Wieser kämpft für „noch viel mehr Wertschätzung unserer Top-Athletinnen“
Text
Thomas Schöpf
Ausgabe
09/2026
Seit Juli ist Christina Wieser, Ökonomin bei der Weltbank mit mehrjährigen Einsätzen in Äthiopien und Pakistan, Präsidentin der SKN St. Pölten Frauen. Ihre ambitionierten Ziele: weiterhin Spitzenfußball in der NV Arena, mehr Spielerinnen aus der Region in der Kampfmannschaft und mehr Publikum.
Wie war Ihre erste Auswärtsreise als Präsidentin der Wölfinnen nach Turin zu Juventus?
Sehr aufregend. Vor allem, weil wir uns so gut geschlagen haben. Das hat uns wohl kaum wer zugetraut, dass wir bei Juventus ein Unentschieden holen. Es war toll zu sehen, wie groß der Zusammenhalt der Mannschaft ist und wie professionell alle arbeiten. Letztes Jahr war ich auch schon mit in Rom und bin sehr dankbar dafür, denn so bekomme ich noch bessere Einblicke.
Nach dem Aus in der Champions League geht es im Europacup gegen Malmö weiter, das Heimspiel steigt am 23. September in der NV Arena. Was erwarten Sie sich?
Wir gehen nach dem starken Auftreten in Turin und dem gelungenen Meisterschaftsstart jedenfalls mit viel Selbstvertrauen in das Duell gegen Malmö. In der Champions League ist das Leistungsgefälle zwischen den Klubs sehr groß. Im Europacup ist das nicht unbedingt der Fall. Da hat ja auch die Austria letztes Jahr mit dem Einzug ins Viertelfinale gezeigt, dass auch für Klubs aus Österreich viel möglich ist. Auch wenn Malmö nicht unbedingt das leichteste Los war, wir sind bereit.
Das vorrangige Saisonziel ist aber wohl, sich den Meisterteller von der Austria zurück zu holen?
Wir wollen in jedem Fall wieder bis zum Schluss ganz vorne mitspielen. Das wird immer schwerer, weil die Konkurrenz größer wird und zumindest im Herbst die Mehrfachbelastung aufgrund der internationalen Spiele bei uns auch ein Thema ist. Ich sehe das aber sehr positiv, dass auch die anderen Klubs immer besser werden. Das hilft uns in der Liga allen sehr viel weiter, auch wenn das für uns natürlich die eine oder andere Niederlage mit sich bringt, wie letzte Saison.
In der „Tabelle der anderen Art“, einer von der Vereinigung der Fußballer „VdF“ durchgeführten Umfrage unter Spielerinnen von acht Bundesliga-Klubs ist der SKN „nur“ Vierter geworden.
Ich bin sehr dankbar für diese Umfrage. Gut, dass es sie gibt. Es ist natürlich eine Momentaufnahme, die wir aber sehr ernst nehmen. Wir halten ständig Rücksprache mit unseren Spielerinnen, haben ein regelmäßiges Forum, und versuchen laufend die Strukturen zu verbessern. Ich darf hier auch anmerken, dass unsere Geschäftsstelle hervorragende Arbeit leistet. Wir haben uns gemeinsam drei große Ziele gesetzt.
Welche denn?
Wir wollen eine noch bessere Grundlage für professionellen Frauenfußball in St. Pölten schaffen. Wir sind sehr stolz, dass bereits die Mehrheit unserer Spielerinnen hauptberuflich Fußballerinnen sind. Künftig wollen wir aber auch der Verein der Region werden, zu dem alle Mädchen wollen. Sie sollen die Möglichkeit haben, es von der U14 über die U16 und das Future Team in die Profimannschaft zu schaffen. Diesen Weg gilt es zu ebnen. Außerdem wollen wir mehr Leute ins Stadion bringen, den Hebel vor allem bei den Familien ansetzen. Hier werden wir immer wieder Aktionen starten, damit der Besuch noch interessanter wird und die Kinder bei uns gut untergebracht sind. Ich möchte aber schon noch festhalten, dass der SKN in der Geschichte des österreichischen Frauenfußballs eine Vorreiterrolle hat, in der Vergangenheit bereits sehr viel leistete. Darauf gilt es aufzubauen.
Das heißt, künftig werden weniger Legionärinnen auflaufen. In der Startelf im Rückspiel gegen Juventus standen mit Jennifer Klein und Magdalena Rukavina nur zwei Österreicherinnen.
Wir machen überhaupt keinen Unterschied, wo jemand herkommt. Hauptsache der Zusammenhalt stimmt und das ist definitiv der Fall. Wir sind sehr stolz, dass wir die Anlaufstelle für Top-Spielerinnen aus Osteuropa sind und viele Legionärinnen auch sehr lange bei uns bleiben. Wie stark unsere jungen Wilden sind, hat man im Cup beim 12:0-Sieg gegen Brunn gesehen, als viele vom Future Team ran durften.
Da haben sich mit Alba Szuchy, Julia Tabotta, Isabel Aistleitner, Anika Gusenbauer und Emma Scheuher gleich fünf Österreicherinnen in die Schützinnenliste eingetragen. Gibt es aber überhaupt genug junge Mädchen in der Region, um mittelfristig weiterhin eine Top-Mannschaft in der heimischen Bundesliga zu haben?
Ja. Zu meiner Zeit war das noch anders. Ich hatte als Mädchen in Kilb keinen wirklichen Zugang zu einem Team, für mich gab’s damals mehr oder weniger nur Volleyball oder Tennis zur Auswahl und ich habe mich fürs Tennis entschieden. Natürlich gilt es hier genauso weiter die Strukturen zu verbessern. Bei uns im Verein kann ich mich als Ökonomin gut einbringen, und ich werde jede freie Minute dafür nutzen, um für noch viel mehr Wertschätzung unserer Top-Athletinnen zu sorgen. Die haben sie sich redlich verdient.




