Wandel bei den Wirten
Text
Beate Steiner
Ausgabe
09/2026
Die einen planen ihren Ruhestand, andere verlieren ihr Lokal, wieder andere gehen mit originellen Kooperationen in die Zukunft. Und dann gibt’s da noch Gerüchte über Gerüchte: In der St. Pöltner Gastro-Branche gärt es.
Ein Klick auf willhaben.at erstaunte neugierige St. Pöltner: Das Café im Palais Wellenstein wird auf der Plattform zur Übernahme angeboten. Betreiber Tezcan Soylu gibt Entwarnung, er zieht sich nicht zurück. Er möchte nur rechtzeitig damit beginnen, einen Nachfolger zu suchen, der das erfolgreiche Konzept des Lokals weiterführt. „Das kann schon bald oder erst in einigen Jahren sein.“
Ähnlich ist die Antwort von Osteria-Wirt Erich Stierschneider auf das Gerücht, dass er in Pension gehen will: Er habe zwar das gesetzliche Pensionsalter erreicht, aber es werde noch etwas dauern, bis er den Kochlöffel übergibt. „Sollte sich jemand für das Lokal interessieren, kann es schon sein, dass im nächsten Jahr Veränderungen passieren.“ Bis dahin kocht Stierschneider noch seine feinen italienischen und lokalen Schmankerl in der Herrengasse.
Apropos Gerücht. Eines ist an jedem Wirtshaustisch aufgeploppt: Otto Raimitz – Schau.Spiel und Klang.Spiel in St. Pölten – soll in einen Registrierkassenskandal verwickelt und hoch verschuldet sein. Außerdem soll er sich aus dem Klang.Spiel zurückziehen „Das ist natürlich beides nicht wahr, die Behauptungen kommen von Neidern. Ich habe einen Persilschein vom Finanzamt, sonst könnte ich kein neues Lokal aufmachen.“ Und das tut der Multi-Gastronom. Er eröffnet demnächst das „Limore Italiano“ in Krems. Und sein Klang.Spiel-Pachtvertrag mit Egger läuft bestätigterweise zumindest bis Juli 2027.
Aus für das BarRock
Nicht mehr ausgeschenkt wird allerdings im BarRock: Betreiber Stefan Weiss konnte sich mit dem Hauseigentümer, der KPÖ, nicht auf einen neuen Vertrag einigen und sperrt den beliebten Treffpunkt für Nachtschwärmer und Musikfreunde nach 20 erfolgreichen Jahren zu. Dass ausgerechnet die KPÖ den Mietvertrag so erhöhte, dass BarRock-Wirt Weiss nicht unterschrieb, rief Kritik von den NEOS hervor, was die KPÖ zur Stellungnahme auf ihrer Website veranlasste: „Die KPÖ musste jedes Jahr mehrere Tausend Euro aufwenden, weil das Haus ein Minus gemacht hat. Auf Dauer hätte das bedeutet, ein privatwirtschaftlich betriebenes Lokal aus Parteimitteln zu subventionieren. Diese Situation war für uns nicht länger tragbar und hätte uns früher oder später dazu gezwungen, das Haus zu verkaufen.“
Bei den Gästen sorgt das Aus des beliebten Nachtlokals jedenfalls für Entsetzen, und Wirt Tezcan Soylu beobachtet den Wandel der Branche als Gastronomie-Sterben: „Immer mehr Lokale schließen, wir haben kein einziges richtiges Nachtlokal mehr in der Stadt, und die Wirtshauskultur, die die Szene belebt hat, gibt es auch nicht mehr.“ Früher haben sich die Leute im Lokal getroffen, haben dort Live-Musik oder Lesungen genossen, geplaudert und Spaß gehabt. „Jetzt gehen die jungen Leute weniger fort und kommunizieren nur mehr mit dem Handy. Die schlechte Infrastruktur, also fehlende Parkplätze, trägt auch zu den Problemen in der Gastronomie bei.“
Kreative Koch-Köpfe
Diese Probleme sind nicht die von TRARA. TRARA, das sind Mike Nährer (Gasthaus Nährer in Rassing), Rafael Pils (Gasthof Pils in Eschenau) und Werner Punz (Vinzenz Pauli in St. Pölten). Die drei ausgezeichneten Gastronomen mischen als Traisentaler.Radikale die heimische Gastro-Szene auf. Die drei waren viel unterwegs, sind Mitglieder bei zahlreichen Gastro-Vereinen. „Da wird überall geredet und geredet und wenig getan. Wir wollten etwas tun, unsere Ideen umsetzen. Und das macht Spaß“, sagt Werner Punz. Gemeinsam ist den drei kreativen Köchen viel Liebe zu den regionalen und saisonalen Produkten, die sie verarbeiten, außerdem „Transparenz und Ehrlichkeit“, so Werner Punz. Und er macht Gusto auf die „radikalen Rezepte“ von TRARA: „Passieren wird auf jeden Fall einiges in St. Pölten und im Traisental. Zum Beispiel Pop-up-Events wie ein Stadtheuriger im Löwinnenhof beim Linzer-Straßen-Fest. Oder der Abend ‚Drei Köpfe für ein Halleluja‘ beim Genuss-pur-Festival.“ Denn Gastronomen müssten sich immer neu erfinden, weil sich der Geschmack der Konsumenten ändert. Werner Punz: „Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Leute ins Wirtshaus kommen. Ich kann nicht erwarten, dass andere die Probleme für mich lösen. Kein Verein und auch nicht die Politik sind dafür verantwortlich.“
Die drei gleichgesinnten Gastronomen sind überzeugt, dass St. Pölten viel Potenzial hat, und machen mit ihren Veranstaltungen und Auftritten sympathische Werbung für die Hauptstadtregion und das Traisental. TRARA hatte auch schon Anfragen für zusätzliche Mitglieder und hat abgelehnt. Werner Punz: „Wir unterstützen einander und können gemeinsam mehr stemmen. Aber je mehr Leute mitreden, desto schwieriger wird’s.“





