3 Jahre Domplatz neu – Erfolg oder Misserfolg?
Text
Georg Renner
, Jakob Winter
Ausgabe
09/2026
Georg Renner
Der Wilhelmsburger ist freier Journalist und betreibt den Podcast „Ist das wichtig?“.
Die „Leider nein“-Niete der Hauptstadtplanung.
Auch auf die Gefahr hin, hier wie der ärgste früher-war-alles-besser-Boomer rüberzukommen: Auch drei Jahre nach dem Umbau fehlt mir der alte Domplatz noch immer. Himmel, ich halte seine neue Inkarnation für so verunglückt, dass mir sogar der Baustellen-Domplatz, auf dem man wenigstens einen Blick tief hinunter in die Vergangenheit der Stadt werfen hat können, lieber war als die jetzige Steinwüste.
Nun kann man sagen, he, eine Stadt braucht eben urbane Freiräume, Plätze ohne Konsumzwang, zum Verweilen, herumlenzen, veranstalten und so weiter. Ja eh. Aber erstens: Wenn es St. Pölten an einem schon bisher nicht gemangelt hat, dann an Freiräumen: Gefühlt gibt es hier das großzügigste Einwohner-zu-Fußgängerzonen-Verhältnis südlich des Polarkreises, und das ist noch ohne die bereits vorhandenen (und weitgehend ungenutzten) Betonwüsten im Regierungsviertel mitzurechnen. Und zweitens: Wenn es einen Raum gibt, der – mit Ausnahme des Marktes und gelegentlicher Events wie Bravissimo meinetwegen – so wirklich überhaupt nicht zum Verweilen einlädt, dann den Domplatz. Im Sommer brennt die Sonne alles nieder, im Winter ist er rutschig und dazwischen ist er schlicht unwirtlich.
Selbst, wenn man findet, dass es den Parkplatz dort nicht mehr gebraucht hat – was ich angesichts der völlig überfüllten Rathausgarage ja in Abrede stellen würde, aber bitte – lässt sich rational kaum erklären, warum man nicht eine menschenfreundlichere Variante gewählt hat. Eine mit, sie wissen schon, ein bisschen mehr grün, echten Bäumen oder einem Spielplatz, der den Namen ein bisschen mehr verdient als der lieblose Zug, den man hinten im Eck versteckt hat. Und wenn schon Stein, Stein, Stein, wären zumindest ein paar Sonnensegel eine interessante Variante gewesen, damit sich – Stichwort Klimawandel – wenigstens ab und zu ein paar Leute auf den Platz verirren könnten.
So, wie er jetzt ist, ist der Domplatz die „Leider nein“-Niete der Stadterneuerung. Schade darum. Vielleicht finden sich in ein paar Jahren Budget und Wille, das noch einmal von vorne anzugehen.
Jakob Winter
Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Digitalchef beim „profil“.
Der Domplatz kann zum Museumsquartier werden.
Fangen wir mit dem Positiven an: Es war eine mutige Entscheidung, die Autos vom Domplatz zu verbannen. Ein historischer Platz im Zentrum einer Stadt ist zu kostbar, um ihn als Dauer-Parkplatz zu verwenden. Zumal unter dem Bischofsteich gerade Ersatz gegraben wird.
Vielleicht dauert es noch, bis sich alle daran gewöhnt haben. Doch irgendwann wird die Vorstellung von parkenden Autos vor dem Dom ähnlich seltsam wirken wie heute jene von Autos am Rathausplatz. Der ist seit 1988 autofrei.
Der schwierigere Teil: Was kann der neue Domplatz eigentlich? Er funktioniert vor allem dann, wenn er bespielt wird. Wochenmarkt, Eiszauber, Konzerte – die Stadt wollte einen multifunktionalen Veranstaltungsplatz, und diesen Zweck erfüllt er.
Aber ein guter Stadtplatz sollte auch dann funktionieren, wenn gerade nichts stattfindet. Zwischen den Veranstaltungen wirkt die große freie Fläche schnell leer. Mit dem „Römer“ hat zwar ein attraktives Lokal den Platz besiedelt. Aber eine Bar allein kann einer Fläche dieser Dimension nicht das nötige Flair verleihen.
Es braucht gar nicht zwingend mehr Gastronomie. Es braucht mehr Gründe, auf dem Domplatz zu bleiben. Mehr Schatten durch Bäume, Sonnensegel oder andere Lösungen. Der Hitzesommer hat das deutlich gemacht. Mehr Sitzgelegenheiten, die nicht nur funktional, sondern einladend sind. Möglichkeiten für Kinder.
Wie so etwas funktionieren kann, zeigt das Wiener Museumsquartier. Auch dort besteht der öffentliche Raum nicht aus einer bunten Blumenwiese. Große Teile sind versiegelt. Trotzdem verbringen dort Menschen Stunden, ohne eine Veranstaltung zu besuchen oder in ein Lokal zu gehen. Die Enzis, Bäume und Wasser machen aus einer Fläche einen Ort. Vielleicht lässt sich dieses Prinzip ja übertragen.
Der neue Domplatz war ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt müsste der Platz noch so gestaltet werden, dass Menschen auch dann dortbleiben, wenn gerade nichts auf dem Programm steht, also: ein Platz für jeden Tag.



