorbereiten. Das ist klar. Früher war es das Spitzen sämtlicher Jolly-Farbstifte. Heute muss dafür das Schuhregal herhalten.
Das berühmteste Beispiel für erfolgreiche Prokrastination ist die Oper Don Giovanni. Mozart komponierte die Ouvertüre angeblich erst in der Nacht vor der Premiere. So ähnlich hat sich das auch mein Sohn gedacht, als er gestern bis zwölf noch an einer Arbeit schrieb – und ich ihn dabei innerlich verflucht habe.
Denn mit dem Aufschieben kommt ja der ganze Stress: Ob der Drucker eh druckt. Ob genug Papier daheim ist. Da schläft man als Mutter auch ganz friedlich, wenn aus dem Wohnzimmer ständig ein Poltern zu hören ist. Und man schreit den Nachwuchs selbstverständlich auch nicht an, weil er für diese Arbeit zwei Monate Zeit hatte. Überhaupt nicht.
Aber anscheinend ist dieses Aufschieben vererbbar.
Dabei wäre es laut Google eigentlich ganz einfach: Alles, was weniger als zwei Minuten dauert, sofort erledigen. Projekte mit der Salami-Taktik in kleinere Scheiben schneiden. Und natürlich das Handy ausschalten!
Alles klar?
Das werde ich jetzt gleich meinem Sohn vorschlagen. Und vielleicht entschuldige ich mich auch noch für meinen kleinen Schreianfall.
Später dann.
Vorher muss ich noch die Kolumne kürzen und endlich abschicken! Aber wird eh erst morgen gedruckt ...



