Es war einmal
Text
Beate Steiner
Ausgabe
06/2026
Ich war dabei, live, vor 40 Jahren, als gelb-rot kostümierte Narren LaHauPö-rufend durch die Innenstadt zogen. Über einen tristen, grauen, sonst menschenleeren Herrenplatz, vorbei an der wenig belebten „Passage“. Riemerplatz, Rathausgasse und Rathausplatz wurden von in Autos sitzenden Leuten „belebt“, sie parkten rund um die Dreifaltigkeitssäule. Für Tiefgaragen war die Zeit in St. Pölten noch nicht reif, für praktische Öffis auch nicht, und radln war nicht angesagt. Auf dem Rathausplatz besuchte man den Leiner, manchmal auch eine Operette im Stadttheater. Das wars – KEIN Kino, KEINE Nobelboutique, KEINE Speiselokale, KEIN Kaffeehaus lockten auf den „Hauptplatz“ der Stadt. Immerhin, die Kremser Gasse zeigte bereits seit den 1960ern als zweitälteste Fußgängerzone auf. Richtig berühmt war St. Pölten aber wegen seines olfaktorischen Stigmas. Wer erinnert sich nicht an Sager wie „St. Pölten erkennt man beim Vorbeifahren - am Geruch.“ Oder: „Dem Mutigen bangt selten, warum graut dir vor St. Pölten?“ Der Schwefelgeruch ist glücklicherweise schon vor langer Zeit verduftet, aus der grauen Ortschaft hat sich eine bunte Stadt entwickelt – mit geschäftiger Fußgängerzone, mit quirligen Schanigärten bei gefragten Restaurants und beliebten Kaffeehäusern. Und mit einem großartigen Kulturangebot, das Gäste aus nah und fern anzieht. Nur manchmal noch blitzt das dörflich-biedere Gemüt des alten St. Pölten hervor. Etwa, wenn das Volksfest, das das Mausern der Stadt überdauert hat, als „kunstsinnige“ Veranstaltung angekündigt wird.



